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Manche in Tracht, manche in feinem Zwirn : die Abiturienten des Puchheimer Gymnasiums. 

Gymnasium Puchheim

Abiturfeier: Ehemaliger Lehrer korrigiert den Direktor

Dass ein ehemaliger Lehrer dem Direktor widerspricht, in seiner Ansprache die vorige kritisiert, kommt auch nicht alle Tage vor. Bei der Abiturfeier am Puchheimer Gymnasium demonstrierten Schulleiter Georg Baptist und Bürgermeister Norbert Seidl sehr unterschiedliches Verständnis für die freitäglichen Klima-Demos der Jugend.

Puchheim – Der Direktor hatte davon gesprochen, dass seine Abiturienten eigentlich gut auf die Herausforderungen des Lebens vorbereitet worden seien. Nur habe er Zweifel, ob auch das vermittelte Wertegerüst wirklich stabil sei. Denn die Tendenz, geltendes Recht, also auch die Schulpflicht, mit Berufung auf höhere Werte zu missachten, habe zu „intensiven Gesprächen“ zwischen ihm und einigen der jetzt zu Verabschiedenden geführt.

Sehr viel mehr Beifall in der rappelvollen Aula bekam Rathaus-Chef Seidl, der die „Fridays for future“ beim Namen nannte. Sozialen Fortschritt gebe es nur mit Widerstand und Ungehorsam. Schulschwänzen sei ja nur ein Aspekt der Bewegung, aber ein „sunday for future“ ergäbe eben auch keinen Konflikt. Und die Schule sei eigentlich genau der Ort, um die Botschaft zu zeigen, dort müsse Reibung möglich sein.

Die Mittelstufe glich einer Sitcom

Seinen „tiefen Respekt für eine Wahnsinnsleistung“ in einem Bundesland mit bekanntermaßen schwerem Abitur bekannte Thomas Schaffrath-Chanson vom Elternbeirat. Hinter jedem erfolgreichen Abiturienten stünden aber nicht nur eine Horde von Nachhilfeinstituten, sondern eben auch die Eltern. Die könnten sich für ihre Leistung auch mal selber applaudieren, was denn auch lautstark geschah. Vize-Landrätin Martina Drechsler überreichte eine Urkunde für die Schülerin mit dem besten Reifezeugnis.

Im heiteren Schweinsgalopp durch acht Schuljahre rasten schließlich noch Jule Kasserer und Anna Strohmeier in ihrer gemeinsamen Abiturrede. Da wurde leicht gelästert über Vertretungsstunden als intellektuellem Höhepunkt oder die Mittelstufe als einer einzigen Sitcom. „Werden Sie glücklich!“ hatte Direktor Baptist seinen Nicht-Mehr-Schülern zugerufen. „Lasst euch nicht instrumentalisieren, bleibt misstrauisch!“ wünschte der Bürgermeister. Die beiden Schülerinnen freuten sich derweil schon auf ein Wiedersehen: „In zehn Jahren, in Leons Partykeller.“

von Olf Paschen

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