+
Ich steh’ dazu, was ich gemacht habe. Aber nicht immer, wie ich es gemacht habe. Herbert Kränzlein

Herbert Kränzlein

Ex-Bürgermeister feiert 70. Geburtstag: Seine Wahl galt als sensationell

Der ehemalige Bürgermeister von Puchheim Herbert Kränzlein hat seinen 70. Geburtstag gefeiert. Ein Blick auf sein Leben lohnt sich. 

Puchheim – Seine 54 Tagebücher wären zwar eine Erinnerungsstütze, aber an eine Autobiographie denkt Herbert Kränzlein, ehemaliger Puchheimer Bürgermeister, nicht. Das Material könne mal einer seiner Enkel nutzen, für einen Generationen-Roman, sagt er. Aber vor kurzem war Gelegenheit, auf sein bewegtes Leben zurückzublicken: Kränzlein wurde 70 Jahre alt.

Geboren in München, ging der spätere Dr. jur. nach der Mittleren Reife von der Schule ab und begann im Rathaus seiner Heimatstadt als Inspektor-Anwärter. „Das war nicht mein Leben,“ sagt er, was für den nachmaligen Chef einer Stadtverwaltung erstaunlich klingen mag. Seine Welt war die Juristerei, deren Studium er nach dem Abitur auf dem zweiten Bildungsweg begann und mit der Promotion über „Grundrechtseinschränkungen in geschlossenen Einrichtungen ohne richterliche Anordnung“ abschloss. Anschauungsmaterial dazu hatte ihm die Zivildienstzeit in einem kirchlichen Heim für schwer erziehbare Kinder geboten.

Antiautoritäre Art der Jungsozialisten sagte Kränzlein damals zu

Kränzlein wurde Staatsanwalt im Referat für ungeklärte Todesfälle. Dort ging es um Suizide, plötzlichen oder herbeigeführten Kindstod, auch um ärztliche Kunstfehler. Zwar gab es auch skurrile Fälle wie die Leiche am Flughafen, die sich als 900 Jahre alte Mumie erwies, aber insgesamt war es eine belastende Arbeit. Der Ermittler und Ankläger wechselte ins Richteramt. Anderthalb Jahre war er am Brucker Amtsgericht, ehe er überraschend in eine neue Aufgabe gestürzt wurde.

Obwohl selbst zu jung für einen klassischen 68er, hatte sich der ehemalige Ministrant aus katholischem Elternhaus in dieser Zeit den Jungsozialisten angeschlossen, deren „antiautoritäre“ Art ihm zusagte. Und in Puchheim, wo er mittlerweile für die SPD im Gemeinderat saß, wurde er vor der Wahl 1988 Bürgermeister-Kandidat. „Ich hätte nie im Leben gegen den Erich Pürkner kandidiert, wenn er nicht so unkonziliant gewesen wäre, so hochkonfrontativ.“ Dass der seit 18 Jahren amtierende CSU-Rathauschef sensationellerweise abgewählt wurde, beschäftigte dann sogar die überregionale Presse.

Irgendwann war die Motivation nicht mehr die höchste

Seine eigene, noch längere Amtszeit hält Kränzlein für gelungen: preisgekröntes Kulturzentrum, sozialer Wohnungsbau, dabei immer die Finanzen im Lot. „Ich steh’ dazu, was ich gemacht habe,“ sagt der 70-Jährige. „Aber nicht immer, wie ich es gemacht habe.“ Seine autoritäre Art hat ihm wahrscheinlich mehr Respekt als Wohlwollen eingebracht. Er habe sich halt nicht verbiegen lassen wollen.

Nach „24 Volkstrauertag-Reden“ und gefühlten „240 Weihnachtsfeiern“ war schließlich die Motivation nicht mehr die höchste. Als Bürgermeister kandidierte er 2012 nicht mehr, ließ sich von seiner Partei aber noch mal in die Pflicht nehmen. Im Brucker Westen kandidierte er für den Landtag und wurde von einem eigentlich aussichtslosen Listenplatz ins Maximilianeum vorgehäufelt. Aufschlussreich nennt er die fünf letzten Jahre in der Politik, in denen der einfache Oppositionsabgeordnete Kränzlein nicht einmal in seiner Fraktion mehr Ansagen machen konnte wie die 24 Jahre zuvor im Rathaus.

Kurz vor seinem 70. hat er das letzte Mandat als Kreisrat aufgegeben. Und jetzt gehöre er nur noch zur weggesperrten Risikogruppe, sieht sich im Scherz als „nutzloses Auslaufmodell“. Aber er war zuletzt noch für die Rotarier unterwegs, besuchte politische Seminare und pflegt Kontakte in die Politik. Sozialdemokrat wird er bleiben, schließlich mache die SPD keine schlechtere Politik als die Konkurrenz. Nur verkaufe sie sich sehr unter Wert. 

Alles zur aktuellen Politik in Puchheim lesen Sie hier. 

Olf Paschen

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Jetzt steht es fest: Auch die FFB-Schau ist gestrichen
Ganz offensichtlich haben die Beteiligten noch hart an Möglichkeiten gearbeitet, nun steht es aber fest: Die Regionalmesse FFB-Schau 2020 in Olching ist gecancelt. 
Jetzt steht es fest: Auch die FFB-Schau ist gestrichen
Eine Vollblut-Wirtin geht in den Ruhestand
Im „Wirtshaus am Hölzl“ endet eine Ära: Christa Haid, die Wirtin und gute Seele des Vereinsheims des FC Emmering, geht Ende des Jahres in den Ruhestand. 15 Jahre lang …
Eine Vollblut-Wirtin geht in den Ruhestand
Corona-Effekt: In Sozialkaufhäusern stapeln sich die Spenden
Ein Zufluss an Spenden, der wochenlang nicht abreißt. Lager die aus allen Nähten platzen – so sieht es aktuell in den Sozialkaufhäusern und Secondhand-Läden im Landkreis …
Corona-Effekt: In Sozialkaufhäusern stapeln sich die Spenden
Rosella aus Fürstenfeldbruck
Über die Geburt ihres ersten Kindes freuen sich Awinda El Muhammad und Yilmaz Ali. Ihre Tochter Rosella kam jetzt im Brucker Klinikum zur Welt. Das kleine Mädchen wog …
Rosella aus Fürstenfeldbruck

Kommentare