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War zum Glück auf der Hut: Brigitte Ehrbar ließ die Abzocker abblitzen. 

Gaunerei am Telefon

Betrüger nutzen Google für neue Abzocke: So wehrt sich Kosmetikerin

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Betrüger haben eine neue Masche entdeckt, wie sie Geschäftsleute abzocken: Diese sollen angeblich plötzlich dafür bezahlen, dass sie bei der Suchmaschine Google im Internet zu finden sind. 

Puchheim – Die Gauner erschleichen sich einen Vertragsabschluss am Telefon. Eine Kosmetikerin ist das erste bekannte Opfer im Landkreis – wusste sich aber zu helfen. Brigitte Ehrbar bringt eigentlich nichts so schnell aus der Ruhe. Schon von Berufswegen her strahlt die Kosmetikerin tiefe Gelassenheit aus. Doch was ihr vor Kurzem passiert ist, brachte sie dann doch aus der Fassung: 549 Euro sollte sie plötzlich dafür bezahlen, dass ihre Schönheitswerkstatt im Internet besser auffindbar ist. „Ich war schockiert“, sagt die 49-Jährige. Sie hatte das Angebot beim Suchmaschinen-Riesen Google – vollkommen zurecht – für gratis gehalten. Doch dann kam der eine Anruf, der alles durcheinander brachte.

Betrüger entdecken neue Masche für Abzocke: Verunsicherung am Telefon

Die Stimme am anderen Ende des Apparates sprach Deutsch mit Akzent und gab an, für einen Business Verlag zu arbeiten, der die Online-Dienstleistungen anbietet. „Na klar, das hat mich stutzig gemacht. Als ob Google bei mir anruft“, erinnert sich Ehrbar. Aber sie war auch verunsichert. Denn die Möglichkeiten zur Gratis-Werbung hatte sie ausgiebig genutzt.

Vor eineinhalb Jahren hatte sie sich selbstständig gemacht und ihren eigenen Kosmetikladen in Puchheim eröffnet: Maniküre, Pediküre, Gesichtsbehandlung, Kurzzeit-Wellness, alles, was der gepflegte Mensch von heute so begehrt. Nun musste sie nur noch mit wenig Budget viele neue Kunden erreichen. Da bietet sich das Internet an: Sie postet regelmäßig Bilder von kreativen Fingernägeln in sozialen Medien und besitzt eine eigene Internetseite. Damit diese bei Google schnell gefunden wird, nutzt Ehrbar „Google My Business“, eine Art Firmen-Facebook.

Abzocke in Puchheim: Dann kommt die Rechnung

Eben dieser Werbe-Service sollte angeblich nach dem ersten Jahr kostenpflichtig werden, wie der Anrufer ihr behauptete. Ehrbar war erst einmal perplex und reagierte aus dem Bauch heraus. „Ich habe denen gesagt, dass ich am Telefon überhaupt nichts regle und sie mir alles schriftlich schicken sollen.“ Sie legte mit komischem Gefühl auf. Tatsächlich war wenige Tage später die – optisch seriöse – Rechnung im Briefkasten des Ladens. „Da bin ich schon in Panik geraten.“

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Sie ging das Telefongespräch wieder und wieder im Kopf durch, hatte Angst, etwas Falsches gesagt zu haben. „Ich bin mir aber sicher, dass ich keinem Vertrag oder so zugestimmt habe“, betont die 49-Jährige. Im Internet fand sie heraus, dass es die Betrügsmasche in ähnlicher Variante bereits gab. Sogar die Nummer, von der aus sie angerufen worden war, war da nachzulesen. Ehrbar entschloss sich, zur Polizei in ihrem Heimatort Gröbenzell zu gehen und Anzeige zu erstatten.

Das erste Opfer im Landkreis Fürstenfeldbruck

Dort mussten sich die Beamten erst einmal kundig machen. Schnell war aber klar: „Auf keinen Fall zahlen, das ist glasklarer Betrug“, erklärt der scheidende Polizeichef Karlheinz Pangerl. Seiner Kenntnis nach ist Ehrbar das erste Opfer im Landkreis. Allerdings: „Es ist eigentlich immer dasselbe Schema.“ Jetzt sind die Betrüger darauf gekommen, die Unsicherheit von Geschäftsleuten mit den neuen Medien auszunutzen. Im Prinzip ist das aber nur Ablenkung.

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Die Masche läuft immer gleich. Die Gauner suchen meist nach Vornamen, die möglicherweise auf ältere Menschen hinweisen. Pangerl erklärt: „Die sind oft die leichteren Opfer.“ Dann versuchen sie sie am Telefon in ein Gespräch zu verwickeln, um möglichst viele Daten zu erfahren. „Sie glauben ja nicht, wie viele Leute sogar ihre Kontonummer am Telefon verraten“, weiß Pangerl. Wenig später flattert eine Rechnung eines ausländischen Absenders ins Haus. Im schlimmsten Fall hat man am Telefon einem Vertrag zugestimmt, ohne es zu wissen und muss sich nun zumindest herumstreiten. „Die schneiden das Telefonat auch so zusammen, dass es wie eine Einwilligung zu einem Vertrag klingt“, sagt der Polizeichef.

Abzocke mit Google-Masche am Telefon: Das rät die Polizei

Dann folgen Schreiben von Inkasso-Unternehmen, bis das Opfer irgendwann doch einknickt. Nicht legal, aber dem Ärger geht man am besten von vornherein aus dem Weg. Pangerl rät deshalb dringend: So schnell es geht auflegen. Wenn man die Nummer nicht kennt, sollte man außerdem niemals mit „Ja“ an den Hörer gehen.

Kosmetikerin Brigitte Ehrbar hat bereits sicherheitshalber eine Widerspruchserklärung zu der Rechnung verschickt. Diesen Rat hat sie von der IHK erhalten – wo man mit derartigen Betrugsmaschen vertraut ist. Ehrbar hofft nun jedenfalls, dass die Sache damit erledigt ist.

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