Beim Thema Asyl werden auch Frauen laut

Puchheim – Frauen gehören zum sanfteren Geschlecht und gehen respektvoll und verständnisvoll miteinander um? Indizien dafür, dass dies ein Klischee aus der Männerwelt sein könnte, ließen sich am letzten Volksfest-Tag sammeln.

Denn beim politischen Frühschoppen, den unter Moderation von Bürgermeister Norbert Seidl vier Frauen aus vier verschiedenen im Landtag vertretenen Parteien bestritten, wurde zwar nicht wirklich gekeift, etwas phonstark ging’s am weiblichen Stammtisch aber schon zu.

„Schreien’s doch nicht so“, wurde beispielsweise die Regensburger Landrätin Tanja Schweiger (Freie Wähler) aus dem Publikum aufgefordert. Grünen-Landeschefin Sigi Hagl entschuldigte sich sogar dafür, dass sie etwas lauter geworden war. Und angesichts der Geräuschkulisse meldeten sich selbst die eigentlich für die Lautstärke und den musikalischen Teil zuständigen „Lechfeld Buam“ mit den Worten „Wir wären auch noch da“. Sie durften in der Pause für etwas Abkühlung auch unter den Damen sorgen.

Die Flüchtlingspolitik war es, die die Frauen-Solidarität kurzzeitig auf eine harte Probe stellte. Denn laut Hagl waren es allein die Bürger in Bayern, die den Asylanten-Ansturm meisterten. Solche Aussagen seien eine Ohrfeige für alle Menschen in staatlichen Verwaltungen, schimpfte die CSU-Landtagsabgeordnete Ute Eiling-Hütig. Von wegen: Allein die Landkreise hätten die Flüchtlingsversorgung koordiniert, korrigierte Schweiger. Der Staat habe keine einzige Stelle geschaffen. Salomonisch klang dagegen die Münchner SPD-Stadträtin Beatrix Zurek: „Irgendwo ist jeder a Migrant.“

Aber nach den Lechfelder Buam waren wieder versöhnliche Töne angesagt. Alle vier lieben Bayern. Wegen der Leben-und-Leben-lassen-Mentalität (Schweiger) oder wegen liebenswerter Traditionen wie dem Maibaum-Aufstellen (Eiling-Hütig). Und für Zurek „gehört München genauso zu Bayern wie Puchheim“. Was Sorgen in der kleineren der beiden Städte anbelangt, zeigten sich die Rednerinnen gut vorbereitet. Der S-4-Ausbau müsse endlich von der unsäglichen zweiten Röhre in München entkoppelt werden, fand die Grüne. Beifall auch für die CSU-Frau, die das Saatkrähen-Problem studiert hatte und mit der Aussage „Ich mag die Viecher nicht, weil sie so laut sind“ punktete.

Schließlich erfuhr das rund 100-köpfige Publikum auch noch ein wenig Privates aus dem Leben von Politikerinnen. So hat Eilig-Hütig eine Art Hausmann zuhause, der angeblich auch im Baumarkt das Reinigungssortiment studiert, während sie sich für die Schlagbohrer interessiert. Und die wieder schwangere FW-Landrätin verriet, dass ohne mithelfende Eltern und Schwiegerleut’ Karriere und Kinder kaum vereinbar seien. Ihr Partner tauchte übrigens noch namentlich auf, als Moderator Seidl nach potenziellen Ministerpräsidenten-Kandidaten fragte. Selbstverständlich würde sich auch Hubert Aiwanger eignen, fand dessen Lebensgefährtin. Aber nur, falls der nicht auf die Kinder aufpassen müsse, ergänzte Seidl. 

op

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