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Wir wurden überfallen: Brigitte F. mit ihren Töchtern.

Fall am Amtsgericht

Familie F.: Man hat unseren Hund Teddy entführt

Fürstenfeldbruck - Eine Richterin am Amtsgericht muss einen kuriosen Fall behandeln. Zwei Familien streiten sich um Schäferhund Teddy. Dieser soll sogar gewaltsam entführt worden sein.

Eigentlich gehört Teddy der Familie O. aus Puchheim. Die hat sich den weißen amerikanischen Schäferhund zugelegt, damit er der jüngsten Tochter Stefania (17) hilft, ihre Depressionen zu überwinden. „Wir dachten, ein Hund tut ihr gut“, sagt die Mutter vor Gericht. 

Doch Familie O. kann sich den Hund irgendwann nicht mehr leisten. Also soll Familie F. aus Poing sich eine Weile um Teddy kümmern. Beide Familien vereinbaren einen Geldbetrag für die Verpflegung des Hundes. Im Spätsommer 2015 wollen die O’s Teddy wieder haben. Doch Familie F. behält ihn – als Pfand. Schließlich habe Familie O. das zugesagte Kostgeld nicht bezahlt. 

Es kommt zum ersten Gerichtsverfahren. In Folge dessen muss Familie O. von den vereinbarten 2800 Euro einen Teil begleichen. Teddy bleibt in Poing. Doch die Querelen gehen weiter. An einem Abend im Oktober 2015 eskaliert der Streit um den Schäferhund endgültig. 

Brigitte F. dreht an einem Samstagabend mit Teddy noch eine Runde. Ihre Tochter Janine (19) und die Nachbarstochter Laura (13) begleiten sie. Es ist bereits dunkel. Sie laufen durch die Parksiedlung in Poing. Dann werden sie hinterrücks überfallen. Brigitte F. schildert die Szene vor dem Brucker Amtsgericht so: Mehrere mit Skimasken vermummte Männer greifen sie an, treten sie zu Boden und attackieren sie mit Pfefferspray. 

Auch die Mutter und zwei Töchter der Familie O. seien mit von der Partie gewesen, und zwar unmaskiert. Die Angreifer wollten Teddy gewaltsam zurückholen. Tochter Janine sagt: „Ich habe mich dann sofort auf den Hund gelegt um ihn zu beschützen, das war einfach ein Reflex.“ Auch sie wird getreten. 

Brigitte F. und ihre Tochter Janine müssen mit Prellungen und Augenreizung ins Krankenhaus. Auch eine Tochter von Familie O. wird verletzt. Die gesamte fünfköpfige Familie aus Puchheim sitzt schließlich wegen vorsätzlicher schwerer Körperverletzung auf der Anklagebank. Sie schildert die Begebenheit allerdings ganz anders. Stefania O. sagt: „Wir haben versucht, den Hund friedlich zu holen.“ Brigitte F. habe sie ihrerseits plötzlich mit Pfefferspray angegriffen. Nur ihr Vater und ihr Bruder hätten sich Strummasken übergezogen – aus männlichem Leichtsinn, wie der Anwalt der Familie abwiegelt. 

Eine Dose Pfefferspray soll nun Klarheit darüber schaffen, was in Poing wirklich passiert ist. Sie wird auf Fingeradrücke untersucht. Der Prozess wurde unterborchen. Teddy lebt inzwischen wieder in Puchheim. Die Poinger Familie will keine rechtlichen Schritte einleiten, um ihn wiederzubekommen.

Marco Gierschewski

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