Ingrid Wuttke zeigte viele Seitenihrer Kreativität.

Nachruf

Eine einmalige Bereicherung für die hiesige Kunstszene

Familie, Freunde und Wegbegleiter sind sich einig: Ingrid Wuttke war eine außergewöhnliche Frau. Die äußerst vielseitige Künstlerin machte über Jahrzehnte nicht nur im Landkreis von sich reden. Nun ist sie im Alter von 77 Jahren gestorben.

Puchheim – 

Wenn Ingrid Wuttke sich in ihrem Studio oder im Atelier ihres guten Freundes Hannes Götz der Steinbildhauerei widmete, versank die Welt um sie herum. „Sie vergaß Zeit, Hunger und alles andere“, erinnert sich Jörg Wuttke an seine stets von Schöpferdrang getriebene Mutter.

Geboren wurde Ingrid Wuttke 1941 auf einem Rittergut in Breslau. Krieg und Flucht verschlugen sie mit ihrer Mutter und den drei Schwestern nach Hannover, wo sie später ihren Mann kennenlernte. 1971 zogen die beiden mit ihrem damals dreijährigen Sohn nach Puchheim. Ingrid Wuttke hatte inzwischen eine Ausbildung zur Kindergärtnerin gemacht, wie der Beruf damals noch hieß. In ihrer neuen Heimat arbeitete sie bis zur Rente als Werk- und Zeichenlehrerin an der Grundschule am Gerner Platz.

Daneben wurde der Raum, den die Kunst in ihrem Leben einnahm, immer größer. In vielen Kursen zu verschiedensten künstlerischen Techniken bildete Ingrid Wuttke sich weiter und wurde, gerade im Bereich Steinbildhauerei, zu „einer einmaligen Bereicherung in der Kunstszene des Landkreises“, wie Hannes Götz sagt. „Ich kenne keine andere Frau, die sich mit dem wunderbaren, aber sehr fordernden Medium Stein befasst.“

Ingrid Wuttke arbeitete auch mit Emaille und Ton, schuf Holzschnitte, zeichnete und malte. Zuletzt entwickelte sie ihre eigene Feuerbrandmalerei und schrieb darüber ein Buch. Bei dieser Technik wurden im Erdfeuer gebrannte Tongegenstände in lehmgetränkte Tücher eingewickelt. Hitze und Ton hinterließen auf dem Stoff abstrakte, skurrile Schmauch- und Brandspuren, die Ingrid Wuttke mit Farben und Mischtechniken zu großformatigen Gemälden weiterentwickelte. Ausgleich und Inspiration fand sie in der Natur – beim Wandern, Skifahren und Schwimmen.

In vielen Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen zeigte Ingrid Wuttke ihre Kunst – nicht nur in der Region, sondern auch in Norddeutschland, Schweden und Ungarn. Das städtische Museum in Odessa (Ukraine) und die Bayerische Staatsgemäldesammlung in der Pinakothek der Moderne kauften Werke der Puchheimerin. Eine ihrer Großskulpturen ging ins ungarische Balatonfüred am Plattensee.

Als langjähriges Mitglied des Kunstkreises Germering schuf Ingrid Wuttke für den öffentlichen Raum der Stadt vier Steinplastiken, sogenannte Sühnesteine. Damit wollte sie an das Unrecht erinnern, das der Natur angetan wurde und immer noch wird, ohne die Folgen zu berücksichtigen.

Selbst die Diagnose ihrer tödlichen Krankheit, die sie im letzten November erhielt, konnte Ingrid Wuttke nicht wirklich bremsen. In Hannes Götz’ Atelier hatte sie noch in diesem Jahr einen neuen Stein aufgebockt und begonnen, ihn zu bearbeiten. Doch ihre letzte Skulptur blieb unvollendet. Vom 13. bis 16. und vom 20. bis 22. Juli (jeweils 16 bis 20 Uhr) werden Ingrid Wuttkes Werke in einer Gedenkausstellung an ihrer ehemaligen Wirkungsstätte in der Münchner Straße 6 in Puchheim noch einmal gezeigt – so, wie sie es sich gewünscht hatte. (os)

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