Brenzlig wurde es nur einmal beim Puchheimer Bildungspatenfest: Ein Feuerspucker faszinierte die Kinder.

Bildungspatenfest

Mit etwas Nachhilfe Kinderherzen gewinnen

„Darf man eigentlich noch ein Gutmensch sein?“, fragte Bürgermeister Norbert Seidl in seinen Eröffnungsworten angesichts des jüngsten Bundestagswahlergebnisses. 

Puchheim – Man darf, wie sich beim ersten Puchheimer Bildungspatenfest zeigte. Vier Einrichtungen aus der Stadt warben um neue ehrenamtliche Helfer für jene, die auf dem Alois-Harbeck-Platz herumtollten: die Kinder.

Was genau macht ein Bildungspate? Nach den Worten von Rosmarie Ehm, Rektorin der Grundschule Süd und für den Deutschen Kinderschutzbund vor Ort, macht er „einen ganz, ganz coolen Job“, trainiert auch in höherem Alter noch seine Gehirnzellen und bekommt seinen Einsatz vielfach durch Zuneigung entgolten: „Die Kinder lieben Sie.“

Die meisten Paten geben praktisch kostenlose Nachhilfe und Sprachunterricht. So wie Helmi Lieder, ehemals Kindergärtnerin, heute Rentnerin, die im vergangenen Schuljahr drei Zweitklässler betreute, darunter einen jungen Libanesen, der ohne seine Mutter in Puchheim aufwächst und mit der fremden Sprache noch Schwierigkeiten hatte. Nach einem Jahr ist er im Lesen und Schreiben vorangekommen – und hat eine Ersatz-Oma als weibliche Bezugsperson gewonnen. „So ein Kind sucht ja auch nach einer mütterlichen Person“, weiß Helmi Lieder.

Sogenannte bildungsfern aufwachsende Kinder gibt es auch in deutschen Familien, aber die Mühen des Spracherwerbs kennen vor allem die Migrantenkinder. Auch wenn sie sich notdürftig verständigen können, fehlt es doch an Wortschatz und Grammatik. Eine Frau vom Fach bringt ein Beispiel: „Ich heut’ Aldi“ drückt dann aus, dass der junge Mensch einkaufen war oder noch will.

Es gibt Klassenpaten wie Helmi Lieder, die in die Schule kommen und von den Lehrern für bestimmte Kinder eingeteilt werden, oder Unterstützer bei der Hausaufgabenbetreuung, wie sie etwa das Zentrum aller Puchheimer (ZaP) anbietet. Handwerkliche Bildung und die nicht nur für Kinder vermittelt dagegen Bernd Moraweck, der in der vom Asylhelferkreis eingerichteten Fahrradwerkstatt mithilft. Auch wenn hier anfangs eher „händisch“ kommuniziert wird, nimmt bei den Besuchern nach seiner Beobachtung die Sprachkompetenz allmählich zu. Nebeneffekt: Die Leute kommen raus aus ihren Unterkünften.

„Man muss mit Kindern können und erklären können“, umschreibt Ehm die wenigen Anforderungen an einen Bildungspaten. Die brauchen außerdem ein Führungszeugnis. Gewöhnlich dauert die Beziehung zum Patenkind ein Jahr, eine gesamte Grundschul-Laufbahn lang müssen die Kinder nicht betreut werden.

Gutmenschen dürfen aber alle Bildungspaten sein. Denn wie hatte der Bürgermeister nach seiner rhetorischen Eingangsfrage gemeint: „Sie sind auf dem richtigen Weg. Sie sind die richtige Antwort auf die Probleme, die es in dieser Stadt gibt.“ (op)

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