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Proben für den nächsten Publikumsrenner

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Von: Ulrike Osman

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Eingespieltes Team: Stefan Kaspar (v.l.), Wolfgang Bleifuß und Alexander Urban bei einem früheren Stück. Kaspar und Bleißfuß befinden sich längst in der heißen Phase für das neue Theaterstück. Der Name wird schon verraten: „Zweimal Himmel und zurück“.

Während viele Laientheater in der Region gerade ihre Stücke zum Besten geben, gehen in Puchheim-Ort die Vorbereitungen in die heiße Phase. Und die Gruppe ist sehr gefragt – sie hat sogar ein wahres Luxusproblem.

Puchheim – Jedes Jahr ein neues Stück, jede Vorstellung ausverkauft – die Laienspieler vom Theaterverein Puchheim-Ort können sich über mangelnden Zuspruch nicht beklagen. Aber sie tun auch einiges dafür. „Wir sind weder die Kammerspiele noch das Burgtheater“, sagt Vorstand Wolfgang Bleifuß. „Aber wir sind nicht schlecht.“ Mit diesem Satz begrüßt er gern das Publikum im Pfarrheim Puchheim-Ort. Bis zu 140 Zuschauer sitzen in jeder der sieben Vorstellungen, die es an drei Wochenenden nach Ostern gibt – rund tausend Menschen, die gut unterhalten werden wollen.

Um das immer wieder zu schaffen, wälzen Bleifuß, sein Stellvertreter Stefan Kaspar und Regisseurin Agathe Meißner regelmäßig die Kataloge der Theaterverlage. Den ganzen Sommer über lesen, vergleichen und diskutieren sie die neusten Stücke. „Was wir machen, soll witzig sein, aber nicht zu klamaukig“, beschreibt der Vorsitzende. „Wir spielen gute, lustige Stücke, wo die Leute lachen können.“ Meist fällt die Wahl auf zeitgenössische Komödien.

Beim Lesen haben die Verantwortlichen schon die Besetzung im Hinterkopf. Wer könnte welchen Part übernehmen? Glücklicherweise stehen bis zu 20 Darsteller aller Altersstufen bereit, so dass junge Rollen ebenso besetzt werden können wie ältere. Bleifuß selbst ist mit seinen 70 Jahren der älteste Mitwirkende. „Den jugendlichen Liebhaber spiele ich nicht mehr“, erzählt er schmunzelnd. „Eher den Opa oder den alten Deppen.“

Es hat Zeiten gegeben, in denen der Verein dünner besetzt war und der Vorstand Rollen anbieten musste wie Sauerbier. „Damals musste man wirklich betteln“, erinnert sich Bleifuß. „Aber die Zeiten sind Gott sei Dank vorbei.“ Inzwischen geht die Tendenz eher dahin, dass es mehr Interessenten als Rollen gibt – „ein Luxusproblem“. Steht die Besetzung, trifft man sich ab November wöchentlich zu Lesungen. Oft wird dabei auch noch am Text gefeilt. „Wir halten uns nicht strikt ans Original.“ Manchmal fallen den Mitwirkenden Unstimmigkeiten auf oder Ausdrücke, die man in Bayern nicht verwenden würde. Dann wird das entsprechend geändert. Mit der fertigen Textversion starten die Laienspieler im Januar in die eigentlichen Proben.

Die müssen zunächst ohne Kulissen stattfinden. Höchstens ein paar Stühle stehen stellvertretend für das Mobiliar, zwischen dem sich die Darsteller später bewegen müssen. Die Bühne kann erst vier Wochen vor der Premiere aufgebaut werden, weil sie ansonsten die Nutzung des Pfarrheims zu stark einschränken würde. „Wir belegen damit immerhin ein Fünftel der Räumlichkeit“, erzählt Bleifuß.

Stellwände, Bühnenausstattung und Requisiten lagern unterm Jahr bei einem befreundeten Landwirt. „Der Bühnenaufbau ist eine Riesenarbeit.“ Glücklicherweise sind unter den 46 Vereinsmitgliedern Schreiner, Maler und Elektriker, die den handwerklichen Part übernehmen und die Kulissen für jedes Stück neu gestalten. Für sein Kostüm sorgt jeder Laienspieler selbst, was relativ unkompliziert ist, da in der Regel zeitgenössische Alltagsgarderobe getragen wird.

Kommt doch einmal ein historisches Stück zur Aufführung, hilft der Kostümverleih. Und wenn klerikale Gewänder gebraucht werden, trifft es sich gut, dass der Verein eine Pfarramtssekretärin zu seinen Mitgliedern zählt.

„Zweimal Himmel und zurück“ heißt die Komödie, mit der die Puchheimer im nächsten Jahr ihr Publikum begeistern wollen. Wolfgang Bleifuß macht sich bereits auf den üblichen Ansturm gefasst. Ein einziger Vorverkaufstermin reicht in der Regel, dann sind alle Karten weg. Auch das ist eher ein Luxusproblem.

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