Kein autofreies Zentrum, aber mehr alternative Fortbewegung verspricht sich die Stadt von der neuen Anpassung des Stellplatzschlüssels. ArchivFoto: Visualisierung Architektenbüro Weber
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Kein autofreies Zentrum, aber mehr alternative Fortbewegung verspricht sich die Stadt von der neuen Anpassung des Stellplatzschlüssels.

Puchheim

Neue Stadtmitte: Weniger Parkplätze, mehr Fahrradstellplätze

In der künftigen Stadtmitte soll nicht nur der Autoverkehr eingeschränkt, sondern auch an Parkplätzen gespart werden.

Puchheim - Der Entwicklungsausschuss des Stadtrats sprach sich jetzt für einen Stellplatzschlüssel aus, wonach pro Wohnung generell nur mehr ein Parkplatz ausgewiesen werden muss. Bisher sind es zwei, wenn die Wohnfläche über 80 Quadratmeter beträgt. Im Gegenzug müssen künftig 1,25 Radl-Abstellmöglichkeiten pro Zimmer vorgehalten werden, bislang reichte genau eine. Mit dieser Regelung verspricht man sich zwar kein autofreies Zentrum, aber doch mehr alternative Fortbewegung.

Stadtmitte Puchheim: Car-Sharing-Station

Begründet wird die Neuerung durch die besondere Lage. Ganz in der Nähe befindet sich der Bahnhof, fast alle Busse verkehren hier, es gibt zudem eine Car-Sharing-Station. Auch zum Einkaufen oder um Veranstaltungen zu besuchen, bräuchte es kein Auto, argumentierte die Verwaltung. Zudem könnte Wohnen billiger werden, wenn große, teure Tiefgaragen oder viel Platz in Anspruch nehmende Parkplätze nicht mehr in dem bisherigen Umfang gebraucht würden. Künftige Bewohner, so die Hoffnung, verzichten so von sich aus auf ein Fahrzeug und sind vor allem mit dem Radl, zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs.

Ähnlich sahen es die Grünen. Zukunftsfähig zu planen heiße, das veränderte Mobilitätsverhalten einer „urbanen Bevölkerung“ zu berücksichtigen, meinte Manfred Sengl. In München könne man beobachten, wie vor allem für junge Leute das Auto überflüssig geworden sei. Skeptisch war dagegen Michaela von Hagen (FW): Vermutlich zögen die wenigsten neuen Mieter künftig ins Puchheimer Zentrum, um das Fahrradfahren zu genießen. Sondern weil sie überhaupt eine Wohnung gefunden haben.

Stadtmitte Puchheim: Neuer Wohnraum

Dass neuer Wohnraum entsteht, ist so gut wie sicher. Praktisch fertig sind die Pläne für zwei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 17 Wohnungen auf dem bisher unbebauten Grundstück neben dem Jugendzentrum. Da die neue Mitte zum „urbanen Gebiet“ werden soll, gelten auch geringere Lärmschutz-Anforderungen. Auf ihrem Mehrzweckplatz dürften die Jugendlichen künftig länger rumtoben als nur die eine Stunde täglich, die ein Immissionsgutachten als maximale Belästigung für die Anwohner in einem gewöhnlichen Kerngebiet errechnet hatte.

Und überraschenderweise könnte auch gegenüber dem Rathaus gebaut werden, im bisherigen Pfarrhausgarten. Die Kirche soll angedeutet haben, dass auch hier ein kleines Wohngebiet möglich und erwünscht wäre, wenn auch erst in einiger Zukunft. Wobei, wie zwei Pfarrgemeinderatsmitglieder als Gäste im Ausschuss erwähnten, solche Ideen vor Ort durchaus nicht unumstritten sind. Dass es vom Ordinariat keine klaren Aussagen gibt, brachte Max Keil von der ubp in Rage. „Als Stadtrat und katholischer Christ“ fühle er sich veräppelt, wenn von den Zuständigen nicht mehr als ein „spröder Brief“ in Puchheim ankomme: „So können wir nicht umgehen miteinander.“ Für den Zentrumsbebauungsplan hat die Stadt auf dem Kirchengrundstück jetzt ein kleineres Haus nahe am Grünen Markt und einen dreigeschossigen Riegel-Bau an der Poststraße vorgesehen. Nun müsse man auf Stellungnahmen zu diesem Entwurf warten, meinte Bürgermeister Norbert Seidl (SPD).

Für den Rest der Stadtmitte, die vom Rathaus bis zum Ostende der Kennedy-Wiese reicht, waren keine größeren Diskussionen mehr erforderlich. Zentrum des Zentrums bleibt der „Bildungshof“ mit den drei Neubauten für Bücherei, Musikschule und Volkshochschule. Der Ausschuss stimmte dem angepassten Konzept einstimmig zu. OLF PASCHEN

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