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Stolz präsentiert Johann Seidl seinen großen Bulldog.

Große Ausfahrt am Wochenende

Der Bulldog-Bastler und sein erstes Original

Sein Geld hat Johann Seidl mit dem Reparieren von Autos verdient. Doch seine Leidenschaft gehörte immer den schweren Maschinen. Bulldozer, Bagger oder Bulldogs: Seidl hat sie alle als Modell nachgebaut. Jetzt hat er einen fast 100 Jahre alten Traktor hergerichtet – in Originalgröße.

Puchheim – Sein ganzer Stolz wiegt zwei Tonnen, hat Vollgummireifen, einen Zylinder und zwölf PS. Seit drei Jahren nennt Johann Seidl den Lanz HL 12 sein Eigen. Die schwarz lackierte Maschine mit den eigenartigen Schwungscheiben, dem markanten Schornstein und den roten Felgen steht da, als käme sie gerade frisch aus der Fabrik. Doch das täuscht. Denn eigentlich war der Lanz längst im Bulldog-Himmel. Seidl hat ihn wiederbelebt – in hunderten Arbeitsstunden und mit viel Geld. „Ein Super-Gefühl“, sagt der 79-Jährige und grinst.

Sein Herzblut gehört dem Modellbau

Die Leidenschaft für schwere Geräte liegt Johann Seidl quasi im Blut. Jahrzehntelang reparierte der Kfz-Meister die Autos seiner Kundschaft. Sein Herzblut gehörte aber schon immer dem Modellbau. Bagger, Raupen, Traktoren: Seidl hat sie alle nachgebaut – und natürlich mussten seine Werke alles können, was auch die Originale drauf haben.

Hier sieht man die Miniatur-Variante eines Bulldogs.

Seidl sucht die Herausforderung. Und die kommt in ultimativer Form aus der schlesischen Heimat seiner Frau Brigitte. Die Verwandten entdecken vor mehr als drei Jahren in einer Scheune einen uralten Bulldog. Gut 60 Jahre hatte der Lanz dort zugebracht. Seidl schaut sich die historische Maschine an – oder das, was noch davon übrig ist. Doch die Entscheidung steht schnell fest: Der Lanz wird restauriert.

Ganz in der Nähe findet Seidl eine polnische Firma, die sich auf die Marke Lanz spezialisiert hat. Die Experten machen sich ans Werk, stellen Gussteile, Zylinderköpfe, Kolben oder die Kurbelwelle neu her – die alten Teile sind nicht mehr zu retten. Modellbauer Seidl ist für die feine Mechanik zuständig. In seiner Werkstatt fertigt er beispielsweise eine neue Ölpumpe, die Lenkung oder Teile der Bremse an.

Als der große Tag endlich da ist und der Bulldog angeliefert wird, herrscht aber erst einmal Ratlosigkeit. Die zwei Tonnen schwere Maschine steht auf einem Lastwagen. Kran oder Rampen gibt es nicht. Die pragmatischen Polen hatten geplant, den Traktor an einer Laderampe am Bahnhof abzuladen. Dass es die in Puchheim schon seit Jahrzehnten nicht mehr gibt, hatte ihnen niemand gesagt. Schließlich organisiert Seidl einen Gabelstapler – Problem gelöst.

Überhaupt heißt es bei Johann Seidl: Geht nicht, gibt’s nicht. „Wenn etwas nicht funktioniert, wird so lange getestet, probiert oder neu angefangen, bis es geht“, sagt der Tüftler. Beispiel: die Ölpumpe des Lanz. Irgendwann wusste der Bastler nicht mehr weiter. „Dann mache ich einen oder zwei Tage Pause und schau’ mir das Teil nicht mehr an“, sagt Seidl.

Im Schlaf kommt ihm die Eingebung

Im Fall der widerspenstigen Ölpumpe hat das funktioniert. In der zweiten Nacht seiner Schaffenspause wacht der Senior auf und hat die Lösung vor Augen. „Die hab ich mir dann schnell auf einen Zettel geschrieben, bevor ich sie wieder vergesse“, berichtet der Tüftler.

Der Puchheimer tüftelt leidenschaftlich gerne in seiner Werkstatt. Hunderte Arbeitsstunden und viel Geld hat er investiert.

Offenbar kam ihm im Schlaf die richtige Eingebung. Seit ein paar Wochen lebt der Lanz wieder. Die erste Probefahrt gerät zum Schaulaufen. „Die Leute sind mir hinterhergelaufen und wollten alle Fotos machen“, sagt Seidl. Bei solchen Momenten vergisst der Bastler die viele Arbeit und die Tausenden von Euro, die er in sein Vehikel gesteckt hat. Und auch seine Frau Brigitte steht voll hinter ihrem Gatten. „Sie sagt immer, das ist besser, als wenn ich in der Wirtschaft sitzen würde.“

Der Oldtimer-Traktor ist beim Bulldog-Treffen am Sonntag, 23. September, am Feuerwehrstadl in Puchheim-Ort mit zahllosen anderen Exemplaren zu bewundern. Los geht es um 9 Uhr mit einem Weißwurst-Frühstück, um 10 Uhr ist Eröffnung. Neben einem Kinderprogramm gibt es Vorführungen und Rundfahrten. Der Eintritt zur Festhalle ist frei.

Tobias Gehre

Beim Germeringer Ferienprogramm ging es einen Tag lang auch um Bulldogs.

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