Bluttat in Unterföhring: Polizistin wird wohl nicht mehr aufwachen

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Baut gerade seine eigene Ladenkette auf: Imdat Sadak (36) stammt aus der Türkei und lebt in Puchheim.

Immer mehr Migranten gründen eigene Firmen

In der neuen Heimat der eigene Chef

Puchheim - Immer mehr Migranten machen sich in Deutschland selbstständig. Das hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) ausgerechnet.

Mit Fleiß und Ideen werden die Firmengründer ausländischer Herkunft zu einem relevanten Faktor in der regionalen Wirtschaft.

Anatolien im Osten der Türkei zählt zu den ärmeren Regionen des Landes. Dort wurde Imdat Sadak geboren. 1982 holte ihn sein Onkel nach Deutschland. Im Allgäu begannen die beiden vor 16 Jahren Feinkost zu verkaufen. Heute lebt der 36-jährige Sadak in Puchheim, beschäftigt 30 Mitarbeiter und ist auf dem Weg zu einer eigenen Ladenkette.

Er ist kein Einzelfall. „Der Ausländeranteil bei den Existenzgründungen bewegt sich bei gut zehn Prozent“, sagt IHK-Sprecherin Katharina Toparkus. Bei 990 Neugründungen im ersten Halbjahr 2015 im Landkreis entfielen damit rund 100 auf Migranten. Sadaks türkische Landsleute würden sich dabei vor allem in den Bereichen Gastronomie und Einzelhandel – und dort wiederum hauptsächlich mit Textilien und elektronischen Geräten – selbstständig machen.

Sadak und sein Onkel fingen ganz klein an. „Wir hatten ein altes Auto, mit dem wir türkische Bürger in Deutschland mit Spezialitäten aus der Heimat beliefert haben“, erzählt der 36-Jährige. Bald weiteten sie das Geschäft auf Wochenmärkte aus. 2006 schließlich hatte Sadak die Chance, sich selbstständig zu machen und den Platz auf drei Wochenmärkten selbst zu übernehmen.

Die Familie spielt häufig eine wichtige Rolle bei Firmengründungen von Migranten. Die Verwandtschaftsbande gerade bei türkischen Mitbürgern sind laut Harald Hof, Existenzgründungsberater der IHK, besonders stark. Aus diesem Grund würden bei ihm selten Türken vorstellig. „Sie informieren sich meistens untereinander.“ Und auch wenn finanzielle Unterstützung oder bloße Arbeitskraft gefragt sind, hole man sich diese meist in der eigenen Familie.

Etwas anders lief es bei Sadak. Seine Expansionswünsche waren schon immer etwas größer, als die seines Onkels. Und nachdem er sich selbstständig gemacht hatte, ging der Puchheimer sie mit viel Fleiß an. Heute hat Sadak ein Lager in seiner Heimatstadt, von wo aus er mit 20 Fahrzeugen 25 Märkte in ganz Bayern sowie in Salzburg beliefert.

Und er hat noch mehr Pläne. Im neu eröffneten Würmtal-Center im Planegger Ortsteil Martinsried (Landkreis München) hat er bereits seinen ersten Laden eröffnet. Einen weiteren plant er bereits in Pasing. „Ich möchte gerne eine ganze Kette aufbauen“, sagt Sadak. Sein Geschäftssinn wurde noch in der Türkei geweckt – in einem Hotel an der türkischen Ägäis.

Ob es nur der Geschäftssinn ist, oder ob auch noch andere Gründe für die hohe Zahl ausländischer Existenzgründer vorliegen, kann IHK-Berater Hof nur schwer einschätzen. „Vielleicht liegt es auch daran, dass sie in der Arbeitswelt als Angestellte schwerer Fuß fassen und sich deshalb eher in der Selbstständigkeit versuchen.“

Der derzeitige Flüchtlingsstrom lässt vermuten, dass auch zukünftig viele Migranten sich in der Region selbstständig machen. Zwar wies Landrat Karmasin schon mehrfach darauf hin, dass die hohe Zahl der Flüchtlinge nicht nur die benötigten Fachkräfte ins Land spült. Beispiele wie die von Sadak zeigen aber, dass auch Migranten in zweiter Generation ihren Mann in der deutschen Wirtschaft stehen können.

von Andreas Daschner

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