Große Pläne mit den Kleinen hat Tanja Radlbeck, die in Puchheim ein für den Landkreis bislang einmaliges Projekt starten will. 

Großpflegestelle braucht Anschubfinanzierung

Eine Tagesmutter für viele Kinder

Es wäre die erste ihrer Art im Landkreis. Aber ob es bis zum Herbst mit der Gründung einer Großtagespflegestelle für Kinder klappt, ist noch nicht ganz sicher.

Puchheim Eine Großtagespflegestelle will eine Puchheimer Mutter in der Stadt einrichten. Also eine private Kinderbetreuung für bis zu zehn (ganz) junge Menschen. Mit einer sozialpädagogischen Fachkraft ist die 48-jährige Tanja Radlbeck bereits im Gespräch. Schwieriger könnte es noch werden, eine geeignete Immobilie zu finden. Kinderlärm oder auch nur die Sorge davor, so ihre bisherige Erfahrung, schrecke viele Eigentümer ab.

Die gelernte Kosmetikerin ist seit fünf Jahren Tagesmutter – ein Job, der aus der Not geboren wurde. Für ihren jüngsten, heute sieben Jahre alten Sohn suchte sie damals erfolglos einen Krippenplatz in Puchheim. Der kleine Felix kam nach einem Jahr zu einer Tagesmutter. Und diese Art von Betreuung schien ihr so überzeugend, dass sie es selber versuchte. Nach 160 Stunden Kurs mit Pflege-grundlagen, Rechts- und Versicherungsthemen war sie fertig ausgebildete Tagesmutter und nahm die ersten fremden Kinder in ihrem Haus in der Tannenstraße auf. Insgesamt fünf sind es aktuell, aber die Nachfrage ist weit größer. Daher reifte der Gedanke, sich mit anderen zusammenzutun.

Vom Angebot her unterscheidet sich die Tagespflege nicht sehr vom normalen Krippen-Alltag: Basteln, Singen, Vorlesen, Essen und Mittagsschlaf stehen auf dem Programm. Radlbeck spricht von einem Full-Time-Job. Mal die Beine hochlegen oder nebenbei Fenster putzen, wenn die Kleinen mit sich selber beschäftigt sind, sei nicht drin. Lediglich sei es möglich, dass sie öfter an der frischen Luft ist als die fest angestellten Kolleginnen in der Kita. Mit ihrem Siebensitzer fährt sie zum Wildpark oder ins Erlebnis-Aquarium, besucht Bauernhöfe oder durchstreift beim Naturtag den Wald.

Nach Radlbecks Erfahrung sei diese familiäre Art von Betreuung stressfreier für die Kinder. Mütter und Väter scheinen das ähnlich zu sehen. Zweimal im Jahr kommt sie noch mit ihren ehemaligen Schützlingen und deren Eltern zusammen. Zuletzt trafen sich an die 50 Leute.

Auch für die kleine Tagespflege braucht es Führungs- und Gesundheitszeugnis, das Jugendamt schaut einmal im Jahr nach dem Rechten. Die Anforderungen steigen bei der Großtagespflege: Es gibt Brandschutz- und Hygienevorgaben, eine Mindestfläche ist vorgeschrieben, das Jugendamt steht unangemeldet vor der Tür. Mit 50 000 Euro rechnet Radlbeck als Anschubfinanzierung.

Sie will die neue Einrichtung als Unternehmerin führen und die Kollegin sowie eine Teilzeitkraft anstellen. Außerdem denkt sie daran, auch ältere Kinder als nur Ein- bis Dreijährige aufzunehmen. Als lukratives neues Geschäftsmodell tauge die Großtagespflege dennoch nicht. Trotz staatlicher Zuschüsse und Elternbeiträgen (bisher 322 Euro monatlich): „Reich wird man nicht,“ weiß die Tagesmutter. (op)

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