Unterricht im Jahre 1948: Hier die siebte und achte Klasse im Klassenzimmer. 
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Unterricht im Jahre 1948: Hier die siebte und achte Klasse im Klassenzimmer. 

Aus der Geschichte Puchheims

Als ein Lehrer 150 Kinder unterrichtete

  • Andreas Schwarzbauer
    vonAndreas Schwarzbauer
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Die Hausmull-Fabrik in Puchheim-Bahnhof sorgte dafür, dass immer mehr Menschen herzogen. Für die Kinder musste eine Schule her. Und die gibt es sogar heute noch.

Puchheim-Bahnhof – Als im Jahre 1898 die Hausmull-Fabrik in Betrieb ging, zogen zahlreiche Arbeiterfamilien nach Puchheim-Bahnhof. Mitte der 1920er-Jahre lebten bereits 581 Einwohner in dem Ortsteil – darunter viele schulpflichtige Kinder. Diese mussten, oft unzureichend bekleidet, weite Wege auf sich nehmen. 1928 entschied der Gemeinderat, ein Schulhaus am heutigen Grünen Markt zu bauen.

Das 3400 Quadratmeter große Grundstück war eine Spende der Hausmull-Fabrik. Das Gremium beauftragte den Architekten und späteren NSDAP-Bürgermeister Josef Steindl. Er entwarf ein Gebäude im oberbayerischen Heimatstil mit einem repräsentativen Portal und einem überstehenden Walmdach. Im Sommer 1929 startete der Bau, im Januar 1930 wurde Eröffnung gefeiert.

Erweiterungsbau der Schule mit spielenden Schulkindern im Pausenhof 1963. 

Der Bau kostete 71 000 Reichsmark. Den Großteil musste die Gemeinde selbst aufbringen und ein Darlehen bei der Sparkasse aufnehmen. Im Erdgeschoss entstanden zwei Schulsäle, im Obergeschoss eine Lehrerwohnung und -zimmer. Sportunterricht gab es im Schulhof. Dort befanden sich ein Reck und eine mit Sand gefüllte Springgrube. Ein Zeitzeuge erinnert sich: „Wir haben draußen im Hof irgendwelche Übungen gemacht. Das waren mehr gymnastische Übungen. Oder Wettrennen.“

Im ersten Schuljahr besuchten bereits 61 Kinder, die in zwei Klassen aufgeteilt waren, den Unterricht. Im rechten Schulsaal unterrichtete Oberlehrer Anton Stieß die Schüler der 5. bis 8. Klasse, im linken Raum Lehrerin Magdalena Hofmann die Schüler der 1. bis 4. Klasse. Nach dem Ende der NS-Herrschaft wurden im Zuge der Entnazifizierung zunächst alle Lehrer ihres Dienstes enthoben. Neue Lehrer wurden auf ihre Gesinnung geprüft. Der Schulleiter wurde nicht mehr eingestellt. Dies hatte zu Folge, dass zwischenzeitlich nur ein Lehrer für 150 Kinder da war.

Oberbayerischer Heimatstil: So wurde die Schule in Puchheim-Bahnhof am heutigen Grünen Markt entworfen.

Und die Bevölkerungszahl wuchs weiter: 1954/55 mussten bereits 224 Kinder im Schulhaus Platz finden. Ein Teil wurde notdürftig im Keller untergebracht. Zudem war nach dem Kriegsende die Gemeindekanzlei von Puchheim-Ort in das Gebäude gezogen. Das Schulhaus war somit heillos überbelegt.

Deshalb beschloss der Gemeinderat einen Erweiterungsbau für 337 000 Euro zu errichten. Das 1955 fertiggestellte Gebäude hatte drei Klassenräume, ein Lehrerzimmer und Funktionsräume im Erdgeschoss sowie eine Schulküche, ein Brausebad und Funktionsräume im Untergeschoss.

Gemeindekanzlei in der Küche

Die Schulküche wurde aber nie zum Kochen genutzt. Vielmehr zog dort bald die Gemeindekanzlei ein. Mithilfe von Trennwänden aus Holz entstanden Verwaltungsräume, ein Bürgermeisterzimmer und ein Wartebereich. Eigentlich sollte das eine provisorische Lösung sein, bis ein eigenes Rathaus bezogen werden konnte. Doch letztendlich blieb die Gemeindekanzlei elf Jahre.

Puchheim-Bahnhof wurde größer und größer, am Ortsrand entstanden neue Hochhäuser und 1969 eröffnete eine 16-zügige Volksschule am Gerner Platz. 1974 wurde darüber hinaus die Grundschule Puchheim-Süd am Distelweg eingeweiht. Die beiden Gebäude am Grünen Markt hatten damit als Schule ausgedient. Das alte Schulhaus wurde 1979 für 845 000 DM in ein Jugendzentrum umgebaut. Heute befindet sich dort ein Kindergarten. Der Erweiterungsbau diente zunächst als Ausweichstandort für die Hauptschule. Seit 1987 sind dort die VHS und ein Bürgertreff ansässig.

2009 stand der Fortbestand der Alten Schule auf der Kippe. Der Gemeinderat beschloss, das Gebäude im Zuge der Neugestaltung der Ortsmitte abzureißen. Dagegen bildete sich eine Bürgerinitiative unter Leitung von Johannes Haslauer. Die „Freunde des alten Schulhauses Puchheim-Bahnhof“ verwiesen auf den hohen historischen und baulichen Wert des Gebäudes und erreichten den Erhalt der Alten Schule.

Die Serie

Im Tagblatt blickt der Kulturverein d’Buachhamer in die Vergangenheit zurück. Basis sind die 22 Stationen des Geschichtspfads im gesamten Stadtgebiet. Auch interessant: Die beiden ältesten Gebäude Puchheims

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