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Die Saatkrähe gehört zu den Rabenvögeln und ist geschützt. Vor Jahren gab es bereits die ersten Beschwerden über die Tiere, die im Bereich des Schopflachwäldchens in Puchheim siedeln. Mittlerweile haben sich Splitterkolonien gebildet. Die Stadt setzt vor allem auf Vergrämungsmaßnahmen – und will heuer erstmals Eier entfernen.

In Puchheim

Mit einer Drohne gegen die Saatkrähen

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Die Brutsaison der Saatkrähen steht bevor – und die Stadt Puchheim intensiviert den Kampf gegen die Tiere. Erstmals sollen Eier entfernt werden. Bäume werden mit Netzen verpackt, und eine Drohne soll eingesetzt werden, um die Splitterkolonie aufzulösen.

Puchheim– Seit Donnerstag hängt ein Netz über einem der drei Bäume an der Allinger/Egenhofer Straße, auf dem die Saatkrähen bevorzugt Nester bauen. Die anderen zwei Bäume sollen in den nächsten Tagen folgen. Mit den Netzen soll der Nestbau verhindert werden. Schließlich steht die Brutsaison kurz bevor. „Ende Februar fangen die Krähen langsam an, Nester zu bauen“, erklärt Monika Dufner vom Umweltamt der Stadt. Acht bis neun Nester an einem der drei Bäume seien die Regel. Der Kampf gegen die Saatkrähen währt seit Jahren. Anwohner hatten sogar schon Unterschriften gesammelt. Bislang blieben alle Versuche der Vergrämung ergebnislos. Die Tiere stören nicht wegen des von ihnen verursachten Lärms, sie hinterlassen auch Schmutz auf Balkonen, Terrassen und auf Grabsteinen. 

Das Anbringen der Netze sei sehr aufwändig und nur mittels Hebebühne möglich. „Wir müssen beobachten, wie es läuft“, sagt Dufner. Sollten sich Tiere darin verheddern, dann kämen die Netze wieder weg.

Neben den Netzen soll auch ein so genannter Birdguard angebracht werden – im Bereich der Sprengerinstraße. Denn dort hat sich eine Splitterkolonie gebildet. Dabei wird ein Lautsprecher im Baum installiert, der nach dem Zufallsprinzip Panikrufe von Saatkrähen abgibt, erklärt Dufner. Dadurch sollen die Vögel vergrämt werden.

Ob das aber wirklich klappt, ist fraglich. Denn Saatkrähen sind sehr schlau und lernen rasch. Von den roten Luftballons und den Klatschen, die die Stadt in den Vorjahren am Friedhof anbringen ließ, haben sie sich jedenfalls nicht beeindrucken lassen.

Zudem soll eine Drohne die Tiere aufschrecken und im besten Fall auch vertreiben – zurück zur ursprünglichen Kolonie im Schopflachwäldchen. Das Fluggerät gehört der Biologin Monika Sepp, erläutert Dufner. Es soll mehrmals eingesetzt werden und „die Tiere hoffentlich stören“. Sobald es wieder wärmer wird, soll die Drohne das erste Mal kreisen.

Bei einer Kolonie in Kempten habe man bereits mit einem solchen Fluggerät experimentiert, berichtet Dufner. „So richtig durchschlagend erfolgreich war das aber nicht.“ Die Drohne sei einfach ein zusätzliches Mittel im Paket der Vergrämungsmaßnahmen.

Größeren Erfolg verspricht sich Dufner vom Entfernen von Eiern, wofür die Höhere Naturschutzbehörde nun Grünes Licht gegeben hat. Betroffen davon werden vor allem die Gelege in den Randbereichen des Schopflachwäldchens, im Friedhof, an der Allinger Straße und im Sprengerinwäldchen sein, so Dufner. „Wir werden aber nicht alle Eier rausnehmen“, erklärt die Expertin. Vielmehr werde experimentiert.

So werde man in bestimmten Bereichen nur wenige Eier herausnehmen, in anderen wiederum alle. Außerdem wolle man teilweise die Eier durch welche aus Gips ersetzen. So könne man feststellen, ob die Entnahme etwas bringe. „Wenn ich von vier Eiern zwei wegnehme, dann aber vier Jungvögel habe, dann weiß ich, dass es nicht geklappt hat“, so Dufner.

Kontrolliert werden soll das Ganze mittels einer Drohne, die zwei bis drei Mal über den Bereich des Schopflachwäldchens kreist. Anders als die Stör-Drohne fliegt diese aber deutlich höher. „Die Tiere werden dadurch nicht gestört“, sagt Dufner.

Mit der Ei-Entnahme könnte man die Krähen austricksen. Bei Tauben sei die Methode schon erfolgreich praktiziert worden. „Die bemerken nicht, dass die Eier aus Gips sind, brüten einfach weiter und irgendwann geben sie auf“, berichtet Dufner. Aber wie schon gesagt, Saatkrähen sind schlaue Tiere. Es könnte auch sein, dass sie die falschen Eier bemerken und neue nachlegen. Ende März soll es an die Gelege gehen.

Ob die neuen Maßnahmen erfolgreich sein werden, ist völlig unklar. „Es sind alles Pilot-Projekte“, so Dufner. „Man muss schauen, wie sie funktionieren.“

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