In Puchheim

Kampf gegen Extremismus und Politikverdrossenheit: Eine Nacht für die Demokratie

Außen rum führen Autokraten wie Erdogan und Putin das Kommando, im Inneren schimpft eine wachsende Schar von Politikverdrossenen auf „die da oben“, die den Kontakt zum Volk verloren hätten. 

Puchheim– Ist unser politisches System also ein Auslaufmodell, muss man sich Sorgen um eine Demokratie machen, wenn sie nicht nur Herrschaft der Mehrheit bedeutet, sondern auch Rechte für Minderheiten garantiert? Ja, fürchtet man beim „Wertebündnis Bayern“, einer von über 160 gesellschaftlichen Organisationen getragenen Stiftung, die darum seit einigen Jahren mit einer „Langen Nacht der Demokratie“ für eine Staatsform wirbt, die müde und angreifbar geworden scheint.

Bei den Verantwortlichen in Puchheim teilt man diese Sorge. Die Stadt beteiligt sich erstmals mit einem eigenen, umfangreichen Programm an der langen Nacht vom 15. auf den 16. September.

Nicht weniger als 45 Einzelveranstaltungen – vom Kinderkino bis zum „philosophischen Café, von der Ausstellung bis zum Workshop – sind im Puchheimer Kulturzentrum geplant. Demokratie, so das Motto, ist keine Selbstverständlichkeit. Ohne Menschen, die für sie eintreten, geht sie unter.

Die lange Nacht startet zwar schon um zehn Uhr vormittags mit einem Frühschoppen auf dem Grünen Markt, bei dem Bürgermeister und Stadträte mit den Puchheimern ins Gespräch kommen wollen, das Hauptprogramm beginnt aber um 15 Uhr im PUC . Als ein Höhepunkt gilt der Auftritt der Fernsehjournalistin und Kriegsberichterstatterin Düzen Tekkal, Kind von jesidisch-kurdischen Einwanderern, die mit ihrer klaren Haltung gegenüber religiösem Extremismus bekannt geworden ist.

Mehr im Hintergrund wirkt Stefan Primbs, beim Bayerischen Rundfunk Leiter einer Einheit für „Social listening und verification“. Er will zeigen, wie fake news entstehen beziehungsweise gemacht werden und untersucht, wie sich vor allem jüngere Menschen über soziale Medien informieren. Beide Referenten diskutieren über ihre Thesen auch in anschließenden Podiumsdiskussionen.

Die regionale Politprominenz lässt sich in einem „Sommer-Interview“ von Kindern befragen (Kathrin Staffler, CSU) oder redet in einem als inspirierend angekündigten Polit-Talk miteinander (der Landtagsabgeordnete Sepp Dürr, Grüne und Herbert Kränzlein, SPD). Die Vertreter aller örtlichen Parteien und Wählergruppen laden die Zuhörer zum politischen Café ein.

Daneben gibt es einen Workshop zur Konfliktbewältigung oder die Veranstaltung mit einer Polizistin, die Ratschläge gibt, wann Zivilcourage angebracht ist und wann nicht. Das Jugendzentrum installiert einen „Gesetzes-Generator“ für den Eigengebrauch, die SPD lässt zwei Gruppen in einem Demokratie-Quiz gegeneinander antreten.

Kinder können mit der Sesamstraße lernen, wie das mit Wahlkampf und Abstimmungen funktioniert, den Sechstklässler Felix filmisch einen Tag lang in den Bundestag begleiten oder – die etwas Älteren – im philosophischen Café Sinnfragen stellen. Bei schönem Wetter wird im Außengelände des PUC unter anderem das Outdoor-Spiel „Fake or Fact“ angeboten, bei dem man durch ein Netz aus Intrigen und Falschaussagen die Wahrheit herausfinden muss. Außerdem gibt es Improvisationstheater, Puppenspiel und Musik. Die Band BluPanDu beschließt mit ihrem „Rock for Democracy“ kurz vor Mitternacht die Veranstaltung. (op)

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