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Die Stadt will etwas für Radfahrer tun: Ein Planungsbüro soll ein Radwege-Konzept erarbeiten, so dass man die besonders verkehrsreichen Straßen umfahren kann.

Planungsbüro soll Konzept erstellen

Ein Schleichwege-Netz für Radler

Puchheim – Die Stadt Puchheim will ein Radwegekonzept in Autrag geben. Ein wichtiger Baustein soll ein innerstädtisches Wegenetz sein: Fünf Routen, mit denen sich die verkehrsreichen Sammelstraßen (Allinger und Lochhauser) umgehen lassen.

Fahrradfahren in Puchheim müsste eigentlich eine Freude sein: Die Stadt ist brettl-eben, der maximale Höhenunterschied beträgt 20 Meter zwischen den Krautgärten an der Grenze zu Gröbenzell bis zur Kirche in Puchheim-Ort. Vom Wohnpark Roggenstein zum Rathaus braucht der Autofahrer doppelt so lang und fährt vier Mal so weit wie sein unmotorisierter Kollege.

Als Radler ist man in guter Gesellschaft: In der aktivsten Kreis-Kommune beim letzten Stadtradeln sind die Radlständer vor Einkaufszentren und am Bahnhof voll. Und seit kurzem wacht eine eigene Beauftragte im Rathaus über die Belange der Fahrradfahrer. Dennoch haben die vielen Radler – sie machten 21 Prozent aller Fahrten bei der großen Zählung an einem Regentag im April 2015 aus – gemischte Gefühle, vom „ Puchheimer Radl-Dilemma“ sprechen gar die Unabhängigen Bürger (ubp).

Die Haushaltsbefragung im Rahmen der großen Verkehrsuntersuchung zeigte, dass fehlende Radwege als größtes Manko genannt werden und vor allem in der Allinger und Lochhauser Straße vermisst werden. Hier setzt Reinhold Koch, Fraktionschef der ubp mit seinem Radwegekonzept an, das 20 Seiten umfasst, und das er im Stadtrat präsentierte.

Koch favorisiert ein Modell der kamm-artigen Erschließung. Zwar würde er eigentlich eine Umgestaltung der Lochhauser Straße ähnlich wie in Eichenau – schmalere Fahrbahn, für Radler nutzbare breitere Gehwege – favorisieren. Doch das kann allerdings dauern. Kurzfristig umsetzbar ist dagegen eine Erschließung der Lochhauser Straße über die Parallelstraßen (etwa Buchenstraße und Aubinger Weg) und die Zubringer.

Auch wer nicht zum Einkaufen, aber trotzdem quer durch Puchheim muss, soll (ausgeschilderte) Alternativen haben. Insgesamt fünf Routen (drei im Norden, zwei im Süden) lenken die Radler über Nebenwege an den großen Straßen vorbei und haben Anschluss nach Eichenau und Gröbenzell. Nur die Verbindung zwischen Bahnhof und Ort gilt jetzt schon als ausreichend.

Trotz allgemeinen Lobes für das Modell wurden auch Vorbehalte laut. Christine Eger (CSU) sah sich gezwungen, „den Fußgängern zu helfen“ und lehnte eine – allerdings nur für die fernere Zukunft vorgeschlagene – neue Verkehrsregelung in der Lochhauser Straße ab. In Eichenau könne man sehen, welche „äußerst gefährliche Lösung“ ein gemeinsam benutzter Gehweg sei. Radfahrer meinten immer, sie hätten Vorfahrt, Alte und Behinderte hätten immer das Nachsehen.

Jean-Marie Leone (SPD) vermisste eine Lösung für den Engpunkt Bahn-Unterführung und sprach sich für zwei neue Querungen für die Radler aus: Eine im Rahmen des barrierefreien Bahnhofsumbaus, eine weitere Richtung Lusstraße. Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) zweifelte, ob sich „die schnelle Jugend“ auf dem Weg zur Schule umleiten lasse. Thomas Hofschuster (CSU) ging davon aus, dass Radler, die sich auf den großen Straßen unsicher fühlen, schon selber Ausweichrouten gefunden haben. Als Anreiz, die Leute zum Radeln zu ermutigen, sei der Vorschlag aber sinnvoll.

Das Ganze sei ein Angebot, keine Verpflichtung, außen herumzufahren, meinte auch Koch. Er berief sich auf die Verkehrsplaner, die in der Zusammenfassung ihrer Untersuchung davor gewarnt hatten, dass Puchheims „Standortqualität“ ohne eine „tiefgreifende Veränderung der Verkehrsmittelwahl“ leiden könne. Anders ausgedrückt: Noch mehr Autos auf den Straßen machen die Stadt nicht attraktiver. Deshalb soll nun das Planungsbüro, das bereits die allgemeine Verkehrsuntersuchung durchgeführt hat, ein Radwegekonzept entwickeln. (op)

Radl zur Miete

Die Stadt Puchheim überlegt, sich an dem Radlverleih-System der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) zu beteiligen. In diesem Modell kann man für einen Jahresbeitrag von 36 bis 48 Euro an bestimmten Standorten per Smartphone ein Fahrrad mieten und für eine halbe Stunde kostenlos, danach gegen eine geringe Gebühr nutzen. Besonderer Vorteil: Man kann das Leih-Gefährt irgendwo wieder abstellen und entweder es findet einen neuen Nutzer oder es wird nach 48 Stunden abgeholt. Laut Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) kommen in Puchheim bis zu fünf Standorte in Frage, darunter am Bahnhof, in den Gewerbegebieten und auf halber Strecke nach Gröbenzell. 

Die jährlichen Kosten sind allerdings mit einem sechsstelligen Betrag erheblich. Während der Planungsausschuss zustimmte, einen Anschluss ans MVG-System zu prüfen, fand eine Anregung der Freien Wähler weniger Zustimmung. Diese hatten städtische Zuschüsse für die Anschaffung von Elektro-Fahrrädern vorgeschlagen. Der Pedelec-Markt boome ohnehin, fand Manfred Sengl von den Grünen, Anreize brauche es keine mehr. Wer sich sowas leisten könne, brauche keine finanzielle Unterstützung, sagte Jean-Marie Leone (SPD). Und wer nicht, dem helfe auch eine Unterstützung von bis zu 500 Euro, wie von den Freien Wählern vorgeschlagen, kaum. Immerhin will die Stadt trotzdem zwei E-Fahrräder anschaffen. Ein Lasten-Pedelec, etwa für größere Einkäufe, und ein gewöhnliches. Beide Modelle sollen Interessierte ausprobieren können.

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