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Als Platzprobleme noch kein Thema waren: Die Alte Schule in Puchheim-Bahnhof (vorne) mit dem Erweiterungsbau (hinten) um 1965 am heutigen Grünen Markt beziehungsweise an der Adenauer Straße. Die Planie war damals noch völlig unbebaut.

Kritik der Schulhausfreunde

Für die Alte Schule in Puchheim-Bahnhof könnte es eng werden

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Die Alte Schule in Puchheim-Bahnhof ist eines der wenigen historischen Gebäude der Stadt. Ihr kam auch eine besondere Rolle beim Wettbewerb zur Gestaltung der Stadtmitte zu – trotzdem gibt es Kritik.

Puchheim – Die Stadt will das Zentrum neu gestalten, vor Kurzem wurde der Gewinner eines Realisierungswettbewerbs gekürt. Im Entwurf des international renommierten Architekturbüros „Auer Weber“ aus München spielt die Alte Schule am heutigen Grünen Markt (nähe S-Bahnhof) eine zentrale Rolle – dennoch sind die, die gegen den ebenfalls bereits geplanten Abriss des Gebäudes gekämpft haben, nicht zufrieden. In einer Pressemitteilung erläutern die Freunde des Alten Schulhauses in Puchheim-Bahnhof (in Puchheim-Ort gibt es ebenfalls eines) ihre Kritik. Und das alles unter dem Motto der Gruppierung: „Geschichte bewahren, Flair gewinnen.“

Die Kritik beginnt ganz korrekt erst einmal mit dem Positiven: Sowohl der Erst- als auch der Zweitplatzierte hätten bei dem Wettbewerb das 1929 erbaute Schulgebäude mit einbezogen und es innerhalb des Ensembles mit modernen Bauten für Bücherei, Musikschule und Volkshochschule eigenständig stehen lassen. Allerdings haben die Schulhausfreunde große Bedenken: „Leider sind die Abstände der beiden Baukörper der Musikschule, wie auch der Bibliothek viel zu gering zur Alten Schule und bedingen eine geradezu erdrückende und beengende Wirkung“, teilt Sprecher Eduard Knödlseder mit. Musikschule und Bücherei würden bedrohlich nahe rücken.

Pläne für Stadtmitte: Schulhausfreunde fürchten zu wenig Platz und Licht

Außerdem lasse die Anordnung der Häuser zu wenig Licht in manche Räume. Bei dem Areal zwischen den neuen Bauten könne gar nicht mehr von so etwas wie einem Hof oder gar „Bildungshof“ die Rede sein. Es würde lediglich eine Restfläche übrig bleiben, die in keinster Weise zum Aufenthalt einlädt.

Mit der Umsetzung der neuen Stadtmitte (links der Siegerentwurf) fürchten die Schulhausfreunde quasi klaustrophobische Zustände. Die Alte Schule ist umgeben von drei flachen Gebäuden.

Dabei sollte das Stadtzentrum doch belebt werden. Auch die Jury habe das Problem der geringen Distanz thematisiert, heißt es. Dennoch galt dieses Modell als Favorit. Bei dem zweiten Siegerentwurf würden immerhin die Abstände zur Alten Schule stimmen. Dadurch würde ein echter Innenhof geschaffen – was die Jury explizit gewürdigt habe. Wenn es nach den Schulhausfreunden geht, kann keiner der beiden Preisträger für sich alleine überzeugen. Der Vorschlag: Für die Bearbeitung im Rahmen eines Bebauungsplans sollten die vielen guten einzelnen Lösungen, die bei den Planentwürfen des 1. und 2. Preises zu finden sind, zusammengeführt werden.

Die Jury, der auch Architekten angehörten, hatte der Entwurf von „Auer Weber“ überzeugt, weil die Alte Schule das gesamte Ensemble dominiert. Die frühere Lehranstalt in Puchheim-Bahnhof sei zwar kein Baujuwel, wie es damals hieß, aber eben durch seine Geschichte von Bedeutung. Viele Bürger sind dort in die Volksschule gegangen, ganz früher mussten sie nach Puchheim-Ort laufen. Um den Fortbestand des Gebäudes ist lange erbittert gekämpft worden, so hatten sich auch die Schulhausfreunde formiert.

Im Keller der Alten Schule hatte die Hitler-Jugend eine Versammlungsstätte

Im Zuge der Abriss-Debatte gab es einen Vortrag über die Schule, die eines der wenigen Gebäude aus der Torfstecher- und Arbeiterzeit ist. Damals referierte Historiker Johannes Haslauer. Zur Sprache kam etwa, dass der Keller zwölf Jahre lang der Hitler-Jugend als Versammlungsstätte gedient hatte. Später hatten dort Puchheims Protestanten ihren ersten Betsaal. Und Mitglieder der Freiheitsaktion Bayern, die in den letzten Kriegstagen sinnlose Opfer verhindern wollten, hatten in der Schule kurzzeitig NS-Funktionäre, darunter den Bürgermeister, festgesetzt. Der war im Übrigen der Architekt des Gebäudes und wurde nach dem Krieg auch wieder mit dem Entwurf des Erweiterungsbaus Richtung Planie beauftragt.

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