Da strahlte nicht nur die Sonne: Buchhändlerin Nicola Bräunling (l.) und Puchheims Bürgermeister Norbert Seidl, die das Projekt unterstützt haben, bei der Präsentation auf der Wiese des Kulturzentrums PUC.
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Da strahlte nicht nur die Sonne: Buchhändlerin Nicola Bräunling (l.) und Puchheims Bürgermeister Norbert Seidl, die das Projekt unterstützt haben, bei der Präsentation auf der Wiese des Kulturzentrums PUC.

Blick in fremde Küchen

21 Nationen laden in ihre Küchen ein: Bewohner der Puchheimer Planie stellen ihre Lieblingsrezepte vor

„Wie viele Kochbücher braucht die Welt noch?“, scherzte Bürgermeister Norbert Seidl mit den beiden Vertretern des Verlages. Nun, dieses eine, das jüngst auf der Puchheimer PUC-Wiese offiziell vorgestellt wurde, könnte es wirklich noch gebraucht haben. 

Puchheim – Viele Hausfrauen und einige männliche Köche aus insgesamt 21 Nationen, die in der Planie zu Hause sind, haben nämlich nicht nur Gerichte aus ihrer ursprünglichen Heimat zusammengetragen, sondern sich auch beim Kochen zuschauen und fotografieren lassen. „Komm in meine Küche“ heißt das 190-Seiten-Werk, eigentlich ein Bildband mit Einkaufslisten und Zubereitungstipps.

Für den Single-Haushalt sind die Vorschläge nicht unbedingt vorgesehen. Die Aufnahmen zeigen überquellende Töpfe, randvolle Schüsseln, reich garnierte Platten, die Rezepte sind für manchmal sechs oder acht Personen gedacht. Offenbar wurde meistens nur das Beste und Üppigste aus der Fremde, Hochzeitsmahl und andere Festessen, zum Probieren aufgetischt. Viele Reisgerichte sind dabei, viel Fleisch – meist in Form von Lamm, Huhn oder Hack – gibt es und zahlreiche süße Seelentröster als Nachtisch. Sein Gebäck könne man theoretisch lange aufbewahren, meinte ein Koch. Falls denn einmal etwas übrig bliebe.

Einblick in fremde Küchen

Andererseits hat der Hunger Zeit zu wachsen. Einmal muss ein Teig 24 Stunden ruhen, ein anderes Mal eine Soße vier bis sechs Stunden köcheln. Exzellent fotografiert ist – wie die noch tropfende Auberginen-Hälfte – nicht nur das Slow Food. Manche der Protagonisten erlauben auch einen wirklichen kleinen Einblick in Küche, Esszimmer und Familie. In zwei, drei Sätzen sprechen die meist irgendwann Zugewanderten – Deutschland stellt als einzige Nation zwei Köchinnen – über ihr neues Zuhause. „Fürstenfeldbruck“ sei eines der schwierigsten deutschen Wörter, sagt eine Irakerin. Und ein Kroate, als einziger gelernter Koch, findet Deutschland „so bunt wie einen Salat“.

Die Idee zu dem Projekt hatte Mehmet Birinci vom Quartiersmanagement in der Adenauerstraße, der auch für die Fotos und die kurzen Texte sorgte. Eigentlich war eine „Lebensweltreportage“ aus der Planie geplant, ein Blick hinter die Wohnungstür und nicht nur in die Küche. Aber auch das, was in Zusammenarbeit mit dem Gräfe und Unzer Verlag entstanden ist, hält er für gelungen. „Kochen ist der Gleichmacher“ , sagt er, „das tun alle Puchheimer“. Ähnlich sieht es die für das Buch zuständige Verlagsleiterin Hanne Marie Schröder: „Essen verbindet und ist die natürlichste Sache der Welt.“ Ihr gefiel an der Idee, dass es kein klassisch konzipiertes Kochbuch war, sondern direkt etwas aus dem Alltag vermittelt werde und daher authentisch wirke. „Es ist einfach so echt“, sagt sie. Begeistert war auch Buchhändlerin Nicola Bräunling von der Idee und stellte den Kontakt zum Verlag her.

Engländerin kocht meistens italienisch

Aber Essen ist Geschmackssache, so appetitlich die Fotos im Buch auch wirken mögen. Bürgermeister Seidl hatte drei der Köche zu einem Kurzgespräch auf die Bühne gebeten: Anna, die vor und nach ihrem Gulyás – in Ungarn eine klare Brühe mit Einlage – einen Schnaps empfiehlt, „damit es nicht so anschlägt“. Ciro aus Italien, der in Rom oder Mailand nie eine Pizza essen würde, weil es die wahre nur in seiner Heimat Neapel gibt. Und Rachel aus Birmingham. Gegen die englische Küche gebe es ja gewisse Vorurteile, stichelte der Bürgermeister. Die seien erstens falsch und zweitens koche sie meistens Italienisch, so Rachel.  

Das Kochbuch „Komm in meine Küche“, 192 Seiten, 24 Euro, Gräfe und Unzer Verlag, München.

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Olf Paschen

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