Alexander von Bothmer war begeisterter Schütze. repro: os
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Alexander von Bothmer war begeisterter Schütze.

Nachruf

Er gab Parkinson-Kranken einen neuen Halt

Als Alexander von Bothmer mit der Diagnose Parkinson konfrontiert wurde, war das zunächst ein Schock. Doch unterkriegen ließ er sich nicht.

Puchheim - Er nahm die Krankheit als Herausforderung an und begann, sich eingehend mit ihr zu beschäftigen. Bald kannte er sich in der Materie so gut aus, dass er Leidensgenossen unterstützen konnte. Mit 60 Jahren begannen sich bei dem Prokuristen die ersten Symptome zu zeigen. Er ging daraufhin frühzeitig in den Ruhestand, doch für ein Leben auf dem Sofa war Alexander von Bothmer nicht geschaffen.

Wie besessen las er sich in das Thema Parkinson ein, besuchte medizinische Vorträge und knüpfte immer mehr Kontakte zu anderen Erkrankten. Viele lernte er über Gymnastikkurse in einem Puchheimer Physiotherapiezentrum kennen. Er wusste, dass Bewegung wichtig war, um die Symptome in Schach zu halten – besonders das gefürchtete Freezing, plötzlich auftretende Bewegungsblockaden, von denen über die Hälfe aller Parkinson-Patienten betroffen sind.

Bald gründete von Bothmer in seinem Wohnort Puchheim einen Parkinson-Stammtisch und später zwei weitere in Fürstenfeldbruck und München. Die Treffen gaben Betroffenen Gelegenheit zum Austausch und wurden für viele eine wichtige Stütze im Umgang mit der Erkrankung.

Alexander von Bothmer erhielt für sein Engagement die Bürgermedaille der Stadt Puchheim und wurde 2013 mit seiner Frau zum Neujahrsempfang des damaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer eingeladen. Höhepunkt der Ehrungen war ein dreitägiger Aufenthalt in Berlin auf Einladung des ehemaligen Bundestagspräsidenten Norbert Lammert – einschließlich Reichstagsbesuch.

Berlin hatte für Alexander von Bothmer eine besondere Bedeutung. In seiner Jugend lebten hier seine Großeltern, die er während seiner Ausbildung zum Bankkaufmann häufig besuchte. Oft war eine Kollegin mit dabei, die in Berlin eine Tante hatte – und die später Bothmers Frau und die Mutter seiner beiden Kinder wurde.

Über seine Frau kam Alexander von Bothmer spät im Leben zum Schießsport. Trotz des für Parkinsonpatienten typischen Zitterns wurde er ein begeisterter Schütze. Er führte im Schützenverein das aufgelegte Schießen ein und beteiligte sich auch an Wettkämpfen auf Landkreisebene. Sein erklärtes Ziel, nicht Letzter zu werden, erreichte er meistens – wenn auch nur knapp. Lange blieb Alexander von Bothmer aktiv, doch zwei Stürze machten ihn zuletzt zum Pflegefall.

Im Haus Elisabeth freute sich der dreifache Großvater über die täglichen Stunden mit seiner Frau und die Besuche seiner Kinder und Enkel. Während der Coronazeit schrieb seine Frau ihm regelmäßig Briefe, die er immer wieder las. Außerdem entdeckte das Ehepaar das Skypen für sich.

Eine enge Beziehung verband den für seinen trockenen Humor bekannten Puchheimer auch mit seinem jüngeren Bruder. Nach dem Tod der Mutter im Jahre 1946 waren die beiden getrennt worden – der damals zweijährige Achim kam zu den Großeltern nach Berlin, der sechsjährige Alexander blieb beim Vater in Murnau.

In seinen letzten Lebenstagen erreichte Alexander von Bothmer die Nachricht vom Tod seines Bruders. Nachdem der Jüngere gegangen war, konnte auch der Ältere loslassen. Er starb im Alter von 80 Jahren – vier Tage nach seinem Bruder.

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