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Norbert J. Seidl

In Puchheim

Geothermie: So viel Einfluss hat die Stadt

Knapp anderthalb Wochen vor dem Bürgerentscheid zur Geothermie in Puchheim wartet die Stadt mit einigen handfesten Überraschungen auf. Damit will sie auch auf die Gegner zugehen.

Puchheim – Wie Bürgermeister Norbert Seidl gestern bei einem Pressegespräch erklärte, würde die künftige gemeinsame Betriebsgesellschaft von Kommune und dem Unternehmen Exorka einen Aufsichtsrat erhalten, in den Puchheim vier von sieben Mitgliedern entsendet. Das Kontrollgremium hätte weitreichende Kompetenzen und würde beispielsweise den Geschäftsführer bestimmen und über den Investitions- und den Wirtschaftsplan entscheiden. Damit würde anders als ursprünglich geplant ein Modell ähnlich wie bei der Komm-Energie realisiert, in dem der Minderheitsgesellschafter zumindest in einer wichtigen Instanz die Mehrheit bei den Stimmrechten hat. Die Kapitalbeteiligung der Stadt soll von den noch gedeckelten 2,5 Millionen Euro auf bis zu 25,1 Prozent der Gesellschaftsanteile steigen können.

Den Kritikern der Erdwärme-Gewinnung wollen die beiden Partner außerdem auch in anderen Punkten entgegenkommen. So soll ein Ombudsmann berufen werden, der Gebäudeschäden bis zu einer Summe von 5000 Euro nach eigenem Ermessen regulieren kann. Für schwere, durch Erderschütterungen ausgelöste Schäden – dem schlimmsten Fall – ist ein treuhänderisch verwalteter Fonds im Gespräch, der in Härtefällen Prozesskostenbeihilfen vorfinanziert. Schließlich soll auch ein Projektbeirat berufen werden, dem nach Seidls Wunsch neben Umweltexperten und Immobilieneigentümern auch Nachbarn aus Eichenau sowie Vertreter der Bürgerinitiative gegen die Geothermie angehören sollen. Dieses Beratergremium soll auch bei der Auswahl von seismischen Immissionsmessstellen im Stadtgebiet mitwirken.

Vorerst unklar bleibt noch, welche und wie viele Anwesen in den Genuss einer kostenlosen Bauzustandsdokumentation vor Beginn der Bohrung kommen werden. Dies ist vom noch festzulegenden „Einwirkungsbereich“ abhängig, der in einem 500-Meter-Radius um die Bohrstelle und die beiden geplanten Bohr-Zielpunkte liegt. Seidl nannte auch „Randbereiche“, die aufgenommen werden könnten.

Geschäftsführer dankt Bürgerinitiative

Curt Bems, der Geschäftsführer von Exorka, der mit einigen umstrittenen Äußerungen zur Schadensregulierung aufgefallen war, dankte der Bürgerinitiative. Durch deren Mitarbeit habe man ein „besseres Gespür für die Sorgen und Nöte der Menschen vor Ort“ gewonnen. Er geht davon aus, dass durch das dichte Netz von Messstellen für Erdbewegungen gar kein Streitpotenzial mehr entstehen könne. Der Bürgermeister sprach von Sicherungen, die einzigartig im Münchner Raum seien und „höchstmöglichen Interessenschutz und Hilfe im Schadensfall“ gewährleisteten. Man habe weiterhin großes Vertrauen in den Investor. Ohne die Stadt als Partner könne aber auch die Bürgerinitiative nicht verhindern, dass allein privatwirtschaftliche Interessen durchgesetzt würden. (op)

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