Mehrere Störungen bei der S-Bahn: Erhebliche Verzögerungen auf der Stammstrecke

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Simone Burger ist DGB-Vorsitzendein München.

Bei Empfang der Puchheimer SPD  

Gewerkschafterin gibt Einblicke in Digitalisierung

Macht mir der Kollege Roboter die Arbeit leichter – oder meinen Job überflüssig? Schafft der selbstlernende Computer mehr Probleme, als er technisch lösen kann? Fragen und Probleme, die mehrere Seminare über längere Zeit beschäftigen könnten, packte die Puchheimer SPD jetzt in einen Abend. 

Puchheim – Und zu den „Chancen und Risiken der Digitalisierung“, dem Thema des Neujahrsempfangs, war mit der Münchner DGB-Vorsitzenden Simone Burger ein Gast eingeladen, der eigentlich nicht zu den ausgewiesenen Automatisierungs- oder IT-Experten gehört.

Knapp 100 Zuhörer erlebten so einen Abend, an dem alle möglichen Aspekte der Digitalisierung angerissen wurden. Für die 38-jährige Gewerkschafterin, studierte Forstwirtin und Politikwissenschaftlerin, ist die Computerisierung nicht des Teufels. Sie müsse aber von der Gesellschaft hinterfragt und kontrolliert werden. Soll es noch Banken geben oder nur noch Bitcoins? Darf der Computer nach undurchsichtigen Kriterien entscheiden, ob wir kreditwürdig sind? Warum gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf (IT-)Fort- und Weiterbildung nur für Arbeitslose? Und generell: Muss man sich immer wieder auf Neues einstellen, „wenn man in der Routine ganz glücklich ist“? Solche Fragen würden von der Politik nicht beantwortet, die der Entwicklung ohnehin nur hinterherhechle.

Aber „die Digitalisierung“ gibt es eben auch nicht. Der ehemals vorausgesagte massive Verlust von Arbeitsplätzen ist bisher nicht eingetreten. Allerdings hat Burger herausgefunden, dass überraschenderweise vor allem „Hochqualifizierte unter Druck geraten“. Etwa Anwälte, die nie so umfassend Rechtsauskünfte geben könnten wie eine Datenbank. Auch eine Maschine wie ein Pflegeroboter mag zwar für den Patienten gewöhnungsbedürftig sein, kann aber eine Pflegekraft merklich von schwerer körperlicher Arbeit entlasten.

Ein zweischneidiges Schwert ist demnach auch das Home Office, die Arbeit am heimischen Laptop. Gerade in einer Region wie München verhindere sie noch vollere Straßen und Züge. Die Möglichkeit, sich die Arbeitszeit frei einzuteilen, sei für viele ein Gewinn. Andererseits nehme die Entgrenzung der Arbeit zu. Oder wie es Heimarbeiter, Moderator und Stadtrats-Fraktionschef Jean-Marie Leone mit Blick auf seine Kinder ausdrückte: „Ich bin zuhause und doch nicht zuhause.“

Noch viele Punkte wurden gestreift: Dass der digitale Kunde freiwillig die Arbeit für seine Bank oder Versicherung macht. Dass der Computer registriert, wie viele Minuten und wann er an einem Dokument gearbeitet hat. „Ich zerstöre Menschen, wenn ich jeden Tag ihre Performance lese“, meinte die Münchner DGB-Vorsitzende Burger. Oder auch, dass in der digitalisierten Welt für Texter, Designer, Forscher immer mehr Aufträge anfallen, die jedoch immer kleinteiliger werden. Vielleicht sollte man auch an ein Mindesthonorar für Solo-Selbstständige denken, nicht nur an einen Mindestlohn, so Burger, die auch SPD-Stadträtin in München ist.

Ob sie als Rentnerin eine Zukunft habe, wenn sie noch selbst zur Bank wolle und ihre Steuererklärung per Hand mache, fragte am Ende eine Zuhörerin. Einem jüngeren Mann im Publikum war das dann doch zuviel der Skepsis: Man könne auch die Chancen der Digitalisierung verpassen, wenn man sich auf deren Risiken versteife. olf paschen

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