Herbert Kränzlein, früherer Bürgermeister von Puchheim.

Neujahrsempfang der Puchheimer SPD

Die SPD: Redliche Arbeit und Lust an der Selbstkritik

„Wofür (steht die) SPD?“: Das wollten Puchheims Sozialdemokraten bei ihrem Neujahrsempfang wissen. Heraus kam ein Psychogramm der SPD.

Puchheim – Die Genossen hatten zwei Gäste eingeladen, um das herauszufinden: Einen externen Beobachter in Gestalt des ehemaligen Chefredakteurs der Süddeutschen Zeitung, Gernot Sittner, der sich allerdings hauptsächlich darauf beschränkte, seinem Gegenüber die Stichworte zu liefern. Und den Genossen Alt-Bürgermeister, Herbert Kränzlein, der in seinem Fast-Monolog zwar Themen nannte, die seiner Partei am Herzen liegen. Mit denen erreiche man aber einen Großteil der Bevölkerung in einer „egomanischen Wettbewerbswelt“ offenbar nicht mehr. Mit ihrer „redlichen Arbeit“ und der mühsamem Suche nach Lösungen wirke SPD-Politik heute vielleicht halt auch wenig attraktiv.

Auch bei redlicher Arbeit können allerdings „schwere handwerkliche Fehler“ passieren, wie sie Kränzlein einräumte. Und auch dass es Personalprobleme, haarsträubende Entscheidungen der Parteiführung gebe, wollte Puchheims früherer Rathauschef nicht leugnen. Aber, dass solche Dissonanzen mit selbstquälerischer Lust auch breitgetreten würden, sei in der SPD offenbar genetisch bedingt. Anders bei der Konkurrenz: „In der Union streiten sie wie die Kesselflicker, treten aber nach außen geschlossen auf.“

Dass seine Partei nicht mehr durchdringt, liegt laut Kränzlein auch an den Medien, die tagelang nur noch etwa über Schnee berichten, aber nicht mehr die Welt und die SPD erklären. Dabei könnte man durchaus ein scharfes programmatisches Profil erkennen: Für die Reichensteuer und die Bodenrechtsreform, für die Maschinensteuer oder aber eine Gewinnbeteiligung der Arbeitnehmer. Man müsse zur Not auch was Unpopuläres sagen, wenn man es für richtig halte. Unpopuläres zu tun, kann aber auch schaden, wie etwa die damals offenbar nur vom Kanzler und den Grünen durchgesetzten Hartz-Reformen. „Natürlich hat diese Schröder-Politik unheimlich viel Vertrauen gekostet.“

In den ungewissen Zeiten von Digitalisierung und Globalisierung habe es eine klassische Arbeiterpartei auch zusätzlich schwer: „Über die Zukunft zu reden war früher einfacher,“ sagte Herbert Kränzlein.

Sein Nachfolger sieht dagegen eine Chance für die Partei darin, auf ein Kernthema zurückzukommen und sich Gedanken über die Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts zu machen. Die SPD wäre dann eine Schwerpunktpartei wie Grüne oder Liberale und müsse nicht mehr den Anspruch erheben, auf alles eine Antwort zu haben, meinte Norbert Seidl. Sondern könne befreit für ein „besseres Leben der Verdammten dieser Erde kämpfen“. von Olf Paschen

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