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Bauer aus Überzeugung : Georg Huber schätzt besonders an seinem Beruf, dass er immer greifbar für seine Familie ist. Der 42-Jährige betreibt einen Ackerbaubetrieb mit Pensionspferdehaltung in Puchheim.

Das Aktuelle Interview

Neuer Bauernobmann setzt auf Information

Georg Huber aus Puchheim ist der neue Kreisobmann der Landwirte. Er ist 42 Jahre alt, verheiratet und hat drei Kinder. Bereits seit 2001 ist er Obmann in seinem Heimatort. Dort führt er einen Ackerbaubetrieb mit Pensionspferdehaltung. Ein weiteres Standbein ist die Kräuteria, die seine Frau Christine betreibt. Im Tagblatt-Interview verrät der neue Kreisobmann, warum er so gerne Bauer ist und welche Chancen er für die Landwirtschaft sieht.

Puchheim– 

-Erst einmal herzlichen Glückwunsch zur Wahl zum Kreisobmann. Warum sind Sie denn so gerne Landwirt? Und was ist für Sie das Schönste an diesem Beruf?

Ich sehe mich als Teil eines Generationenvertrages und bin nur deshalb in der Lage, auf meinem eigenen Hof zu sein, weil viele Generationen vor mir gut gewirtschaftet haben. Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als meinen Teil dieses Vertrages zuverlässig zu erfüllen, um auch den nächsten Generationen die Möglichkeit zu geben, diesen unglaublich schönen Beruf auszuüben.

    In unserem Berufsstand geben die Jahreszeiten, die Witterung, der Boden und die Tiere einen Rhythmus vor, der durch nichts und niemanden zu beeinflussen ist. Schließlich leben und arbeiten wir in und mit der Natur, erzeugen hochwertige Lebensmittel, kümmern uns um unsere Wälder und prägen die Kulturlandschaft.

    Wenn ich morgens aus dem Haus gehe, bin ich sofort in der Arbeit und muss nicht im Stau stehen. Auch wenn man viele Stunden am Tag arbeitet, so ist man doch greifbar für die Familie. Und ich betrachte es als Privileg, fast jede Mahlzeit mit meiner Frau und meinen Kindern einnehmen zu können.

-Was möchten Sie als neuer Kreisobmann anpacken, was liegt Ihnen besonders am Herzen, wie lautet Ihre Botschaft an die Bauern?

Unsere Landwirtschaft, unser Berufsstand und jeder einzelne Landwirt sind mir wichtig. Landwirtschaft ist so vielseitig. Jeder Betrieb ist anders und so kommt es natürlich auch unter den Bauern immer wieder zu Problemen. Doch egal welcher Betriebszweig und egal welcher landwirtschaftliche Verband: Wir müssen miteinander reden und gemeinsam für unseren Berufsstand einstehen!

-Bio oder konventionell: Wo sehen Sie die Chancen der Landwirtschaft, was müssen die Bauern Ihrer Ansicht nach anders, vielleicht besser machen, um auch in der Bevölkerung positiver wahrgenommen zu werden?

Zuallererst müssen wir aufhören unsere Landwirtschaft in diese beiden Schubladen zu stecken, so als wäre biologisch gut und konventionell böse. Wir unterliegen wirtschaftlichen Zwängen, können in unserer globalen Welt nur das vermarkten, was der Markt von uns verlangt. Wir arbeiten nach Recht und Gesetz, sind sehr gut ausgebildet und bilden uns ständig weiter. Wir dokumentieren alle Dünge- und Pflanzenschutzmaßnahmen, werden ständig überwacht und kontrolliert.

    Leider wird über unseren Berufsstand sehr oft nur negativ berichtet und schlechte Nachrichten verbreiten sich halt um ein Vielfaches schneller als gute. So gesehen ist es sehr schwer, unseren Verbrauchern zu vermitteln, dass in der Landwirtschaft in Bayern sauber gearbeitet wird. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Menschen überhaupt keinen Kontakt mehr zur Landwirtschaft haben. Wir Bauern müssen lernen, dass wir am Willen des Verbrauchers nicht vorbeiproduzieren dürfen. Wir müssen einen Weg finden, die Wünsche der Menschen und unsere Produktion anzugleichen. Das ist leicht gesagt, aber schwer in der Umsetzung.

-Nennen Sie bitte ein Beispiel in Sachen Verbraucher und Kommunikation.

Angenommen ich entscheide mich, einen neuen Stall zu bauen. Das bedeutet eine hohe Investition und ich bin eine ganze Generation damit beschäftigt, diesen Stall abzubezahlen. Ändert sich in dieser Zeit die Auffassung der Gesellschaft, was tiergerechte Haltung betrifft, kann ich nicht von heute auf morgen einen neuen Stall bauen. Deswegen müssen wir Bauern offen und ehrlich mit den Menschen reden, sie viel besser über die Landwirtschaft informieren, uns aber auch eingestehen, dass nicht immer alles perfekt ist.

-Ohne das Wirken Ihres Vorgängers Johann Drexl schmälern zu wollen: Weht mit Ihnen jetzt ein neuer, frischer Wind durch die Bauernschaft?

Jeder Wechsel bringt Veränderungen mit sich und ob ich ein würdiger Nachfolger von Johann Drexl sein werde, muss ich erst beweisen. Er hat viel Zeit für sein Ehrenamt aufgebracht, und er hat das immer mit ganzem Herzen gemacht. Dafür können wir Landkreisbauern ihm nur dankbar sein.

-Was möchten Sie Ihren Berufskollegen als frisch gewählter Kreisobmann mit auf den Weg geben?

Packen wir’s an! Es gibt für unsere Gesellschaft keine Alternative, als die Zukunft unserer landwirtschaftlichen Betriebe zu sichern. Wer sonst soll die Ernährung der Bevölkerung sicherstellen? Das wird, weil viele von uns im Überfluss und Wohlstand leben, leider oft vergessen.

Das Gespräch führte Angi Kiener

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