Landgericht München II

Wer haftet für Wasserschaden bei Nachbarn?

Puchheim - Mitten im Sommer beschäftigt ein Frostschaden das Landgericht München II. Eine geplatzte Wasserleitung hat großen Schaden angerichtet. Jetzt wird gestritten, wer dafür zahlen muss.

Eine Familie aus Puchheim traute im ersten Moment ihren Augen nicht. Vom Dachgeschoss ihres Hauses aus lief Wasser über die Wände bis in den Keller und breitete sich dort aus. Der Keller stand völlig unter Wasser. Schaden: mehr als 12 000 Euro.

Das Wasser stammte jedoch nicht aus der eigenen Doppelhaushälfte, sondern aus der des Nachbarn. Dort war mitten im Winter eine Wasserleitung gefroren und geplatzt. Nun klagt die Bayerische Landesbrandversicherung gegen die Nachbarsfamilie. Der Vorwurf: Sie sollen im tiefsten Winter ausgezogen sein und die Leitung zufrieren haben lassen.

Die Richterin am Landgericht München II schilderte noch einmal die Lage. Am 28. Februar 2012 sollte der Mietvertrag der Nachbarn enden, die Abnahme war für den 24. vereinbart. Laut Versicherung waren die Nachbarn allerdings schon vorher ausgezogen, der Möbelwagen soll schon mehrere Tage vorher vor dem Haus gestanden sein. Demnach sei das Haus schon länger nicht mehr beheizt worden.

Laut dem Vermieter der beklagten Familie soll die Heizung aus gewesen und das Heizöl ausgegangen sein. Damit hätten die Nachbarn ihre Verkehrssicherungspflicht verletzt. So fror die Wasserleitung zur Mischbatterie der Badewanne im Dachgeschoss zu und platze. Als es wieder taute, lief das ganze Wasser ins Mauerwerk.

Die Nachbarn, eine Frau mit drei erwachsenen Kindern, wehren sich vehement gegen die Vorwürfe. Sie sagen, sie hätten das Haus am 14. Februar verlassen. Zu diesem Zeitpunkt sei genug Heizöl vorhanden gewesen und hätte bis Ende Februar reichen müssen – und die Heizung sei gelaufen. Die Wasserleitung sei altersbedingt gebrochen.

Ein Sohn der Nachbarsfamilie rechtfertigte sich vor Gericht. Er haben damals noch sporadisch in dem Haus gewohnt, sagte er. Zuletzt sei er noch einmal vorbeigekommen, um seine Schuhe zu wechseln. „Ich habe die Heizung auf normale Zimmertemperatur eingestellt. Es war ja kalt.“ Und er habe „unten am Ofen“ nachgeschaut. Auf Nachfrage betonte er dann, die Heizung sei immer so eingestellt, das Wasser immer warm gewesen; er habe die Heizung aber nochmal kontrolliert. Er betonte allerdings auch, dass die Heizung schon öfter defekt war, worüber er auch den Vermieter informiert habe.

Der Rechtsanwalt der klagenden Versicherung glaubte dem Nachbarn nicht so recht, dass er extra nochmal so genau nach der Heizung geschaut habe. Außerdem hörte er zum ersten Mal davon, dass die Heizung defekt gewesen sein soll. „Wenn ich das gewusst hätte, würde der Vermieter hier mitsitzen.“ Doch das ist verjährt.

Der Prozess geht nun weiter. Die Parteien wollen noch einmal über einen Vergleich verhandeln. Und klären, ob nicht doch die Haftpflichtversicherung der Nachbarstochter einspringen kann. Eventuell wird auch noch der Vermieter als Zeuge vor Gericht geladen. (nh)

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