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Bürgerversammlung

Geothermie wird zum Aufregerthema

Nach den Saatkrähen sorgt die Geothermie in Puchheim für Aufregung. Das wurde auf der Bürgerversammlung deutlich. Vor allem zwischen dem Rathauschef und einem Vertreter einer neuen Bürgerinitiative, die der Erdwärme-Förderung skeptisch gegenüber steht, entspann sich ein längerer Disput.

PuchheimDas Thema mache viele Leute nervös, hatte Bürgermeister Norbert Seidl zu Beginn seiner Ausführungen bei der Bürgerversammlung für den Stadtteil Bahnhof eingeräumt. Durch die gemeinsame Bohr- und Fördergesellschaft von Stadt und Privatunternehmen habe man jedoch Kontrolle über das Projekt. Für eventuell auftretende Gebäudeschäden müsse man aber klären, welche Sicherungsmaßnahmen es gebe, um einen Verursacher auch in Haftung nehmen zu können.

Er wolle nicht verharmlosen, aber auch bei dem Beben in Poing (Landkreis Ebersberg) habe es nach seiner Kenntnis keine gravierenden Schäden gegeben. Selbst wenn es in Puchheim zu Erdbewegungen komme: „Es wird nicht so sein, dass wie in Friaul Häuser zusammenstürzen“, so der Rathauschef.

„Sie lavieren schon sprachlich, Sie schauen auch nicht richtig durch“, warf daraufhin Klaus Ebbrecht von der Bürgerinitiative Seidl vor. Keine Elementarversicherung decke Bergbau-Schäden ab und es gebe eben keine Möglichkeit, einen direkten Zusammenhang zwischen Förderung und Erderschütterung nachzuweisen, zumindest nicht ohne langen und teuren Rechtsstreit. „Ich habe alles, was ich erspart habe, in mein Haus gesteckt.“

Seidls Hinweis, dass die Stadt finanziell ausreichend ausgestattet sei, um Schäden ihrer Bürger auszugleichen, ließ Ebbrecht nicht gelten. Ohne ausreichende Rechtsgrundlage könne die Stadt weder allein noch als Mitgesellschafter Geld verteilen.

Bei der Initiative, in der sich Bürger aus der Umgebung der projektierten Bohrstelle südlich der FFB 11 zusammengefunden haben, gibt es außerdem Befürchtungen, dass ein „Gebietsmonopolist“ die Preise diktieren und die Stadt, falls sich das Ganze doch nicht rechnet, einen Anschlusszwang ans Fernwärmenetz verordnen könne.

Die Fernwärmeversorgung über vier Kilometer Netz sei schon ohne Geothermie wirtschaftlich, hielt Seidl dagegen. Wenn das Risiko zu hoch erscheine, werde der Stadtrat das Projekt aber nicht weiter verfolgen, versicherte er: „Wir wollen das nicht auf Biegen und Brechen durchziehen.“ Seidl versprach zudem eine eigene Informationsveranstaltung mit neutralen Experten zur Geothermie für Anfang nächsten Jahres. (Olf Paschen)

Auch in einem anderen Teil Puchheims beklagen sich die Bürger, wie auf der Versammlung deutlich wurde. In der Eiwo-Siedlung nahe des Gröbenbachs gibt es keine freien Parkplätze mehr, die Anwohner kritisieren insbesondere über lange Zeit abgestellte Wohnmobile.

Der Stadt seien da leider die Hände gebunden, bedauerten Bürgermeister Norbert Seidl und Ordnungsamtsleiter Martin Lehner. Zugelassene Fahrzeuge dürfen auf öffentlichen Verkehrsflächen stehen, für ein Verbot müsste schon eine Gefährdung nachgewiesen werden. Nur Pkws das Parken zu gestatten, verlagere das Problem eine Straße weiter, ein generelles Verbot ist rechtlich nicht haltbar. Ebenso wenig wie ein Benutzungszwang für einen von den Anwohnern vorgeschlagenen Wohnmobil-Abstellplatz. Als stolzer Eigentümer wolle man außerdem „sein 50 000-Euro-Fahrzeug“ natürlich vor der Tür stehen sehen, wusste Seidl.

In einem Fall kann die Stadt aber möglicherweise aktiv werden: Ein schon länger geparkter, umgebauter Militärtransporter mit Münchner Kennzeichen verliert auch noch Öl. Das soll nun beseitigt werden. (op)

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