Puchheim

Obdachlosen-Unterkunft: Nur noch zwei Gebäude für Flüchtlinge

Puchheim – Die Stadt will den Skeptikern gegenüber der geplanten Obdachlosen-Unterkunft in Puchheim-Ort etwas entgegenkommen. Der Planungsausschuss des Stadtrats befürwortete jetzt eine Teilung des dafür vorgesehenen Grundstücks an der Ecke Schwarzäcker- und Alte Bahnhofstraße.

Nur noch die beiden im Westteil geplanten Gebäude sollen für Flüchtlinge und obdachlos gewordene Puchheimer genutzt werden können. Dort werden wahrscheinlich zwölf Wohnungen entstehen. Die beiden andern „Module“, falls einmal Bedarf für sie besteht, sollen ausdrücklich nicht für „soziale Zwecke“ vorgehalten werden.

Mit dieser „Befriedung“ glaubt man, insgesamt 13 Parteien aus der Nachbarschaft, die sich durch ein Anwaltsbüro vertreten lassen, etwas Wind aus den Segeln genommen zu haben. Die Einwender hatten im Rahmen des Anhörungsverfahrens vorbringen lassen, dass die geplante Bebauung mit maximal vier Häusern nicht notwendig und vor allem „nicht nachbarvertäglich“ sei.

Die Stadt hält dem entgegen, dass selbst durch vier Gebäude – im Hinblick auf Belichtung und Belüftung – keine „unangemessene oder bedrängende Bebauung“ für die Nachbarn entstehe. Außerdem ziele die Planung nicht nur auf die Unterbringung von Menschen, die sonst kein Dach über dem Kopf hätten, sondern auf die langfristige Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Zum Beispiel für Erzieherinnen oder Kinderpflegerinnen, deren Einkommen nicht reicht, um auf dem freien Markt eine Bleibe zu finden.

Andere Vorbehalte stießen im Ausschuss auf weniger Verständnis. So wurde von den Nachbarn kritisiert, dass die „Stellplätze“ auf dem Grundstück für Veranstaltungen in Feuerwehrhaus, Schule oder Sporthalle künftig wegfallen würden. Als Parkplatz war das bisher unbebaute Areal allerdings auch nie offiziell vorgesehen. Man werde sich über die Unterbringung des ruhenden Verkehrs Gedanken machen müssen, aber nicht wegen „zwei oder drei Festen im Jahr“ ein ganzes Grundstück freihalten, sagte Bürgermeister Norbert Seidl (SPD). Und sogar ein „Geschmäckle“ hatte für den Rathaus-Chef der Wunsch der Anwohner, gibst du mir, geb ich dir, den Umgriff des Bebauungsplans auch auf Nachbargrundstücke zu erweitern. Um zum Beispiel Carports direkt am Gehweg oder Garagen mit Flachdach ermöglichen zu können. Sogar ein angeblich mal „mündlich zugesagtes Baurecht“ für zwei Stockwerke auf der anderen Straßenseite wurde ins Spiel gebracht.

Für „merkwürdig“ hielt Seidl außerdem die Sorgen des Wasserbeschaffungsverbandes Puchheim-Ort. Der wollte wissen, wieviele Menschen die Stadt unterzubringen gedenke. Denn bei einer „signifikanten Erhöhung der Einwohnerzahl“ müsse die Leistungsfähigkeit der Wasserversorgung überprüft werden. Solche Bedenken habe es bei einer „normalen“ Wohnnutzung bisher offenbar nicht gegeben, merkte der Bürgermeister an.

Auf Anregung des Umweltbeirats werden mit insgesamt 18 Pkw-Stellplätzen weniger ausgewiesen als gewöhnlich, dafür sind mehr Fahrrad-Abstellplätze (24) vorgesehen als erforderlich. Die wenigsten Nutzer würden mit dem Auto vor ihrer Not-Unterkunft vorfahren, so die Begründung. Alt-Bürgermeister Erich Pürkner warnte allerdings vor solchem Irrglauben. Bei den Asylbewerbern mit Bleiberecht werde es sich vor allem um junge Männer handeln und die wollten mobil sein.

(Olf Paschen)

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