Bürgermeister Norbert Seidl neben einer Abschussrampe für Papierflieger, die bereits prämiert wurde. 
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Bürgermeister Norbert Seidl neben einer Abschussrampe für Papierflieger, die bereits prämiert wurde. 

Puchheim

Junge Tüftler starten in der Wirtschaft durch

  • Andreas Daschner
    VonAndreas Daschner
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Die Zusammenarbeit zwischen Schule und Wirtschaft wird für beide Seiten immer wichtiger. Das wurde bei der Wirtschaftsveranstaltung „Perspektive P“ der Stadt Puchheim deutlich. Die fand erstmals hybrid statt: Rund 50 Menschen waren vor Ort im Kulturzentrum PUC, weitere konnten das Geschehen online verfolgen.

Puchheim – Dass man schon in der Schulzeit erfolgreich Wirtschaftsluft schnuppern kann, zeigten Schüler bei der Veranstaltung „Perspektive P“ in Puchheim. Kilian Peschel zum Beispiel war gerade einmal 15 Jahre alt und bastelte noch an seiner Gymnasiumskarriere, als er 2014 gemeinsam mit einem Freund die Digitalagentur pheenetz gründete. Gar nicht so einfach sei das gewesen. Ein Businessplan war ebenso gefordert wie die Zustimmung der Eltern – was sogar über das Familiengericht lief. Doch der Aufwand hat sich gelohnt: „Wir haben inzwischen zwei Büros und sieben Mitarbeiter.“

Ben Dix Gugisch hatte im Rahmen eines P-Seminars am Planegger Feodor-Lynen-Gymnasium mit 16 Mitschülern eine Schülerfirma gegründet, die Desinfektionsmittelspender herstellt und vertreibt. „Wir haben alle viel gelernt für die Zukunft“, berichtete er. Und Jürgen Biffar, Gründer der Firma DocuWare in Germering, ist mittlerweile den umgekehrten Weg gegangen: aus der Wirtschaft zurück zur Schule.

Allerdings drückt Biffar nicht mehr die Schulbank. Vielmehr ist er nach dem Verkauf seines Unternehmens inzwischen Vorstandsvorsitzender der Stiftung Bildung und Wirtschaft sowie Vorsitzender des Germeringer Arbeitskreises Schule & Wirtschaft. Bei „Perspektive P“ berichtete er unter anderem von den Zielen des Arbeitskreises: die Förderung der gegenseitigen Wertschätzung und die Zusammenführung von Schule und Wirtschaft.

Abschussrampe für Papierflieger

Dass aus den Schulen heraus viele innovative Ideen entstehen, zeigte auch das Beispiel von Jonathan Loth. Der Schüler des Gymnasiums Puchheim hat den Wettbewerb „Jugend forscht“ mit einer Abschussrampe für Papierflieger gewonnen. Was nach einem Spielzeug klingt, hat einen wissenschaftlichen Hintergrund: Mit dem Gerät analysierte Loth die Flugbahn von Papierfliegern und konnte so ermitteln, welche Faltung einen Flieger am weitesten fliegen lässt: „Zu meiner Überraschung war es einer mit nach oben gefalteten Flügelenden“, berichtete der Siebtklässler.

Schule und Wirtschaft konnten sich auch bei einer Mikromesse am Rande der Veranstaltung treffen. Eine Jobbörse gab es ebenso wie Schüler, die ihre Projekte vorstellten. So auch Alexander Wersching und Simon Walter – beide 15 Jahre alt, und vom Gymnasium Puchheim. Die beiden wollen Loth nacheifern und mit einer selbst gebauten zentralen Rechnereinheit (CPU) an „Jugend forscht“ teilnehmen – voraussichtlich im kommenden Jahr. „Wenn wir bis dahin fertig sind“, berichten die beiden Schüler.

Man muss zu Schulzeiten aber kein Wissenschafts-Genie sein, um Karriere machen zu können. Das zeigt das Beispiel von Biffar. Der DocuWare-Gründer bezeichnet sich selbst als „mittelmäßigen Schüler und Studenten mit ebenso mittelmäßigen Abschlüssen“. Dennoch schaffte er es, mit DocuWare eine Softwareentwicklungs-Firma aufzubauen, die mittlerweile mehr als 400 Mitarbeiter beschäftigt.

Sein Geheimnis? „Ich habe immer alles durchgezogen.“ Man müsse kein Supertalent sein, aber Durchhaltevermögen brauche man schon, sagte der erfolgreiche Geschäftsmann. Ein Erfolgsrezept hat er nicht. „Jeder muss seinen eigenen Weg finden.“ Die wichtigsten Werte dafür konnte Biffar den jungen Menschen bei der Veranstaltung mitgeben: „Ambition, Anstand und Verlässlichkeit.“

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