Moderatoren-Urgestein Gerhard Delling verlässt die ARD

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Politischer Stammtisch am Grünen Markt: Hier wurde die „Lange Nacht der Demokratie“ eingeleitet.

Als Attraktion angekündigte Hauptfigur sagt kurzfristig ab

Bei der „Langen Nacht der Demokratie“ wird viel geredet

Erdogan und Trump waren da, zumindest im Puppentheater, die lokalen Abgeordneten gaben der Stadt die Ehre. Viele Stunden lang wohnten meist weit über 100 Puchheimer der „Langen Nacht der Demokratie“ bei – aber eine als Attraktion angekündigte Hauptfigur fehlte am Samstag: Düzen Tekkal, die streitbare Fernsehjournalistin, hatte erst am Morgen ihren Vortrag abgesagt.

Puchheim– Statt live über die Verteidigung von Werten zu sprechen, meldete sich die gebürtige Jesidin per Video-Botschaft aus dem irakischen Kurdistan und versprach, „unser Treffen nachzuholen“. Dort eröffnet sie ein Frauenzentrum, denn schließlich müssten „unsere Werte überall verteidigt“ werden, ließ sie die „lieben Puchheimer“ wissen. Als Ersatz gab es Ausschnitte aus der Talkshow von Markus Lanz, bei der die Autorin zu Gast war. Angesichts von Tekkals dortigem Redefluss wäre zu bezweifeln gewesen, ob in der geplanten Podiumsdiskussion andere Teilnehmer noch viel zu sagen gehabt hätten. Ohnehin fand selbst Bürgermeister Norbert Seidl in einem der seltenen ruhigen Momente die ganze lange Nacht schon „ein bissl wortlastig“.

Geredet wurde in der Tat viel, meistens miteinander, über Werteverfall und Fake News, über die Ukraine und Zivilcourage, über soziale Medien und Symbolpolitik. Was nun die Demokratie ausmacht, ob sie auch undemokratische Meinungen aushalten muss, wurde weniger diskutiert.

Immerhin hatten sich in einem Nebenraum sieben Interessierte zum „philosophischen Café“ eingefunden. Thema war der menschenwürdige Umgang miteinander am Beispiel der Wutrede eines SPD-Politikers im Bundestag über die AfD. In dieser Partei seien „auch Menschen“, meinte eine Teilnehmerin. Der SPD-Mann mache den gleichen Fehler wie die von ihm Attackierten, fand ein anderer: nur das eigene Weltbild gelten lassen.

Interessant auch die kleine Demokratie-Vorlesung mit Medienkritik von Sepp Dürr. „Die Politik“, wie sie viele Bürger kritisierten, gebe es nicht, nur unterschiedliche Meinungen, die auch ausgefochten werden müssten. Im übrigen unterschied der grüne Landtagsabgeordnete auch zwischen der zeitraubenden Arbeit im Gesetzgebungsprozess und der Symbolpolitik in „fernsehgerechten Häppchen“.

Ein Experte vom Verifikationsteam des Bayerischen Fernsehens malte ein düsteres Bild vom aggressiven Diskurs in den Sozialen Medien: „Politik ist am Ende, wenn man nicht mehr miteinander reden kann.“ Einen ähnlichen Eindruck hatte übrigens auch eine Stadträtin beim vormittäglichen Frühschoppen mit Bürgern am Grünen Markt gewonnen. Bei dieser Einleitung zur langen Nacht sei Politikern pauschal Unglaubwürdigkeit vorgeworfen worden. Belege blieben die Kritiker schuldig.

Für Entspannung sorgten am Abend das Improvisationstheater vom Brucker Viscardi-Gymnasium und Puppenspieler Joe Heinrich, der eine ganze Reihe von Polit-Stars synchronisierte. Da begrüßte ein Markus Söder die „lieben Underdanen“, Edmund Stoiber, äh, begann eine Dings, äh, Transrapid-Rede und Recep Erdogan hatte das Publikum im Visier: „Was lachst du, Puchheimer, ich seh’ dich!“

Im Foyer erkundete unter anderem die örtliche CSU Volkes Stimme mit Online-Fragen nach dem Einfluss von Lobbyisten. Und die Unabhängigen Bürger fragten danach, was wichtig für die Demokratie sei. Meinungsfreiheit und Bildung standen oben an. Bürgerinitiativen landeten auf dem vorletzten Platz – zumindest aber noch vor den Parteien.

Olf Paschen

Hier finden Sie die Vorgeschichte zur „Langen Nacht der Demokratie“.

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