Auch Tote nach Einsturz der Autobahnbrücke in Italien

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Kursleiterin Sabine Schelbert zeigt den Teilnehmerinnen Jelena Rott und Franziska Magg (hinten, v.l.) wie man eine Windel richtig wechselt. Die beiden Schülerinnen folgen ihren Ausführungen aufmerksam. Foto: Katja brenner „Ständig wechselnde Babysitter tun den Kleinen einfachnicht gut.“Sabine Schelbert

Puchheim

Kinder hüten – aber nur mit Führerschein

Für alles braucht man Genehmigungen, Führerscheine und Lizenzen, nur Kinder hüten kann jeder ohne irgendeine Einweisung. Das Puchheimer Kinderreich will das nicht so hinnehmen und bietet einen Kurs für Babysitter an – denn versteckte Gefahren lauern überall.

Puchheim – Eine Tüte Chips auf dem Couchtisch, freie Verfügung über die Fernbedienung, Selbstbedienung am Kühlschrank – und das für eine gute Bezahlung. So stellt man sich gemeinhin einen Abend als Babysitter vor. Doch ganz so einfach ist es nicht. Immerhin trägt man einen Haufen Verantwortung, wenn man auf Kinder aufpasst, egal, ob es der Nachwuchs aus der Familie ist oder von Fremden. So zumindest sehen es die Veranstalter eines Babysitting-Kurses des Puchheimer Kinderreichs. Sie gehen sogar noch weiter: Jeder sollte einen „Führerschein“ bei ihnen machen, bevor er Kinder hütet.

Dazu braucht es erst einmal die dröge Theorie. Zu den Teilnehmern, die in den Abendstunden in der Kinderkrippe in einem Stuhlkreis Platz genommen haben, gehören dreizehnjährige Babysitterinnen in spe genauso wie frischgebackene Opas. Der „Haushaltscheck“ steht an. Wo lauern überall Gefahrenquellen? Die Teilnehmer kreisen auf einem Arbeitsblatt Bügeleisen, Steckdosen, Kabel, Kerzen und Messer ein. Gefahr für Leib und Leben droht Babys an jeder Ecke. Oft geht sie auch von den Erwachsenen selbst aus.

In einem kurzen Rollenspiel zeigen Kursleiterin Sabine Schelbert und ihre Kollegin und Stellvertreterin Daniela Wenisch, wie sich Babysitter niemals verhalten sollten. Wenisch spielt die Babysitterin, die sich auf eine Ausschreibung gemeldet hat. Sie kommt zur Tür rein, langt dem Kleinkind als erstes ins Gesicht. Zieht sich die Schuhe nicht aus, marschiert schnurstracks ins Wohnzimmer und schnappt sich die Schüssel mit Keksen. Dem Baby, gespielt von Puppe Theresa, schiebt sie natürlich auch gleich ungefragt einen in den Mund. Als die Situation mit dem Teilnehmern durchgesprochen wird, wird etwa jeder zweite Fauxpas als solcher erkannt. Neben einer Einheit zu Erste Hilfe am Kleinkind bei Verschlucken und Verbrennungen werden auch ganz praktische Aspekte durchgespielt: Wie füttere ich richtig, worauf muss ich beim Wickeln achten? Liegt die Windel richtig, ist der Klebestreifen vorne? Und, nicht vergessen: Immer mit dem Kind sprechen, gerade beim Füttern und Wickeln.

Aber auch womit man bei Eltern und vor allem bei den Kleinen punkten kann, wird besprochen. Wo sind Spielplätze in der Umgebung, welches Spielzeug lässt sich ganz einfach aus gewöhnlichen Haushaltsartikeln basteln? Welche Lieder und Fingerspiele kommen besonders gut an? Schließlich ist liebevolle Zuwendung das A und O einer guten Beziehung zum Schützling.

Was in einem Kurs zum Thema Babysitting natürlich nicht fehlen darf: die Frage der Bezahlung. Denn Babysitting ist nicht gleich Babysitting. Passt man auf das Kind zweier Ärzte oder auf das der alleinerziehenden Mutter auf? Muss man das Kind aus der Krippe abholen, Abendessen kochen, sich um den Haushalt kümmern oder lediglich da sein, falls es aufwacht? Mindestlohn, Stundenlohn oder Festpreis? Auch hierzu dozieren Schelbert und Wenisch.

Und: Babysitter müssen sich in der Wohnung oder im Haus auskennen. Man stelle sich bloß vor, das Licht fällt plötzlich aus. Im Dunkeln findet man den Sicherungskasten nur noch schwer. Deshalb sollte sich ein guter Babysitter alles, vom Putzlappen bis zum Lieblingsspielzeug, zeigen lassen. Auch Fragen wie Fernseh- und Bettgehzeiten sollten, wie es die Kursunterlagen nahelegen, schriftlich fixiert werden.

Am Ende eines Babysitter-Führerscheins steht allerdings weder eine theoretische noch eine praktische Prüfung. Die Teilnehmer bekommen aber ein Zertifikat, haben eine 50 Seiten starke Handreichung in der Tasche und sie können sich in den Babysitter-Pool der Kinderkrippe aufnehmen lassen.

Seit einem halben Jahrzehnt gibt es das Angebot „Babysitter-Führerschein“ im Puchheimer Kinderreich nun. Die Teilnehmer sollen hier von der Pike auf lernen, wie sich der „verantwortungsvolle Nebenjob“ für alle Beteiligten am besten gestalten lässt, insbesondere für die Kinder. Ziel ist es, den Teilnehmern zu vermitteln, dass Kinder Rechte und Bedürfnisse haben und man diese ernst nehmen muss.

Auch die Rolle des Babysitters in der Familie wird besprochen. Idealerweise sollen Babysitter und Kind eine gute und vor allem dauerhafte Beziehung zueinander aufbauen. „Manche sehen ihre Oma zwei Mal im Jahr. Da ist der Babysitter oft eine wichtige Bezugsperson“, weiß Schelbert, Leiterin der Kinderkrippe Zappelfinger. „Ständig wechselnde Babysitter tun den Kleinen einfach nicht gut.“ Geduld und Einfühlungsvermögen sollten die werdenden Babysitter auch mitbringen, denn nur so lasse sich überhaupt eine Beziehung aufbauen. Und, nach dem Parforceritt durch die Kinderpflege, können sie sich im Umgang mit den Kleinen sicherer fühlen. Katja Brenner

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