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Serie: Unsere Bahnhöfe im Osten

Ein Bahnhof mit vielen Barrieren

Sie sind Sehnsuchtsorte und Verkehrsknotenpunkte: Unsere Bahnhöfe. Tagtäglich nutzen sie mehrere tausend Pendler, um zur Arbeit, zur Schule oder in andere Orte zu kommen. Grund genug, die Bahnhöfe in Eichenau, Olching, Esting, Puchheim und Gröbenzell einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Heute: der Puchheimer Bahnhof.

Puchheim Das größte Manko des Puchheimer S-Bahnhofs ist schnell entdeckt: Er ist nicht barrierefrei. Der Mittelbahnsteig, sprich die Züge in Richtung Geltendorf, sind nur über zahlreiche Treppen erreichbar. Wer mit dem Rollstuhl unterwegs ist, einen Kinderwagen oder ein Radl dabei hat, gerät schnell an seine Grenzen. Denn einen Lift oder behindertengerechte Rampen gibt es nicht. Um in die Toiletten bei der Unterführung zu gelangen, müssen weitere Stufen bewältigt werden. Wer es bis zu den Gleisen geschafft hat, stellt dort fest, dass auch die Einsteigkanten von 20 Zentimetern Höhe alles andere als barrierefrei sind. Dabei zählt der Puchheimer Bahnhof zu den am stärksten frequentierten Stationen an der S 4.

Bürgermeister Norbert Seidl kennt die Klagen über den Bahnhof. Seiner Meinung nach sei die Station als Mobilitätsdrehscheibe zu werten, und es gelte diese entsprechend aufzuwerten. Und der Rathauschef legt gleich nach: „Der Kiosk der DB-Service-Station ist zwar mittlerweile wieder geöffnet und hat eine hohe Auslastung, aber die Toilettenanlage im Vorraum ist seit wiederholtem Vandalismus geschlossen, und es werden derzeit auch keine Fahrkarten dort verkauft, was kein Mensch versteht.“

Das sehen auch die Fahrgäste so. „Wir fanden es praktisch, dass es dort früher Fahrkarten gab“, meint das Rentnerpaar Gisela und Kurt. Gelungen finden die beiden die Unterführung, die die Stadtteile Ort und Bahnhof miteinander verbindet. „Die Trennung zwischen Fußgänger- und Radlweg ist toll“, sagen sie. „Und wir kennen wirklich schlimmere Bahnhöfe als den Puchheimer.“

Auf Nachfrage teilt die Aushilfsverkäuferin im DB-Shop mit, dass künftig wieder Fahrkarten dort verkauft werden sollen. Ihr Arbeitgeber Valora habe den Verkauf beantragt. Dann wendet sie sich Jürgen Andrae zu, der einen Snack kaufen will.

Er ist oft am Puchheimer Bahnhof. „Die Toiletten im Vorraum sind seit Ewigkeiten geschlossen, und der Vorraum ist nur auf, wenn der Kiosk geöffnet hat“, berichtet er. Das sei besonders im Winter – zu nächtlich-kalter Stunde – ärgerlich. Und: „Es wäre angenehm, wenn es entlang der Bahnsteige mehr Sitzmöglichkeiten gäbe“, sagt er.

Ein Fahrgast, der namentlich nicht genannt werden möchte, erzählt: „In dem Betonbunker-Klo bei der Unterführung ist es eng, oft schmutzig, und es stinkt meist gewaltig.“ Nach der Besichtigung dieses stillen Örtchens stellt die Tagblatt-Reporterin fest: Recht hat er.

Doch der anonyme Bahnkunde, der seit 45 Jahren auf dieser Strecke unterwegs ist, will auch Lob loswerden: „Die Bauhofmitarbeiter unserer Stadt sorgen regelmäßig für Sauberkeit rund um den Bahnhof.“

Wie Rathauschef Seidl mitteilt, soll sich die Situation am Bahnhof aber verbessern. „Der Bahnhof ist in ein Umbauprogramm aufgenommen, die Planungen für den barrierefreien Ausbau werden in Kürze dargestellt.“ Ein Bahnhof, der so zentral in der Stadt liegt, brauche aber auch ein Gesicht und müsse mehrere Mobilitätskriterien erfüllen, so Seidl weiter. Dazu zählen unter anderem: Einbindung in das Fahrradwegenetz, Berücksichtigung der Parkplatzsituation und eine zweite Unterführung. Bürgermeister Seidl: „Diese Visionen in eine planbare Realität umzusetzen ist die aktuelle Aufgabe, die es zwischen Bahn und Stadt abzustimmen gilt – ich denke, wir sind auf einem guten Weg.“ (akk)

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