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Vera Lengsfeld

Puchheim

Gast-Rednerin provoziert CSU bei Neujahrsempfang

Dass ein CSU-Kreisvorsitzender die zuvor gehaltene Rede bei einem CSU-Neujahrsempfang ziemlich unverblümt runtermacht, dürfte eine Premiere gewesen sein.

Puchheim –  Am Sonntag im Kulturzentrum sah sich Landrat Thomas Karmasin aber genötigt, ein spontanes Schlusswort zu sprechen und dem Gast aus Berlin „Entschärfung und Enthysterisierung des Sprachgebrauchs“ zu empfehlen. Die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin und spätere Bundestagsabgeordnete Vera Lengsfeld hatte deutliche Worte zur angeblich gefährdeten Meinungsfreiheit im Land gefunden. Zu deutlich offenbar für manchen Geschmack.

Die 66-Jährige, die ihren gut halbstündigen Vortrag vom Bildschirm ablas, hält zwar das angebliche Meinungsdiktat moralisierender Alt-68er für das eigentliche Übel, warf aber auch den Unionsparteien vor, „links-grüne Ideen durchgesetzt“ zu haben. Die desaströse Politik der Bundeskanzlerin vor allem in der Flüchtlingsfrage habe die Bundesrepublik gespalten wie nie zuvor, einen Rechtsstaat gebe es nur noch auf dem Papier. Und wer das zu thematisieren wage, werde als rechts abgekanzelt.

In Kirchen, Medien und Verbänden herrsche ein politisch korrekter Gesinnungs-Mainstream, der sich von der Betrachtung der Realität – wie Ausländerkriminalität, „importierter“ Antisemitismus oder Parallelgesellschaften – längst verabschiedet habe. Die Gesellschaft sei von Verboten und Tabus umstellt, das Land überzogen von Gleichstellungs- und Gender-Beauftragten. Quoten seien wichtiger als Leistung.

Deutschland sei als „Innovationsraum“ bedroht, auch weil „obskure“ NGOs wie die undurchsichtig finanzierte Umwelthilfe die Agenda bestimmten. Die politisch Verantwortlichen, die wie eine Andrea Nahles im Bundestag das Singen anfangen, seien schlicht unfähig und ahnungslos. Und auch die CSU konnte sie nicht von ihrer Kritik ausnehmen. Denn gegen die „Massenzuwanderung junger Männer“ habe auch ein Bundesinnenminister Horst Seehofer nicht wirklich etwas unternommen.

Am Ende applaudierten zwei junge Männer im JU-Alter stehend, während sich bei der CSU-Prominenz in der ersten Reihe – darunter die Bundestagsabgeordnete Katrin Staffler – kaum eine Hand rührte. Karmasin betonte in seinem Nachwort, dass es anders als diese Philippika wie an der „Klagemauer“ suggeriere, dem Land gut gehe und auch die Bundeskanzlerin es „nicht in den Graben gewirtschaftet“ habe: „Wir sollten respektieren, was diese Frau für unser Land getan hat.“

Sehr viel zufriedener wirkte der CSU-Ortsvorsitzende Markus Hammer, dem es erneut gelungen war, für einen Vortrag zu sorgen, der Kontroversen auslöst. Im Vorjahr hatte ein Referent kleine Kernkraftwerke für den Hausgebrauch empfohlen. Lengfelds Rede sei nicht mit dem Ortsvorstand abgestimmt, sagte Hammer vor ihrem Auftritt. Um danach zu kommentieren, dass man „gar nicht glauben“ könne, dass sie einmal Bundestagsabgeordnete der Grünen und (danach) der CDU war. Sie war bis 1983 auch Mitglied der SED. Heute tritt sie zusammen mit AfD-Politikern auf.  

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