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Ganz schön viel Rauch: Kräuterpädagogin Christine Huber zeigt den Kursteilnehmern wie man mit glühender Kohle räuchert. 

Ein Ritual, alt wie das Feuer

Mit Räuchern das neue Jahr begrüßen

Puchheim – Auf die nächsten sechs Nächte bis zum Dreikönigstag kommt es an: Den zweiten Teil der Rauhnächte nutzen Räucherfans, um sich positiv auf das neue Jahr einzustellen. Mit einer Schale in der Hand und den entsprechenden Kräutern geht Christine Huber durch das Haus – und lässt Wünsche, Bilder und Visionen aufleben.

„Damit schaffe ich ein gutes und positives Energiefeld für das neue Jahr“, sagt die Kräuterpädagogin vom Kreuthof. Nach alter Tradition seien auch die sechs Rauhnächte zwischen Weihnachten und Silvester wichtig, um in Stall, Haus oder Wohnung alles Belastende und Ungute des vergangenen Jahres aufzulösen. „Mit einer atmosphärisch reinigenden Räuchermischung, bestehend vor allem aus Weihrauch, Lavendel und Wacholder, lässt sich das alte Jahr noch einmal gedanklich durchwandern und abschließen“, sagt Christine Huber.

Ein halbes Dutzend Damen unterschiedlichen Alters haben sich in ihrer geschmackvoll eingerichteten Kräuteria versammelt und lauschen ihren Worten. Sie wollen sich von der Erlebnisbäuerin in die Geheimnisse des Räucherns einführen lassen. Wo es sonst Kurse zu Ernährung, Fasten, Abnehmen oder Brotbacken gibt, geht es nun darum, Basiswissen zu diesem winterlichen Ritual zu erfahren, das so alt ist wie das Feuer. Und, wie bei einer Weinprobe, interessante Kräuter und Harze praktisch zu „verkosten“.

Wer beim Räuchern nur an Weihrauchschwaden bei Hochämtern und deswegen hüstelnde Leute in der Kirche denkt, hat nur einen Teil des Räucherns erfasst. Nämlich den, bei dem verschiedene Baumharze, die meist aus dem Oman stammen, auf glühenden Kohlen verbrannt werden. Es geht aber auch dezenter: Dazu werden – im Idealfall selbst gesammelte – Kräuter in einem kleinen Stövchen über einer TeelichFlamme langsam verglüht.

Verwendet wird, was in der Natur wächst, wobei der Kräuterbuschen, der an Mariä Himmelfahrt in der Kiche gesegnet wird, schon mal einen guten Anhalt bietet. Blüten der Königskerze helfen bei Streit und Spannung, entladen Atmosphäre oder Elektrosmog. Johanniskraut bekämpft Liebeskummer, Traurigkeit und Depression. Lavendel desinfiziert muffige Räume und Krankenzimmer und schafft einen klaren Kopf. Die Minze energetisiert Körper und Geist und hilft, den Alltag erfolgreicher anzugehen.

Wenn die getrockneten Pflanzen gerade nicht zur Hand sind, kann man sie auch kaufen. „Freilich funktioniert auch ein aufgeschnittener Teebeutel, dann aber besser einen echten aus biologischem Anbau und keinen aromatisierten“, erklärt Christine Huber. Sie nimmt sich aus ihrer Wand voller Teebüchsen einfach die Kräuter heraus, worauf sie gerade Lust hat.

„Ein Räuchergefäß, das auch eine mit etwas Sand gefüllte Keramikschüssel sein kann, in der die Kohle liegt, wird meist für das Ausräuchern von ganzen Wohnungen verwendet“, erklärt die Expertin, die ihre Räucherkenntnisse vor Jahren bei Kursen im österreichischen Kloster Neustift erworben hat. Freilich gilt das auch für Hühnerställe, um mit Rainfarn die Milben und andere Schädlinge zu bekämpfen. Womit neben dem Konservieren und Aromatisieren ein weiterer Zweck des Räucherns genannt ist.

Beim Ausräuchern, zu dem Christine Huber auch ins Haus kommt, ist Konzentration und Zeit gefragt. Man müsse sich dabei schon geistig drauf einlassen „und nicht einfach mal tanzend durchs Haus hüpfen“. Beim Gang durch das Haus beobachtet sie dabei immer die Rauchentwicklung.

Wenn der Rauch stark verwirbelt, stimme etwas nicht, sagt sie. Dann fächelt sie so lange Rauch mit einer Vogelfeder an die betreffende Stelle, bis sich alles beruhigt hat. Frühestens nach zehn Minuten dürfe und solle man dann lüften, denn der Qualm muss raus, nur der Duft soll bleiben. Bernadett Hintermaier hat das Haus-Ausräuchern schon getestet: „Damit habe ich die schlechte Energie vertrieben, unsere Tochter schläft seitdem wieder nachts durch“, so die Mutter zweier Kinder.

Ein besonders intensives Dufterlebnis garantieren Harze. Klassiker sind die von der Myrrhe (Balsambaum) der heimischen Fichte, aber auch Copal und Styrax aus Amerika. Und die Wirkung des unverbrannten Harzes vom Campherbaum ist sogar medizinisch nachgewiesen.

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