T-Shirts über Stühlen statt Publikum: Auch für Puchheims Bürgermeister war die Online-Premiere der Bürgerversammlung gewöhnungsbedürftig.
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T-Shirts über Stühlen statt Publikum: Auch für Puchheims Bürgermeister war die Online-Premiere der Bürgerversammlung gewöhnungsbedürftig.

Virtuelles Treffen

Mit T-Shirts über Stühlen statt Publikum: Bürgerversammlung vor Geisterkulisse

In Puchheim fand die Bürgerversammlung zum ersten Mal nur virtuell statt. Corona war dafür der Auslöser und zugleich eines der zentralen Themen. Die Bürger fragten vor allem nach dem Tempo-Limit an der Lochhauser Straße.

Puchheim – Etwas gespenstisch wirkte die Kulisse im Kulturzentrum schon. Das Publikum sollten 24 T-Shirts darstellen, die über leeren Stühlen hingen und so etwas wie „Nestwärme“ verbreiten sollten. Und der Applaus nach dem Rechenschaftsbericht des Bürgermeisters Norbert Seidl fiel etwas schütter aus: Nur die zehn anwesenden Rathaus-Mitarbeiter und PUC-Techniker rührten ihre Hände zum Beifall. Aber die rund 80 Puchheimer, die bei der ersten Online-Bürgerversammlung dabei waren, schienen zufrieden. „Danke,“ „gut gelaufen“, „tolles Format“ lauteten einige der abschließenden Kommentare.

Den Anfangsblock bestritt der zugeschaltete Landrat Thomas Karmasin, der zum aktuellen Corona-Stand befragt wurde. Die Impfzentren hätten Kapazitäten, es fehle aber noch am Impfstoff. Und dass tatsächlich die Hausärzte im April beginnen könnten, selber zu spritzen, hält der Landrat noch nicht für ausgemacht: „Nicht alles, was die Politik an Terminen zugesagt hat, ist eingetroffen.“ Karmasin sprach sich aber dafür aus, die Flüchtlinge in Gemeinschaftsunterkünften mit höherer Priorität zu impfen: „Nicht um sie zu bevorzugen, sondern zum Schutz unserer eigenen Bevölkerung.“

Das Virus war auch Thema in Seidls Rechenschaftsbericht. Das Hin und Her sei sicher zermürbend, aber: „Ich kann Sie nur bitten, nicht zu verzweifeln und es weiter ernst zu nehmen“, sagte er in die Kamera. Neben dem Greensill-Fiasko („Wir arbeiten an dem Thema täglich einige Stunden“) sprach der Bürgermeister auch einige statistische Daten an. Zum letzten Mal wolle er erwähnen, dass jeder vierte Puchheimer Ausländer ist. Denn „die Menschen leben hier so selbstverständlich, dass sie nicht mehr gesondert genannt werden müssen“.

Bei den Fragen, die teils vorab eingereicht worden waren, teils erst während der Versammlung gestellt wurden, gab es keinen Schwerpunkt. Wenn überhaupt, dann war die Lochhauser Straße noch ein besonderes Thema. Die ersten Tempomessungen im verkehrsberuhigten Geschäftsbereich seien „nicht so erschreckend“ ausgefallen wie erwartet, sagte der zuständige Ordnungsamtsleiter. Und fehlende Markierungen auf der Straße lägen an den ausgebuchten Beschriftungsfirmen, ergänzte Seidl.

Außerdem angesprochen: Hallenbadsanierung (Fertigstellung Mitte 2023), brummendes Umspannwerk (derzeit teilabgeschaltet) und Stadtmitte-Baubeginn (steht in den Sternen). Etwas Gewohntes ließ sich der Bürgermeister aber auch im leeren PUC nicht nehmen: die Ehrungen. Urkunde und einen Faustdruck erhielt der kurz anwesende Thomas Salcher für 25 Jahre in der Feuerwehr. Georg Schmid, ein Vierteljahrhundert Feldgeschworener, bekam seinen Dank online: „Lieber Schorsch, herzliche Grüße von hier aus.“

Der Jahresbericht

der Stadt Puchheim liegt im Rathaus, der Stadtbibliothek, der Rathausaußenstelle an der Boschstraße 1 sowie im Bücherkasten vor dem Rathaus aus und kann dort kostenlos mitgenommen werden. Er ist auch auf www.puchheim.de als Download abrufbar. Olf Paschen

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