Puchheim

Messerstecher in Psychiatrie

Puchheim – Nachbarschaft kann eine schwierige Angelegenheit sein. Davon zeugt der Prozess, der momentan das Schwurgericht München II beschäftigt. Ein Puchheimer (24) muss sich wegen versuchten Mordes verantworten. Er war im Juli 2015 auf einen Nachbarn (36) losgegangen, mit einem Brotmesser, aus nichtigem Grund.

Seitdem befindet sich der 24-Jährige in einer psychiatrischen Klinik. Behandeln lässt er sich nicht. Er lebt zurückgezogen, fällt immer wieder durch rassistische Äußerungen über andere Patienten auf. Davon berichtete im Prozesstag der zuständige Arzt. Beim Angeklagten gebe es Wochen der formalen Anpassung, dann wieder habe er erhebliche Probleme, höre Klopfgeräusche oder die laut kratzende Matratze im Nachbarzimmer.

Klopfgeräusche waren es auch, die zu der Attacke geführt hatten. Dieses Mal sollen sie aus der Wohnung des Angeklagtengekommen sein. Abends, in der Nacht und auch beim Frühstück. Deshalb wollte das spätere Opfer den 24-Jährigen zur Rede stellen. Das wurde ihm zum Verhangnis. Wie berichtet, stach der aufgebrachte Nachbar auf ihn ein, möglicherweise im Wahn, so spekulierte der Psychiater. Genaueres lässt sich nicht diagnostizieren, weil sich der Mann nicht untersuchen lässt.

In der Verhandlung schweigt der 24-Jährige. Sämtliche diagnostischen Ansätze basieren auf Beobachtungen in der Klinik, bei Zimmerdurchsuchungen und aus dem Briefverkehr mit der Mutter. Demnach fiel der 24-Jährige durch herabwürdigende und sexistische Äußerungen sowie durch Mordrohungen auf. Mitbewohner seiner Mutter wollte er mit einer Axt töten. Neben sehr aggressiven Selbstgesprächen war er auch in Handgreiflichkeiten verwickelt.

Zur Stärkung des Selbstwertgefühls riet der Psychiater dem Gericht, den Angeklagten in einem Gefängnis eine Ausbildung absolvieren zu lassen, bevor der Versuch einer Therapie unternommen werden könnte. Der Prozess dauert an. (wal)

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