Infoveranstaltung

Ortler befürchten Asyl-Ghetto

Puchheim - 31 Flüchtlinge leben bereits in Puchheim-Ort. Nun sollen weitere hinzukommen. In Scharen sind deshalb die Ortler zu einer Infoveranstaltung geströmt.

Kaum ein Platz war mehr frei im Pfarrheim Maria-Himmelfahrt. Selbst im Gang standen die Besucher noch und hörten Bürgermeister Norbert Seidl zu, der zu der Infoveranstaltung eingeladen hatte. Rund 350 Flüchtlinge „nach aktueller Lage“, müssen in Puchheim untergebracht werden, schätzt der Rathauschef. „Wir wollen eine einigermaßen gleichmäßige Verteilung über das Stadtgebiet“, sagte Seidl.

In einem Gebäude an der Alten Bergstraße sind in Ort seit Februar bereits 31 Bewerber untergebracht, die sich auf drei Großfamilien verteilen. Laut Jimmy Liu vom Landratsamt, zuständig für Personalstands- und Ausländerwesen, werden sich die Menschen dort zwei bis fünf Monate aufhalten – je nach Dauer des Aufnahmeverfahrens.

Anerkannte Flüchtlinge sollen nun auch an der Schwarzäckerstraße Platz finden – 60 Personen in zwei Modulen. „Zu viele Menschen“, fanden etliche Anwohner der Schwarzäckerstraße. Sie befürchteten, dass auf Grund der hohen Zahlen eine vernünftige Integration nicht mehr gewährleistet sei.

Bürgermeister Seidl entgegnete ihnen: „Wir wissen sehr gut, wo die Obergrenze liegt, bis zu der Integration gelingt.“ Eine Ghettobildung werde es nicht geben. Zudem würden die künftigen Bewohner sozialpädagogisch betreut. Andere Ortler waren darüber verärgert, dass die Stadt in der Schwarzenäckerstraße so viele Bewohner zulasse, während ihnen beim Hausbau strikte Regeln auferlegt worden seien. „Selbst die Wandfarbe wurde uns vorgeschrieben“, sagte einer.

Ein freies Grundstück neben der Alten Schule will sich die Stadt vorbehalten, um darauf einmal ein Mehrgenerationenhaus zu errichten. Gerade so eine Verwendung sieht die in Puchheim-Ort wohnende Alexandra Tauer als ideale Nutzung auch im Hinblick auf die Asylproblematik. „So ein Haus mit mehreren Generationen kann den Flüchtlingen Halt geben, ihnen helfen Wurzeln zu schlagen“, erklärte die Grundschullehrerin. Gerade Kinder würden durch den unmittelbaren Kontakt zu den Erwachsenen viel zur Integration beitragen. Ihre Erfahrung: „So sind schon etliche Erwachsene motiviert worden, deutsch zu lernen.“

In diesem Zusammenhang wies Stadträtin Barbara Ponn als Mitglied des Asylhelferkreises darauf hin, dass viele Jugendliche mit viel Begeisterung an solchen Kursen teilnehmen würden.

Angelika Biersack meinte, dass auch die Kirchen ihren Beitrag leisten sollten. Bürgermeister Seidl informierte, dass hier Grundstücksangelegenheiten eher langwierig mit dem Ordinariat abgesprochen werden müssten. „Dort denkt man nicht in zwei oder 20, sondern in 200 Jahren.“ (hk)

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