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Saatkrähen lassen sich in den Baumwipfeln die Sonne aufs Gefieder scheinen. Weil sich die Tiere aber stark vermehren, kämpfen die Anwohner des Schopflach-Wäldchens seit Jahren für eine Vergrämung der Vögel. 

In Puchheim

Krähen: Bürger fühlen sich übergangen

Die Anwohner des Schopflach-Wäldchens in Puchheim gehen auf die Barrikaden. Ihrer Meinung nach ergreift die Stadt im Kampf gegen die Saatkrähen-Plage die falschen Maßnahmen. Zudem fühlen sie sich nicht genügend in die Entscheidungen eingebunden. Jetzt haben sie im Stadtrat ihrem Ärger Luft gemacht.

Puchheim – Wut, Verzweiflung und Ärger sitzen tief bei den Anwohnern. Entsprechend aufgeheizt war die Stimmung unter den mehr als 50 Bürgern, die zur Stadtratssitzung am Dienstagabend gekommen waren. Eine gute Viertelstunde lang prasselten die Vorwürfe auf Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) und die Stadträte ein, die die Anschuldigungen regungslos über sich ergehen ließen.

Es hat sich einiges angestaut. Hauptkritikpunkt der Anwohner waren die Maßnahmen, welche die Stadt seit Jahren ergreift. Luftballons, Netze in den Bäumen, falsche Eier in den Nestern, Alarmrufe aus Lautsprechern: Nichts habe die Population der schwarzen Vögel eindämmen können. Im Gegenteil: „In den vergangenen Jahren ist die Population immer weiter gewachsen“, sagte Dana Fritzenschaft, die als Sprecherin der Betroffenen auftrat.

Auch Anwohner Gernot Schenk machte seinem Ärger Luft. Der sogenannte Bird Gard, also ein Gerät das Angst- und Panikschreie von Krähen aussendet, sei kein probates Mittel, um die Vögel zu vertreiben. Er verglich die Maßnahme mit dem Einsatz von Antibiotika: So wie sich Bakterien an das Medikament gewöhnten, verpuffe auch die Wirkung der Schreie sehr schnell.

Unzufrieden sind die Anwohner auch mit ihrer Beteiligung an Entscheidungen zur Eindämmung der Krähenplage. Zu einem Runden Tisch sei kein einziger der Betroffenen eingeladen gewesen. „Der Bürgermeister ist nicht gesprächsbereit“, so Fritzenschaft.

Das will Rathaus-Chef Seidl nicht auf sich sitzen lassen. Die Bürger seien regelmäßig mit einbezogen worden. So seien Vertreter der Anwohner an früheren Runden Tischen sehr wohl dabei gewesen. In Bürgerversammlungen komme das Thema zur Sprache und auch die Puchheimer Umweltbeauftragte Monika Dufner beantworte jede Anfrage.

Dass zum jüngsten Runden Tisch keine Bürger geladen waren, habe daran gelegen, dass es sich um ein reines Expertengremium gehandelt habe. Über die weitere Vorgehensweise hätten dabei Vertreter der Regierung von Oberbayern, des Landesbunds für Vogelschutz, Mitarbeiter der Verwaltung sowie ein Falkner beraten. Verwunderung äußerte Seidl auch darüber, dass keiner der Anwohner zu zwei öffentlichen Sitzungen gekommen sei, in denen die Thematik behandelt worden sei.

Auch den Vorwurf, die Stadt ergreife nur die falschen Maßnahmen, will der Bürgermeister nicht gelten lassen. „Alle Maßnahmen gehen auf Experten-Meinungen zurück.“ Es sei abenteuerlich, zu glauben, dass die Stadt durchweg auf die falschen Berater höre. Dass nicht jede Maßnahme den gewünschten Erfolg erzielt habe, sei auch ihm bewusst. „Aber es gibt eben keine Musterlösung.“

Der kompletten Vertreibung der Krähen, die mittlerweile über 400 Nester gebaut haben, erteilt Seidl eine Absage. Die Gefahr, dass sich Splitterkolonien bilden, sei zu groß. „Das riskiere ich nicht“, sagt Seidl. Zudem gebe es dafür keine Genehmigung der oberen Naturschutzbehörde. Jetzt sollen Bird Gards in Kombination mit Falken-Flügen die Krähen zumindest in hintere Bereiche des Wäldchens zurückdrängen. Zudem kündigt Seidl noch für dieses Jahr eine Sonderbürgerversammlung an. (tog)

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