Der Krebs hat das Leben von Lara Hipeli verändert. Unter anderem entwickelte sie großen Ehrgeiz.
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Der Krebs hat das Leben von Lara Hipeli verändert. Unter anderem entwickelte sie großen Ehrgeiz.

„Plötzlich war alles anders“

Krebs-Diagnose ein Jahr vor Schulabschluss: Lara (13) kämpft sich zurück ins Leben - und schafft Unglaubliches

  • Kathrin Böhmer
    VonKathrin Böhmer
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Die Puchheimer Realschüler erhalten heute ihre Zeugnisse. Für Lara Hipeli ist das in doppelter Hinsicht einer der wichtigsten Tage ihres Lebens: Sie hat im Jahr vor dem Abschluss erfahren, dass sie Krebs hat. Zwölf Monate durfte sie die Schule nicht besuchen. Aber dann kämpfte sie sich zurück.

Puchheim – Wie stark ihr Wille in so jungen Jahren bereits ist, beweist Lara Hipeli schon im Krankenhaus. Sie ist an Schläuche angeschlossen, gezeichnet von der schweren Krankheit, der kräftezehrenden Chemotherapie und Bestrahlung. Trotzdem steht sie auf und tut das, was sie so sehr liebt: Sie tanzt. Wie sie es immer getan hat, als sie noch gesund war.

Diagnose Lymphdrüsenkrebs: Schock für Lara und ihre Familie - „Plötzlich war alles anders“

Sie zeigt ihrer Familie eine Choreografie, die sie in der Tanzschule Puchheim gelernt hat. Irgendwie halt, mit all den Schläuchen im Körper. Aber vielleicht war das schon ein Vorzeichen: Dieses Mädchen kann wirklich jede Prüfung des Lebens mit Bravour meistern.

Als Lara Hipeli erfährt, dass sie unter Lymphdrüsenkrebs leidet, ist sie gerade einmal 13 Jahre alt. Ein Schock für sie und ihre ganze Familie. „Plötzlich war alles anders“, erinnert sich das junge Mädchen. Das Leben, das sie bisher kannte, steht auf dem Kopf. Es folgt eine Reihe von Behandlungen, um den Krebs zu bekämpfen. Lara Hipeli muss lange Zeit ins Krankenhaus. „Ich durfte die Schule ein ganzes Jahr lang nicht besuchen“, erzählt sie. Damals wäre sie eigentlich in der 9. Klasse der Puchheimer Realschule gewesen, das Jahr vor dem Abschluss.

Die 13-Jährige geht durch eine schlimme Zeit, auch psychisch. „Manchmal habe ich mich schon allein gefühlt“, sagt sie. Sie merkt, wie sehr ihre Familie leidet, die immer voll an ihrer Seite steht. Sie versucht, es ihr leichter zu machen, zeigt, wie sehr sie kämpft, auch durch das Tanzen. Lara Hipeli bekommt psychologische Hilfe. Aber sie kommt immer wieder an ihre Grenzen.

Nach Krebs-Diagnose: Lara will in der Schule am Ball bleiben - Crash-Kurs in Hauptfächern

Und trotz allem will das junge Mädchen in der Schule am Ball zu bleiben. Die Lehrer kommen sogar zu ihr nach Hause und geben ihr einen Crash-Kurs in den Hauptfächern wie Deutsch und Mathe. Klassenkameraden bringen ihr Arbeitsblätter mit.

„Sie hat sich das größtenteils selbst beigebracht“, sagt Mutter Ursula Hipeli. Mit einer gigantischen Unterstützung durch die Puchheimer Realschule. Homeschooling, lange bevor dieser Begriff für die anderen Schüler durch Corona zum Alltag wurde.

Lara besiegt den Krebs: Danach folgt die nächste wichtige Prüfung - der Schulabschluss

Dann kommt der Tag, auf den die ganze Familie so sehr gewartet hat: Die Ärzte sagen Lara Hipeli, dass sie den Krebs besiegt hat. Sie ist geheilt. Und schon stand die nächste wichtige Prüfung des Lebens an: der Schulabschluss.

„Mir haben alle gesagt, dass es kein Problem sei, wenn ich wiederhole, nach all dem. Ich hätte auch die zehnte Klasse auf Probe machen können“, berichtet die Realschülerin. Doch durch die schwere Krankheit hat sie sich verändert. Vorher war sie eine eher durchschnittliche Schülerin. „So im Dreier-, Vierer-Notenbereich“, sagt sie. Nun packte Lara Hipeli der Ehrgeiz. Ihr war ganz klar: „Ich will zusammen mit meinen Freunden die Schulzeit beenden.“

Nach dem Lockdown: Lara darf wieder in die Schule - und schafft Unglaubliches

Sie trat also die zehnte Klasse an. Nach dem Lockdown durfte sie das erste Mal wieder in ihre Schule. „Ich war so froh.“ Sie lernte, war fleißig wie nie. Und dann schaffte sie das Unglaubliche: drei Einser und eine Zwei. Sie hat nicht nur die Mittlere Reife in der Tasche. Sie ist die Jahrgangsbeste ihrer Schule. An diesem Mittwoch erhält sie ihr Zeugnis. „Ich bin so stolz auf mein Mädchen“, sagt Mutter Ursula Hipeli. Damit hätte wohl niemand vorher rechnen können.

Die 15-Jährige will nun in die Fußstapfen ihrer Mutter steigen und an die FOS, Fachrichtung Soziales. Der psychologische Bereich würde sie interessieren. „Ich will einmal anderen helfen, die in meiner Situation waren.“

Mit dem Tanzen klappt es allerdings noch nicht so gut wie früher. Der Körper von Lara Hipeli spielt nach ihrer Krankheit noch nicht ganz mit. Aber eines steht fest: Auch diese Prüfung wird sie noch meistern.

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