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Den Kindern mehr zutrauen: Eltern und Kinder sollen sanft an den Schulweg zu Fuß herangeführt werden.

Kurioses aus Puchheim

Fernab der Schule: Haltestellen für Elterntaxis

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Die Grundschule Süd in Puchheim hat durch ihre Lage besonders mit den sogenannten Elterntaxis zu kämpfen. Die Verkehrssituation ist morgens mehr als brenzlig. Nun haben Lehrer und Eltern aber eine besondere Idee entwickelt: Elternhaltestellen.

Puchheim – Das Thema Verkehrssicherheit beschäftigt die Grundschule Süd am Distelweg bereits seit Längerem. Es herrscht eine rege Kooperation zwischen Schulleitung, Elternbeirat und der Stadt. Rektor Christian Römmelt weiß um den Kern des Problems: Die Schule liegt in einem Wohngebiet, die Zufahrtsstraße ist sehr schmal. „Die Elterntaxis blockieren die Straße, es geht sehr eng zu.“ Erschwerend hinzu kommt, dass nebenan auch noch der Kindergarten Schatzinsel liegt, der auch für regen Verkehr sorgt.

Kinder auf dem Weg zur Arbeit einfach absetzen

Wie Rektor Römmelt erklärt, gibt es zwei Gründe, warum einige Kinder nicht zu Fuß zur Schule laufen. Manche wohnen ganz am Ende des Einzugsgebietes, schon fast in Eichenau. „Gerade für die Erstklässler ist das sehr weit weg.“ Ein weiterer Grund ist, dass die Eltern die Kinder einfach auf dem Weg zur Arbeit mitnehmen. Dadurch steigt allerdings das Verkehrsaufkommen vor der Schule und es sinkt gleichzeitig die Sicherheit. Das wiederum könnte mehr Eltern veranlassen, ihre Kinder nicht zu Fuß laufen zu lassen. Ein Teufelskreis – der jetzt durchbrochen werden soll.

Die Schulfamilie hat sich mit Unterstützung der Stadt überlegt, Elternhaltestellen einzurichten. Wer in Richtung Bahnhof unterwegs ist, steuert die Parkbucht an der Allinger Straße beim Kulturzentrum PUC an. Dort sind zwischen 7.15 und 7.45 Uhr (und 15.30 bis 16 Uhr) Parkplätze reserviert, allerdings ausdrücklich zum Kurz-Halten. Sprich: Kind verabschieden, Tür auf und weiter. Die Parkbucht auf der gegenüberliegenden Seite ist bereits entsprechend beschildert: Hier kann man zwischen 7 und 17 Uhr eine halbe Stunde parken.

Belohnungskärtchen fürs zu Fuß gehen

Das Ziel ist, dass die Kinder, am besten in Gruppen, ab der Allinger Straße etwa zehn Minuten zu Fuß zur Schule laufen. „Die Kinder sollen Verantwortung für ihren Schulweg übernehmen“, erklärt Rektor Römmelt. Die Elternhaltestellen seien auch ein guter Weg, die Kleinen da sanft hinzuführen. Erst einmal ist es ein Test. „Wir schauen jetzt, wie es abläuft“, sagt Römmelt. Es sind auch noch weitere Maßnahmen im Gespräch. So soll es eventuell einen kleinen Schulbus geben für die Kinder, die weiter weg wohnen.

Die Elternhaltestellen werden im Rahmen der Kinderfreundlichen Kommune und der Aktion „Zu Fuß zur Schule“ installiert. Um Eltern die Sorge zu nehmen, die Kinder ihren Weg alleine gehen zu lassen, wurden Schulwegpläne erstellt. Das Projekt läuft an der Grundschule am Gerner Platz bereits seit 2017, laut Stadt mit großem Erfolg. In kürzester Zeit waren 96 Prozent der Kleinen nicht mehr mit dem Auto, sondern zu Fuß, mit dem Roller oder Rad unterwegs. Die Kinder bekommen dafür ein Belohnungskärtchen. Die Aktionswochen laufen vom 14. bis zum 20. Februar und vom 4. bis zum 8. Mai. Am Ende wird jeweils ein Klassensieger ermittelt, der den Wanderpokal sowie den Klassenpreis erhält. Bei der Grundschule am Gerner Platz waren es Eisgutscheine. Die Grundschule Süd, die zum ersten Mal dabei ist, hat Bewegungsspiele für die Pause ausgelobt.

Bürgermeister weiht die Elternhaltestellen ein

Die Elternhaltestellen werden am kommenden Freitag von Bürgermeister Norbert Seidl eingeweiht. Treffpunkt ist um 7 Uhr an der Allinger Straße bei der evangelischen Kirche. Im Anschluss geht es als „Bus mit Füßen“ gemeinsam zur Schule.

Ein weiteres Aufreger-Thema in Puchheim: die München-Zulage für Erzieher. Außerdem fordern Grund- und Mittelschullehrer mehr Einstiegsgehalt und geringere Arbeitszeiten.

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