Auf dem Prüfstand: die Anfahrtszeiten der Feuerwehren Puchheim- Bahnhof und Puchheim-Ort.
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Auf dem Prüfstand: die Anfahrtszeiten der Feuerwehren Puchheim- Bahnhof und Puchheim-Ort.

Aus dem Sicherheitsausschuss

Kommt die Feuerwehr in Puchheim zu spät? Einsatzkräfte wehren sich: „Zahlen weit von der Realität entfernt“

Der Bericht eines Fachmannes hat für Aufsehen im Puchheimer Sicherheitsausschuss gesorgt: Demnach brauchen beide Feuerwehren derzeit zu lang, um an den Einsatzort zu gelangen. Von den anwesenden Feuerwehrleuten kam lauter Protest – und Zweifel an den Zahlen.

Puchheim – Kommen die beiden Puchheimer Feuerwehren im Notfall nicht schnell genug an den Einsatzort? Diesen Eindruck vermittelte jetzt ein Projektbericht zum geplanten Feuerwehrbedarfsplan, der im neuen Sicherheitsausschuss des Stadtrats vorgestellt wurde.

Nach den Daten des beauftragten Büros für Brandschutztechnik und Gefahrenabwehrplanung brauchten die Kameraden in den vergangenen Jahren im Schnitt über sechseinhalb Minuten, bevor sie überhaupt mit dem ersten Fahrzeug ausrücken konnten. Nur in kleinen Bereichen der Stadt sind sie damit innerhalb der sogenannten „Hilfsfrist“ von zehn Minuten seit dem eingegangenen Alarm am Brand- oder Unfallort.

Feuerwehr widerspricht Bericht: „Wir schützen unsere Bevölkerung besser als dargestellt“

Die Feuerwehrleute im Ausschuss widersprachen den Ausführungen des Fachmanns allerdings vehement. „Wir schützen unsere Bevölkerung besser als dargestellt,“ sagte etwa Thomas Salcher von der ubp.

Dem Experten Thomas Keller vom Ingenieurbüro IBG war zwar noch höflich zugehört worden, danach aber wurde heftige Kritik laut. Er stehe mit den genannten Zahlen „auf Kriegsfuß“, formulierte es noch zurückhaltend der als Gast anwesende Kommandant von Puchheim-Bahnhof, Michael Viehhauser.

Feuerwehrreferent Günter Hoiß (CSU) wollte nicht ausdrücklich von „alternativen Fakten“ reden, aber die vorgestellten Zeiten seien „weit von der Realität entfernt“. „Ich hätte mir für das Geld mehr erwartet“, sagte der seit 43 Jahren aktive Hoiß über das 250-Seiten-Papier und dessen Kurzfassung im Ausschuss. Keller dagegen sprach von in sich schlüssigen und „gerichtsfesten“, bei der Integrierten Leitstelle dokumentierten Daten.

Nur 44 Prozent der Einsätze halten Frist ein

Nach diesen Zahlen sieht es vor allem tagsüber schlecht aus. Im Stadtteil Bahnhof braucht es demnach acht Minuten, bevor genügend Leute zusammen sind, damit die erste Einheit loskommt. Damit bliebe nur ein kleiner, südöstlicher Teil von Puchheim-Nord und eine Schneise entlang der FFB 11 übrig, in der die Einsatzkräfte rechtzeitig vor Ort sind. Insgesamt, Nachtstunden und Wochenenden mitgerechnet, hielten nur 44 Prozent der Einsätze in beiden Stadtteilen die Frist ein.

Damit allerdings sei nichts über die Qualität der eigentlichen Notfallarbeit gesagt, beeilte sich Keller am Schluss noch zu versichern. Und man könne natürlich nicht beurteilen, ob die genauen Abfahrtszeiten von den Einsatzkräften immer korrekt gemeldet wurden.

Zu Verkehrs-Stoßzeiten kann es eng werden

Dies könnte in der Tat ein Teil des Problems sein, wie Feuerwehrreferent Hoiß dem Tagblatt sagte. Der Funk im Löschfahrzeug muss erst hochgefahren werden, es könne in dem Stress auch mal passieren, dass die Statusmeldung erst später durchgegeben werde. Außerdem muss in Puchheim nicht unbedingt die Puchheimer Wehr als erste alarmiert werden. Für manche Bereiche im Süden werden die Eichenauer Kollegen als erste verständigt. Dennoch: Um auf die vom Experten genannten acht Minuten zu kommen, müssten die Kameraden schon mit dem Fahrrad zur Feuerwache unterwegs sein. Dass es zu Verkehrs-Stoßzeiten mal eng werden könnte, räumt er allerdings ein.

Das Gutachten, in dem unter anderem auch die Fahrzeugausstattung und der Zustand der Feuerwehr-Häuser bewertet werden, wird noch weiter für Gesprächsstoff sorgen. Geplant ist ein „Workshop“ mit Feuerwehren, Stadtverwaltung und Stadtratsvertretern. Im Anschluss soll dann der eigentliche Feuerwehr-Bedarfsplan vorgelegt werden.

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Olf Paschen

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