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Den Auftakt zur Bewerbung der neuen Mitte bildete der Wegweiserbaum. Analog zur berühmten Speaker’s Corner im Londoner Hyde Park, wo jeder politische Reden schwingen darf, sollte er als neuer Versammlungsort dienen – mit bisher mäßigem Erfolg.

Stadt bewirbt Zentrum

Neue Mitte Puchheim: So kamen die Aktionen an

Litfaßsäulen und Wegweiser, ein Glashaus als sommerlicher Treffpunkt und vieles andere – die Stadt Puchheim hat sich in diesem Jahr alle Mühe gegeben, für ihr künftiges Zentrum zu werben. Allein: Ist die geplante Stadtmitte zwischen Alois-Harbeck-Platz und Planie deswegen zum Thema bei den Puchheimern geworden?

Ende August wurden Sommermöbel aufgestell: einfache Bänke aus Paletten, welche die Bürger zum Verweilen einluden.

PuchheimJa, glaubt Rathaus-Chef Norbert Seidl (SPD), der aufgrund zahlreicher Begegnungen und Gesprächen auf eine „wirkliche Sehnsucht“ nach einer identifikationsstiftenden Mitte schließt. „Alles schön und gut,“ meint dagegen sein Stadtratskollege und Stadtentwicklungsreferent Reinhold Koch von den Unabhängigen Bürgern (ubp). Aber ob man wirklich viele erreicht habe, die mit der ehrgeizigen Planung sonst wenig am Hut haben, sei fraglich. Das, was an Ideen und Vorschlägen kursiere, sei eben auch nur das, „was Politik und Verwaltung meinen, was die Leute wollen“.

Zudem hat die Stadt Litfaßsäulen aufgestellt, die der Kommunikation dienen sollen.

Ein Hinweis darauf, was den Bürgern wichtig sein könnte, lieferten immerhin die Online-Befragungen. Die Senioren wünschen sich demnach vor allem Einkaufsmöglichkeiten und Sitzgelegenheiten, für die Kinder ist ein Wasserlauf das Wichtigste. Die Beteiligung an diesen Meinungsumfragen war allerdings unterschiedlich, das Ergebnis wohl eher selten repräsentativ.

Kaum messbar ist der Erfolg der diversen Installationen und Mitmach-Aktionen. Im Glashaus standen Kicker und Klavier, gab es Filmvorführung sowie Lyrik-Lesung und zuletzt eine Kollektion von Holzklötzen, mit denen sich theoretisch die Stadtmitte der Zukunft entwerfen ließ. Immerhin stapelten ein paar Kinder die Bausteine zu Türmen. Auch die Texte auf den beschreibbaren Plakatwänden zeugen eher von jugendlichem Mitteilungsbedürfnis. Am neuen Wegweiser, auch als „Speakers’s Corner“ wie im Londoner Hyde Park gedacht, wurden – soweit bekannt – keine flammenden Reden gehalten. Die Bücherschränke zum Tausch und zur kostenlosen Ausleihe wurden allerdings genutzt.

Unter anderem wurden auch offene Bücherregale aufgehängt. Die Schränkchen werden genutzt.

Seit Mai gab es außerdem Vorträge zum jeweiligen Monatsthema, wobei die externen Referenten offenbar nichts wesentlich Neues oder eher Utopisches zur Zentrumsplanung beitragen konnten. „Von unterschiedlicher Güte“, wie es Koch ausdrückt, waren schließlich die bisherigen Workshops mit den künftigen Nutzern der Stadtmitte. Wobei ein Termin, das Treffen zum Thema „Zusammenleben“, etwas aus dem Rahmen fiel. Denn es wurde deutlich, dass der Kindergarten die Alte Schule nur ungern räumen würde. Dort ist allerdings eine „multifunktionale Nutzung“ mit Veranstaltungssaal und eventuell einem Café vorgesehen.

Darüber wird sich der Stadtrat ebenso noch einmal unterhalten müssen wie über die Aussichten für das Gewerbe in der neuen Mitte, dem Schwerpunktthema in diesem Monat. Versprechen Sushi-Bar oder Eisdiele, Massagestudio oder Galerie, Arztpraxis oder Büro mehr Umsatz und zieht es überhaupt Dienstleister und Handel ins neue Zentrum? Denn die entscheidende Frage wird sein, „was die Leute in die Stadtmitte bringt“, wie Seidl es ausdrückt. „Man muss nicht zwingend da durch,“ formuliert es Koch.

Im November steht das Thema Mobilität an, der Dezember soll unter dem Motto „Stadtentwicklung, Stadtplanung, Urbanität und räumliche Qualitäten“ den vorläufigen Abschluss des Bürgerdialogs zur Stadtmitte bilden.

von Olf Paschen

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