Puchheim

Podiumsdiskussion der Kandidaten: Außer beim Grün sind sich alle grün

Das Interesse daran, wer künftig im Puchheimer Rathaus das Sagen hat, scheint groß zu sein: Brechend voll war der katholische Pfarrsaal bei der ersten Podiumsdiskussion der sechs Bürgermeister-Kandidaten am Mittwochabend. Die Debatte ging rund drei Stunden lang.

Puchheim – Die meisten der rund 300 Zuhörer harrten aus, bis alle vorgegebenen Themen angesprochen waren. Bis auf Martin Koch (FDP), der gelegentlich deutlich andere Akzente setzte, waren sich die Bewerber für die Kommunalwahl in vielem Grundsätzlichen einig: Puchheim soll nur noch verhalten wachsen, nachhaltiges Bauen verdient Förderung, Klimaschutz muss bei allen Entscheidungen mitgedacht werden. „Wo sind die Unterschiede?“ hatte Grünen-Kandidat Manfred Sengl schon zu Beginn gefragt. Vieles sei unter den fünf im Stadtrat vertretenen Parteien und Gruppierungen eben auch nicht strittig.

Immerhin wurde der lange Abend auch durch einige heitere Episoden aufgelockert. So, als Jürgen Honold (ubp) eben mit dem Satz „Das klingt jetzt vielleicht ein bissl überraschend…“ begann und prompt die Klingel ertönte, mit der rigoros das Ende der jeweils zweiminütigen Redezeit angezeigt wurde. Unfreiwillige Komik bewies auch der amtierende Bürgermeister Norbert Seidl (SPD), als er sich als Vater dreier Töchter vorstellte, von denen zwei Original-Puchheimerinnen seien, „obwohl ich gar nichts dafür getan habe“. Und die Lacher auf seiner Seite hatte auch Koch, als er zum Publikum meinte: „Sie sind hier auf einer politischen Veranstaltung. Darum müssen Sie mit Wiederholungen leben.“

Das Auto nicht verteufeln

Bei einzelnen Punkten blieb es allerdings nicht nur bei inhaltlichen Bestätigungen der Vorredner. Zum Beispiel beim motorisierten Individualverkehr: Karin Kamleiter (CSU) wollte das Auto nicht verteufelt wissen, laut Koch müsse man den Willen der Bevölkerung akzeptieren, die nun mal gerne Auto fahre. „Sie stehen auf der A 99, Sie stehen an der Tankstelle in Puchheim, Sie stehen überall“, meinte dagegen Honold. So könne es nicht weiter funktionieren, in zehn Jahren werde das Auto nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Seidl, der Mobilität neu denken will, erinnerte auf eine Zuhörer-Frage hin an sein Versprechen vor seiner Wahl 2012, keine neue Straße in Puchheim zu bauen. „Wenn die Mehrheit der Puchheimer eine neue Straße will, dann werden Sie sie auch bauen“, vermutete dagegen Freidemokrat Koch.

Unterschiede gab es auch bei der Frage, wie gewachsenes Grün in Puchheim erhalten werden kann. Sengl ist für eine flächendeckende Baumschutzverordnung auch aus Gleichbehandlungsgründen. Denn: Wo Bebauungspläne existierten, seien erhaltenswerte Bäume bereits gekennzeichnet. Laut Seidl werden aber widerrechtliche Fällungen auch durch keine Satzung verhindert und Gudrun Horn (Freie Wähler) will Bäume durch Patenschaften der Bürger schützen.

In die Höhe bauen

Beim künftigen Wohnungsbau setzt Seidl auf ein Baugebiet an der Alpenstraße als „Modellquartier für nachhaltige Mobilität“. Kamleiter sprach sich gegen Hochhäuser aus, während Koch wiederum in die Höhe bauen will, zumindest dort, wo es das Stadtbild erlaube. Der Liberale forderte aber auch bei privaten Investitionen frühzeitige Bürgerbeteiligung, wie es auch bei der Umgestaltung des Alois-Harbeck-Platzes möglich gewesen wäre: „Wir sind nicht dagegen, was passiert, sondern wie es passiert ist.“

Für Heiterkeit sorgte ein Mitglied der Grünen Jugend im Publikum: Auch wenn es bei dieser Veranstaltung nicht so auffalle, gebe es doch viele junge Menschen in Puchheim, die nicht mehr mit ausreichend Kita-Plätzen zufrieden zu stellen seien: „Was wird für uns getan?“ Seidl verwies auf den neuen Jugendbeirat, ein Jugendzentrum, das aus allen Nähten platze und ein Skater-Gelände, das seinesgleichen suche. Kamleiter will einen „Jugendtreff“ in der Stadtmitte, Sengl wünscht sich „nicht-organisierte Treffpunkte“ wie Bauwagen oder Grillplatz.

„Wo trifft man euch?“, fragte Freie Wählerin Horn zurück. Sie lade die Jugend ein, nach der Wahl zu ihr ins Bürgermeister-Büro zu kommen und ihr dort die sozialen Medien „Facebook und Instagram“ zu erklären. Auf Facebook, antwortete der junge Mann angesichts des Altersdurchschnitts der User, „trifft man uns am wenigsten“. Und wenn sie Instagram nutze, möge sie bitte scharfe Fotos verwenden. (op)

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