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Folge des Online-Booms

Ein Geschäft nach dem anderen schließt: Ladenflucht auf Puchheimer Einkaufsmeile

Die Puchheimer Einkaufsmeile in der Lochhauser Straße lädt immer weniger zum Flanieren ein – weil ein Geschäft nach dem anderen schließt. Davon sind jedenfalls die betroffenen Einzelhändler überzeugt. Sie fürchten um die Zukunft ihrer Geschäfte.

Puchheim – Die Leerstände in der Lochhauser Straße nehmen zu. Und je weniger Geschäfte zum Shoppen einladen, desto unattraktiver ist die Gegend auch für Neuansiedlungen – ein Teufelskreislauf. Betroffen ist davon beispielsweise Buchhändlerin Nicola Bräunling.

In deren Nachbarschaft befindet sich statt des ehemaligen Cafeniums nun ein „leeres, dunkles, dreckiges Loch“. Wenig einladend also für Laufkundschaft, die auch ein Bücherladen brauche. Seit etwa anderthalb Jahren macht sich nach ihren Beobachtungen das Ladensterben bemerkbar, in letzter Zeit habe es an Tempo zugenommen. Der Teeladen und das Fenstergeschäft haben zugemacht, die Papeterie steht im Internet zum Verkauf, zwei weitere Geschäfte wollen schließen. Es fehlt mittlerweile oder bald an Feinkost- und Weinläden, an Parfümerie und Reformhaus, an Anbietern von Mode, Schuhen, Spielwaren und Fahrrädern. Und die Gastronomie sei ohnehin ein trauriges Thema in Puchheim.

Bräunling selbst sieht vor allem die hohen Mieten in Puchheim als einen Hauptgrund für die Ladenflucht. Manche Pachthöhen ließen sich kaum mehr erwirtschaften. Ein anderes Problem entsteht eben durch die Abwanderung: Die Aufenthaltsqualität in der gesamten Straße lasse nach, je weniger Cafés oder Kruschläden existieren. Die Buchhändlerin findet eigentlich, dass zum Puchheimer Publikum auch hochwertige Geschäfte passen würden. Aber selbst ein Tattoo-Studio nebenan wäre ihr noch lieber als ein Leerstand.

Frisiersalons für Hund und Mensch nennt Markus Limbacher, wenn man ihn nach florierenden Branchen in der Lochhauser Straße fragt. Der Vorsitzende der Werbegemeinschaft Puchheim (WGP), selbst Werbetechniker ohne Kundenverkehr, sieht überhaupt die Dienstleistungen von der Abwanderung kaum betroffen. Aber alles, was noch offline anbietet, Räume und Personal braucht, gerate in eine zunehmend schwierigere Lage.

Nicht dass die WGP, ein seit 30 Jahren bestehender Verein mit rund 40 aktiven Mitgliedern, nicht versuchen würde, gegenzusteuern: Marktsonntage und Internet-Stadtportal hat die Werbegemeinschaft eingeführt, heuer gab es ein „Schnipselspiel“ mit Einkaufsgutscheinen für alle angeschlossenen Geschäfte. Limbacher klingt mehr als pessimistisch, wenn er in die Zukunft blickt. Man versuche ja, den Prozess zumindest zu verlangsamen, aber man werde nicht verhindern können, dass der Einzelhandel nach und nach stirbt.

Eine neue Arbeitsgruppe mit Kaufleuten aus der Lochhauser Straße, der Gewerbereferentin des Stadtrats und der Wirtschaftsförderin aus dem Rathaus, hält der WGP-Chef für das „letzte Aufgebot“. Er vermutet, dass die Einzelhändler mit Hilfe der Stadt erreichen wollen, bei Neuvermietungen mitreden zu können oder wenigstens einige Nutzungen – wie eine Wohnung im ehemaligen Laden – zu verhindern. Bisher traf sich die Runde erst einmal. Zu den ersten Ideen soll eine Kampagne gehören, um die Puchheimer zum Einkauf vor Ort zu bewegen („buy local“). Rathausintern wird außerdem über bauliche Maßnahmen für die Lochhauser Straße oder ein neues „Beleuchtungskonzept“ nachgedacht.

Karin Kamleiter, die Wirtschaftsreferentin des Stadtrats, setzt noch darauf, dass den Puchheimern der Wert von Shopping-Möglichkeiten vor Ort bewusster wird. Aber vielleicht habe die Lochhauser Straße ihre beste Zeit auch einfach hinter sich. Buchhändlerin Bräunling will noch nicht aufgeben und noch ein paar Jahre abwarten. „Aber wenn wir am Ende des Tages feststellen, dass Puchheim kein Einkaufsort mehr ist, müssen wir damit leben.“ (Olf Paschen)

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