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Hochhausbrand in Puchheim

Vater versuchte noch, das Mädchen zu retten 

Fünfjährige stirbt bei Wohnungsbrand - Es gibt weiter offene Fragen

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    Thomas Steinhardt
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Bei einem Wohnungsbrand in Puchheim (Kreis Fürstenfeldbruck) ist ein Mädchen (5) gestorben. Für die Kripo sind noch nicht alle Fragen geklärt.

Update vom 3. Januar, 13 Uhr: In der Siedlung ist die Trauer um das fünfjährige Mädchen groß, der Schock sitzt auch Tage nach dem verhängnisvollen Brand tief. Am Eingang eines der Hochhäuser in der Adenauerstraße zeugen Kerzen und ein Din-A4-Blatt mit dem Foto der fünfjährigen Vanessa von dem Unglück.

Mit Kerzen und einem Gedicht wird vor dem Hochhaus-Eingang an das verstorbene Mädchen erinnert.

Gegen 13.30 Uhr war in einer Wohnung im achten Stock eines der Hochhäuser ein Brand ausgebrochen. Das Feuer muss sich blitzschnell in der Wohnung ausgebreitet haben. Denn obwohl sich nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord der Vater in der Wohnung befand, schaffte er es nicht mehr, seine Tochter Vanessa zu retten.

Die Ermittlungen zur Brandursache laufen weiter. Warum sich das Kind in einem Schrank versteckt hat, ist noch völlig unklar. Die Leiche des Kindes wurde obduziert. Wie erwartet, wurde als Todesursache ein „Zusammenwirken von Rauchgas und Brandverletzungen“ festgestellt, wie der Polizeisprecher mitteilte. Es gebe „keine Anhaltspunkte für eine Fremdeinwirkung“. 

Die Überprüfung der vorhandenen elektrischen Geräte und Installationen ergab, dass bislang nichts auf einen technischen Defekt als Brandursache hindeutet. Ebenso gibt es bislang keine Anhaltspunkte für eine brandverursachende Einwirkung von außen. Als Ursprungsort des Feuers lokalisierten die Brandfahnder das Schlafzimmer der Zwei-Zimmer-Wohnung. In diesem Zimmer hielt sich nach bisherigen Erkenntnissen das Mädchen zum Brandzeitpunkt alleine auf. 

Die ausgebrannte Wohnung bleibt vorläufig für weitere Untersuchungen sichergestellt.

Nach tödlichem Wohnungsbrand in Puchheim: Hund kann gerettet werden

Die Kleine hatte sich nach Angaben von Alexander Sabaraj, Sprecher der Feuerwehr Puchheim-Bahnhof, in einem Wohnzimmerschrank versteckt. „Für sie kam aufgrund der massiven Brandausbreitung leider jede Hilfe zu spät“, berichtet der Sprecher. Auch die versuchte Reanimation blieb erfolglos. 

Der Vater erlitt eine schwere Rauchvergiftung und musste im Krankenhaus behandelt werden. Die Mutter war nicht zu Hause, als das Unglück geschah. Sie kam aber kurz darauf zurück, ein Kriseninterventionsteam betreute sie. Auch der Hund der Familie konnte gerettet werden.

Wohnungsbrand in Puchheim: Das sagen die Nachbarn

In dem grauen 70er-JahreHochhaus aus Waschbeton direkt am Puchheimer Bahnhof gibt es 72 Wohnungen mit mehr als 120 Personen, quasi ein halbes Dorf. Doch anonym sei das Leben in dem Hochhaus nicht, sagen Bewohner der umliegenden Wohnungen. Sie haben die Nacht in Pensionen verbracht, nun kehren sie zurück, um ihre verqualmte Einrichtung zu lüften. Einige kannten die Familie. „Nette Leute“, sagt einer. Die Eltern des Mädchens lebten schon einige Jahre in dem Hochhaus. Der Vater ist Schweizer, die Mutter stammt aus der Slowakei. Vanessa war der Wirbelwind der Familie, „eine süße Maus“, sagt ein Bewohner.

Mädchen stirbt bei Wohnungsbrand in Puchheim: Brandursache nach wie vor unklar

Die Brandursache ist unklar, nicht einmal das Zimmer, in dem das Feuer ausbrach, ist zweifelsfrei bekannt. Brandfahnder der Kripo Fürstenfeldbruck ermitteln. „Wir kamen gerade vom Einkaufen, ich bin noch rauf und habe meinen Sohn rausgeholt“, erzählt ein Mann, der im 9. Stockwerk wohnt.

Tiefe Reifenspuren eines Feuerwehrfahrzeugs im Rasen und ein rot-weißes Absperrband weisen auch am Tag danach auf den Einsatz hin. Als die Feuerwehr mit einem Drehleiterfahrzeug eintraf, schlugen helle Flammen aus der Wohnung. Erst Feuerwehrleute mit schwerem Atemschutz schafften es, in die Wohnung einzudringen, erklärt der Puchheimer Feuerwehr-Sprecher. Aber da war es schon zu spät. 

Im kompletten achten Stockwerk sind die Wände nun schwarz wie die Nacht. Überall Ruß. Die Hausverwaltung, so erzählen die Bewohner, habe versprochen, unbürokratisch zu helfen. Draußen, rechts am Eingang, flackern die Kerzen im Gedenken an Vanessa. Das Gedicht unter ihrem Foto, das sie mit ihrer Mama zeigt, endet mit den Zeilen: „Im Himmel, wo es sie nun gibt, erzählt sie stolz: Ich werde geliebt.“

Update vom 1. Januar, 12 Uhr: Gut einen Tag ist die Tragödie her, die sich am Montag in einem Puchheimer Hochhaus abspielte und bei der ein kleines Mädchen sein Leben verlor. Nun berichtet die dpa, dass mittlerweile der Vater der Fünfjährigen vernommen werden konnte. 

„Das hat uns bei der Klärung der Brandursache aber nicht weitergebracht“, zitiert die Deutsche Presse-Agentur den Polizeisprecher. Demnach werde die Kriminalpolizei in den kommenden Tagen weiter ermitteln. Rätsel gibt nach wie vor der Brandherd auf. Da sich die Flammen in einer rasanten Geschwindigkeit ausgebreitet hätten, sei dieser noch unklar.

Wie der Sprecher weiter mitteilte, sei die Mutter des Mädchens während des Dramas nicht zu Hause gewesen. Erst wenig später sei sie am Hochhaus in der Adenauerstraße eingetroffen und dann vom Kriseninterventionsteam betreut worden.

Puchheim: Mädchen (5) stirbt bei Brand - Die Nachrichten vom Montag

Update, 18.27 Uhr: Wie der Puchheimer Bürgermeister Norbert Seidl nun bekanntgab, würde das Feuerwerk der Stadt trotz des tragischen Unglücks stattfinden. „Ein sehr tragisches und trauriges Jahresende. Wir haben im Krisenteam die schwere Entscheidung getroffen, das Feuerwerk stattfinden zu lassen. Lassen Sie uns zusammenkommen und vielleicht etwas ernster und bewusster in den Himmel schauen, mit Dankbarkeit, dass wir hier sind“, so Seidl. 

Update, 18.15 Uhr: Wie der Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr Puchheim-Bahnhof Alexander Sabaraj bekanntgab, sei die Wohnung bereits bei Eintreffen der Polizei lichterloh in Flammen gestanden. Demnach hätten die Flammen bereits auf den Balkon übergegriffen. „Zeitgleich wurde das komplette Haus evakuiert. Es waren rund 100 Einsatzkräfte von mehreren Freiwilligen Feuerwehren im Einsatz. Zusätzlich Rettungsdienst und Polizei. Wir mussten zu Fuß die acht Stockwerke hinauf und haben dann die Wohnung von innen gelöscht.“

Bei den Löscharbeiten machte die Feuerwehr dann die erschreckende Entdeckung. Die Fünfjährige versteckte sich in einem Schrank vor den Flammen. Für sie kam jede Hilfe zu spät. „Tragischerweise fanden wir das fünfjährige Mädchen leblos, sitzend in einem Schrank. Ein Notarzt konnte es nicht mehr wiederbeleben. Nach rund 30 Minuten war der Brand vollständig gelöscht. Wir sind alle tief betroffen, dass das Kind nicht überlebt hat. Wir werden sicherlich das Geschehen in der Nachbetreuung aufarbeiten“, so Alexander Sabaraj.

Wohnungsbrand tötet Mädchen aus Puchheim (Landkreis Fürstenfeldbruck)

Puchheim  - Der Brand brach gegen 13.30 in einer Wohnung im achten Stock eines Mehrfamilienhauses an der Puchheimer Adenauerstraße aus. Die meisten Bewohner konnten sich selbstständig aus dem Gebäude retten, wie ein Sprecher der Kripo am frühen Abend auf Nachfrage sagte. 

Mädchen stirbt bei Wohnungsbrand – Fotostrecke

Eine Fünfjährige konnte die brennende Wohnung nicht mehr verlassen, sie wurde von der Feuerwehr leblos geborgen. Sofort eingeleitete Reanimationsmaßnahmen konnten das Mädchen nicht mehr retten. 

Tragödie in Puchheim: Fünfjährige stirbt bei Wohnungsbrand

Der Vater der Fünfjährigen habe noch versucht, das Mädchen aus der Wohnung zu holen, was aber nicht gelang. Der Mann habe Rauchgasvergiftungen erlitten, er wird derzeit in einem Krankenhaus behandelt. Der Feuerwehr gelang es, das Feuer in der Wohnung unter Kontrolle zu bringen, bevor sich dieses weiter ausbreiten konnte. 

Infolge des Brandes kam es zu einem Großeinsatz verschiedener Rettungskräfte und Feuerwehren. Auch ein Hubschrauber war im Einsatz. Die Ursache für den Brand sei im Moment noch unklar, sagte der Polizeisprecher. Weiteres müssten nun die Ermittlungen ergeben. 

Lesen Sie auchSchlimmer Unfall: Mutter mit drei Kindern im Auto verunglückt - Großeinsatz. 

Lesen Sie auch: Brand-Drama: Frau und vier kleine Kinder sterben in Flammen-Hölle

(st)

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