Die erwachsenen Gewinner aus Puchheim (v.l.): Stephanie Schiller (3. Platz), Michael Bloech (3. Platz), Lissy Pawelka (Siegerin), Marion Strencoich (2. Platz) und Kuno Saatze (Sonderpreis). Fot os: tb

Wettbewerb 

Diese Geschichten ranken sich um die Gummistiefel

Der Deutsch-Finnische Club Puchheim hatte zu einem Schreibwettbewerb aufgerufen. Vor kurzem  wurden die Siegergeschichten gekürt. 

Puchheim– Was können zwei große, verdreckte Gummistiefel auf einer abgelegenen Wiese bedeuten? Zu unbequemes Schuhwerk für müde Füße? Illegale Abfallentsorgung? Gar ein Hinweis auf ein Verbrechen? Dieser Frage sind kürzlich jedenfalls nicht weniger als 108 Puchheimer und nicht ganz so viele Menschen aus der Partnerstadt Salo nachgegangen. Sie alle folgten dem Aufruf, eine skurille Ausgangssituation literarisch weiterzuspinnen.

Die Idee zu dem binationalen Schreibwettbewerb hatte der Deutsch-Finnische Club. Eine örtliche Buchhändlerin, der Chef der Stadtbibliothek und eine Literaturexpertin des Kulturvereins bildeten die Jury. Vor kurzem wurden die Gewinner gekürt.

Der Phantasie waren keine Grenzen gesetzt und die Hobby-Autoren glänzten auch mit Einfallsreichtum. Sara aus Salo erzählte – allerdings auch unbekümmert um die Längenvorgabe – ein ganzes Märchen um eine Gräfin, die in die verwunschenen Stiefel steigt und erst 20 Jahre später erlöst wird. Während in ihrer Geschichte ein kalter Wind weht und die Eule tief aus dem Wald ruft, hebt Mitsiegerin Juulia (sic)auf die Einsamkeit des Nordens ab. In ihrer vermeintlichen Spukgeschichte gehören die Stiefel einem alten Mann, der in einem nur scheinbar verlassenen Haus lebt.

Lokalkolorit auch bei den Puchheimer Schriftstellern. Bei Jugend-Siegerin Svenja Kölschs (14) anrührender Geschichte um den verstorbenen Opa, dessen Stiefel die Enkelin spazieren führt, erhebt sich auch ein Schwarm Krähen aus den Bäumen.

Ein kurzer, aber spannender Mystery-Thriller gelang Alicia Dern (12), Gewinnerin bei den Kindern. Darin deuten die Stiefel auf den verschwundenen Vater hin. Vom Sohn, der sich des Nachts auf die Suche gemacht hatte, bleibt nur ein Paar rote Turnschuhe in der Wiese.

Fast lebensnah schließlich die Geschichte von Lissy Pawelka, die den ersten Platz bei den Erwachsenen holte. Die Schuhe sind nämlich ein Relikt von ihrem Freund Mahdi, einem Asylbewerber, der hinter dem Altersheim das Gummistiefel-Weitwerfen trainierte und dabei alle Sorgen vergaß. Denn mit diesem seltsamen Brauch aus dem hohen Norden hat der Deutsch-Finnische Club auch die Puchheimer schon vertraut gemacht. 

von Olf Paschen 

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