Zugang zu den Gleisen

Kritik an Plänen für barrierefreien Bahnhof-Umbau in Puchheim

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Barrierefreiheit ist für die Bahn eine große Sache. Auch in Puchheim will sie den uneingeschränkten Zugang zu den Gleisen so schnell wie möglich umsetzen. Gegenwind kommt ausgerechnet von den Senioren- und Behindertenbeiräten.

Die Puchheimer Aktivisten favorisieren den Bau eines neuen Bahnsteigs auf der Nordseite

Puchheim – Schon lange wird gestritten, geplant und untersucht, wie man den Bahnhof leichter zugänglich macht. Nun stellten Vertreter des Sozialverbands VdK und der Behinderten- und Seniorenbeiräte bei einer Begehung Konzepte vor, wie dies zu verwirklichen wäre. Der bevorzugte Plan der Bahn, die den bisherigen Mittelbahnsteig weiter nutzen möchte, stößt auf wenige Gegenliebe.

Für Heinz Kroppen, Bauingenieur, geht nichts an dem Bau eines dritten (Nord-)Bahnsteigs vorbei. Auf beiden Seiten der Gleise sollen zusätzlich noch zwei Aufzüge installiert werden, so dass die bestehende Unterführung auch weiterhin als Querung dienen kann. Eine kleine Rampe ermöglicht demnach den Zugang direkt von der Bushaltestelle auf der Nordseite.

Station als Nothalt

Zuerst war auch die Stadt für diese Idee, wurde jedoch vom bayerischen Verkehrsministerium und der Bahn ausgebremst. Der Bahnhof sei schon genug erschlossen, da es bereits eine mittlere Plattform gebe und diese auch erhalten werden soll. Denn nach dem Streckenausbau Richtung Lindau dient die Station Puchheim zukünftig als Notausstieg.

Der Plan der Bahn sieht die Erschließung des bestehenden Mittelbahnsteigs mit Rampen und einem Lift vor.

Für die Stadt ist damit die Entscheidung gefallen. Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) sagt: „Man muss das so akzeptieren. Die Bahn hat das Hausrecht“ Doch die Beiratsvertreter wollen weiterkämpfen. Denn das Bahnkonzept „ist sogar lebensgefährlich“, sagt Ingrid Kroppen vom Behindertenbeirat.

Die Bahn-Variante sieht vor, auf beiden Gleisseiten etwa 70 bis fast 100 Meter lange Rampen zu bauen, die an einer neuen Unterführung enden sollen. Aus dem sehr schmalen Tunnel führt dann ein Lift auf den mittleren Bahnsteig. Die langen Wege, die nicht einsehbare Unterführung und die Vernichtung von Parkplätzen sind aber nicht tragbar, wenn es nach den Beiräten geht. „Wir haben auch normale Bürger gefragt und selbst die hätten nachts Angst durch den Tunnel zu gehen“, erklärt Kroppen. Außerdem wird befürchtet, dass die abgeschiedene Lage zu Vandalismus führt.

Der Rathauschef sieht jedoch eine zweite Unterführung bei dem gestiegenen Fahrgastaufkommen als dringend notwendig an. „Die Stadt könnte selbst etwas Geld in die Hand nehmen und die Bahnvariante noch etwas verbessern.“

Große Gefahren sehen die Beiräte beim Liftaufbau am Mittelgleis. „Wenn dann mal, nach dem Ausbau, Züge mit bis zu 160 Stundenkilometern am Bahnsteig vorbeirauschen, hat sogar ein gesunder Mensch Schwierigkeiten sich dem Sog zu widersetzen“, sagt Heinz Kroppen. Der Abstand zwischen Schutzbereich und Lift ist für den Bauingenieur zu gering.

„Wenn wir uns einen neuen Bahnhof wünschen könnten, würde der natürlich ganz anders aussehen“, sagt Seidl. Doch so habe die Bahn das Recht, zu tun was sie für richtig hält. „Wir können lediglich, wenn wir gefragt werden unsere Ideen einbringen“, erklärt der Rathauschef.

Für den VdK und die Beiräte ist der Kampf aber noch nicht vorbei. „Wenn es erst einmal gebaut ist, können wir nichts mehr ändern“, sagt Ingrid Kroppen. „Darum kämpfen wir jetzt dagegen.“ Sie wollen so viele Bürger wie möglich überzeugen, so dass ihr Widerstand vielleicht die Bahn umstimmt, ihr Konzept noch einmal zu überdenken.

Kommentar

Teilhabe am täglichen Leben ist für beeinträchtigte Menschen schwierig genug. Um so schöner, dass von vielen Seiten versucht wird, ihnen dabei zu helfen. Sowohl die Bahn als auch der Senioren- und Behinderbeirat wollen in Sachen barrierefreier Bahnhof Puchheim helfen. Doch wenn der Eine entscheidet und der Andere akzeptieren muss, überschattet das die gute Sache. Dass die Bahn die Finanzierung übernimmt und das Hausrecht hat, steht außer Frage.

 Schade ist nur, dass die, für die so viel Geld in die Hand genommen wird, jetzt nicht mehr einbezogen werden. Man zeigt Lösungsvorschläge auf und entscheidet dann doch selbst. Das gleicht dem Besuch einer Eisdiele, bei der man dem Kind die Sorten zeigt, aber die Wünsche ignoriert. Vor allem im Interesse derer, die es betrifft, wäre es schön, wenn sich beide Seiten nochmal zusammensetzen könnten, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist. (Tom Eldersch)

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