+
Ein verschmitzter Blick über den Rand der Brille: So kennt man Heinrich Almstätter.

Im Porträt

Ein Tausendsassa im Bereich Kultur

Puchheim - Kabarettist, Mundart-Dichter, Autor, Schauspieler, Sänger und Parodist: Heinrich Almstätter ist alles in einer Person. Für sein kulturelles Engagement bekam der Puchheimer vor kurzem die Bezirksmedaille in Silber verliehen.

Kurz vor Weihnachten war Heinrich Almstätter mal wieder im Fernsehen. Als verwirrter Rentner tappte der Puchheimer durch die fiktiven Straßen der Serie „Dahoam ist Dahoam“ und freute sich wie ein kleiner Bub, als er von ein paar wackeren Floriansjüngern im Feuerwehrauto nach Hause gebracht wurde.

Seine Rollen fliegen ihm irgendwie zu, dem Mann mit dem verschmitzten Blick, den Theo-Waigel- ähnlichen Augenbrauen und den vielen Talenten. Der 75-Jährige engagiert sich in allen möglichen Bereichen der Kultur, und manchmal führt eins zum anderen. So stand er eines Tages auf dem Barockmarkt in Altomünster (Kreis Dachau) am Stand des Fördervereins für Bairische Sprache und Dialekte und verteilte Fragebögen über Mundart-Ausdrücke an Besucher. Eine junge Frau beantwortete überraschend viele Fragen richtig, man kam ins Gespräch – und weil die Dame bei einer Casting-Agentur arbeitete, fand sich Almstätter bald darauf vor der Kamera wieder. Inzwischen hatte er schon drei Auftritte in der bayerischen Daily Soap „Dahoam is Dahoam“.

Der gebürtige Münchner lebt seit 1973 mit seiner Frau in Puchheim, ist zweifacher Vater und dreifacher Großvater. Von Beruf ist er Ingenieur, inzwischen im Unruhestand. Vor allem aber ist er Kabarettist, Mundart-Dichter, Autor, Schauspieler, Sänger und Parodist. Was ihm von den vielen Leidenschaften am meisten Spaß macht? Heini, wie ihn alle nennen, überlegt nur kurz. „Eigentlich alles.“

Sein kreatives Wirken begann mit kleinen Texten und Gedichten zu Geburtstagen und Jubiläen. Was er schrieb, kam an. „Das hat sich rumgesprochen“, erzählt Almstätter. Die Anfragen wurden immer mehr. Er begann, Mundart-Gedichte und moderne Filser-Briefe zu schreiben.

Seinen ersten öffentlichen Auftritt hatte er in der Bücherei in Puchheim, zusammen mit dem Pädagogik-Professor und Mundartdichter Helmut Zöpfl. Der empfahl ihn an die Volkshochschule Unterhaching weiter. Unversehens hatte Almstätter eine zweite Karriere.

Zum Schauspielern kam er über seinen Arbeitskollegen Adolf Adam. Der schenkte ihm eines Tages Karten für die Premiere des Stücks „Moral“ im Ludwig-Thoma-Haus in Dachau. Bei der anschließenden Feier rückte der Kollege damit heraus, was er eigentlich wollte, nämlich Almstätter für sein eigenes Theater, die Adam-Bühne in Alling, gewinnen. „Meine erste Rolle war der Amtsrichter in Thomas ‘Tante Frieda’“, erinnert sich der 75-Jährige. Viele weitere sollten folgen.

Almstätter meisterte Doppelrollen und, wenn’s sein musste, sogar den preußischen Zungenschlag. Kennt er Lampenfieber? „Ja, scho’.“ Dagegen half am besten ein Weißbier vor dem Auftritt. „Das hat dem Adam gar nicht gefallen. ‘Du bist doch nicht der Juhnke’, hat er dann zu mir gesagt.“

Die Liste der Stadtfeste, Kleinkunst-Veranstaltungen und regionalen Festspiele, bei denen Almstätter auf der Bühne stand, ist armlang. Über Jahre trat er außerdem selbst als Veranstalter auf und organisierte Auftritte für Nachwuchskünstler. Seine Bass-Stimme ertönt regelmäßig im Inklusions-Chor „Oh Happy Day“. Kein Wunder also, dass ihm kürzlich für sein kulturelles Engagement die Bezirksmedaille in Silber verliehen wurde.

Mit den „Spätzündern“, einer Senioren-Theatergruppe, tourt Almstättter bis heute durch Vokshochschulen, Alten- und Pflegeheime im Münchner Raum. Sie spielen meist kürzere Sketche, die alltägliche Begebenheiten aufs Korn nehmen – den Arztbesuch, das Älterwerden. Das kurze Format kommt Almstätter entgegegen, denn das Textlernen geht mittlerweile nicht mehr ganz so flott.

Doch er hat auch schon große Rollen gespielt, zum Beispiel in einem Vorläuferstück von Goethes „Faust“ den Herzog von Parma. „Das ist ein bitterböser Mensch“, erzählt Almstätter. Als er später seiner Schwiegermutter ein Video des Auftritts zeigte, erkannte sie ihn nicht. „Das kann nicht der Heini sein“, sagten auch viele andere Freunde. Ein größeres Kompliment kann man einem Schauspieler eigentlich nicht machen.  

Ulrike Osman

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Seehofer wettert gegen Türkei - und lobt Merkel
Es sind deutliche Worte an die Adresse des türkischen Präsidenten Erdogan: CSU-Chef Seehofer nennt die politischen Verhältnisse in dem Land unerträglich. Beim …
Seehofer wettert gegen Türkei - und lobt Merkel
Böse Überraschung: Kran schüttet Beton in Schlafzimmer
Ungewöhnlicher Unfall am Donnerstag um 14 Uhr in Germering: ein Baukran hat Beton in die Wohnung einer 53-Jährigen gekippt.
Böse Überraschung: Kran schüttet Beton in Schlafzimmer
Senivita-Altenheim: Beirat passt auf
 Der Sparkurs des Seniorenheim-Betreibers Senivita hatte im Mai hohe Wellen im Landkreis geschlagen.
Senivita-Altenheim: Beirat passt auf
Das wird Maisachs Fußgängerzone
Das Maisacher Ortszentrum hat sich neu erfunden. Zwischen Bahnhof- und Riedlstraße ist ein großer Komplex in die Höhe gewachsen. 
Das wird Maisachs Fußgängerzone

Kommentare