So legt man ein Beet an: Aufmerksam hören die neuen Bauhof-Helfer Dolmetscher Ahmed El Mohamady zu. Foto: peter weber

Arbeit für Flüchtlinge

Der etwas andere Bauhof-Trupp

Puchheim - Unterstützung für den Puchheimer Bauhof: Erstmals sind dort Flüchtlinge tätig. Sie legen Beete an, mähen den Rasen, sammeln Müll ein – und schnuppern so ins deutsche Arbeitsleben hinein.

Einer der vier jungen Männer recht den Grasschnitt zusammen, die drei anderen in ihren orangefarbenen Westen stehen dabei und unterhalten sich. Also eine typische Momentaufnahme eines Bauhof-Einsatzes könnte man spotten, wenn man an diesem Vormittag an der kleinen Grünfläche am Bahnhof bei der Arbeit zusieht. Aber etwas ist anders: Die vier haben dunkle Haut, reden untereinander in einer ganz fremden Sprache und wechseln nur dann ins Englische, wenn ihr „Anleiter“ etwas erklärt.

Vier Nigerianer sind es, die bei einem neuen Projekt in Puchheim Beete anlegen, Rasen mähen, im Friedhof Unkraut zupfen oder am Bahnhof Müll sammeln. Erstmals können Flüchtlinge, deren Asylverfahren meist noch im Anfangsstadium steckt, für zunächst maximal drei Monate ins deutsche Arbeitsleben hineinschnuppern und dabei (ein wenig) Geld verdienen.

Der Münchner Verein „Pack mas“ hat diese 20-Stunden-Jobs in Absprache mit dem Job-Center eingerichtet. Ziel dieses „Vereins für soziale Dienstleistungen“ ist, Beschäftigungsmöglichkeiten für Benachteiligte zu schaffen, wie Geschäftsführer Karl-Heinz Bitsch erklärt. Für Deutsche mit psychischen Erkrankungen oder sozialen Defiziten gibt es solche Angebote schon länger, für Migranten sind sie – zumindest im Brucker Landkreis – neu.

Laut Bitsch gibt es beispielsweise im Puchheimer Asylbewerberheim weit mehr Interessenten als (Hilfs)Arbeit: „Ich hab’ keinen getroffen, der nichts machen will.“ Nur mal raus aus der Siemensstraße zu kommen, ist demnach kein seltener Wunsch. Überfordert werden die neuen Mitarbeiter ohnehin nicht.Drei bis fünf Stunden am Vormittag sind sie im Einsatz, danach gibt es Mittagessen. Schwierigere technische Aufgaben sind aus Haftungs- und Verständigungsgründen erst mal nicht möglich, wenngleich der motorgetriebene Rasenmäher schon zum Handwerkszeug gehört.

„It’s cool,“ sagt Victor am neuen Bürgerbeet am Bahnhof und bringt danach auch gleich ein paar deutsche Brocken an: „Ja, ist gut“, findet der 26-Jährige. Aber Victor scheint ohnehin die ganze Zeit am Lächeln zu sein. Ein ernsterer Charakter ist dagegen sein Landsmann Imafidon, vielleicht weil er auch die Verantwortung am Rasenmäher trägt. Mit nicht übermäßig freundlichem Blick quittiert er die Frage, mit wem er gerade telefoniert hat. Es war nur seine Schwester, die irgendwo anders in Deutschland lebt.

Bitsch ist voll des Lobes für seine Mitarbeiter und auch sein sozusagen leitender Angestellter Ahmed El Mohamady lässt nichts auf die Neuen kommen. Der gebürtige Ägypter, seit fünf Jahren in Puchheim, fährt den Vereinstransporter und übernimmt das Dolmetschen, schließlich beherrscht er einschließlich Gebärdensprache fünf Sprachen. Sogar an die deutsche Pünktlichkeit hätten sich die Afrikaner gewöhnt, sagt er. Und von den Puchheimern, die schon mal an dem neuen Arbeitstrupp vorbeikamen, soll es ebenfalls nur positive Resonanz gegeben haben. Besonders, dass am Friedhof Ordnung geschaffen wurde, fiel positiv auf.

Bis Oktober ist das besondere Projekt zunächst befristet, dann wird erste Bilanz gezogen. Geschäftsführer Bitsch würde jetzt schon gerne über den Herbst hinaus anpacken lassen. Die Arbeit (Gräben ausräumen, Bahnhofsparkplatz aufräumen, vielleicht sogar Bäume zurückschneiden) werde schon nicht so schnell ausgehen in Puchheim.

von Olf Paschen

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