Erzieher und Erzieherinnen sind rar: Das soll sich in Puchheim ändern.
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Erzieher und Erzieherinnen sind rar: Das soll sich in Puchheim ändern.

Puchheim

Sofortpaket gegen Erzieher-Mangel

Der gravierende Mangel an Erziehern ist auch ein Problem, das die Stadt Puchheim beschäftigt. Mit einem Sofortprogramm soll nun Abhilfe geschaffen werden. Dafür werden 450 000 Euro in die Hand genommen. Auch die Qualität der Betreuung spielt dabei eine Rolle.

Puchheim – Mit einem Qualitätsfonds und einem mit 450 000 Euro ausgestatteten Sofortprogramm will die Stadt den Personalmangel in den Kindertagesstätten bekämpfen. Der Sozialausschuss des Stadtrats billigte jetzt nach einiger Diskussion das Konzept, das vor allem auf die Förderung von Auszubildenden zielt. Die Idee: Angehende Erzieher(innen) und Pfleger(innen), aber auch Praktikanten oder junge Leute im Freiwilligen Sozialen Jahr sollen praktisch von der Stadt finanziert werden.

Sie fallen dann nicht mehr unter den normalen Anstellungsschlüssel und werden, so die Hoffnung, nicht mehr nur als Notnagel oder Feuerwehr im üblichen Betriebsablauf eingesetzt. Sogar eine Treueprämie (1000 Euro) für Berufsanfänger, die dann auch vor Ort bleiben, ist vorgesehen. Die sollen nach ihrer Lehrzeit den Eindruck gewonnen haben: „Mensch, in Puchheim kann ich was lernen“, wie es Martin Kulzinger vom Sozialamt formulierte.

Viele Erzieher gehen in naher Zukunft in den Ruhestand

Der zunächst auf drei Jahre befristete Qualitätsfonds ist eigentlich viel umfassender. Gesundheitsförderung, Inklusion, zusätzliche Bildungsprojekte sollen theoretisch genauso förderfähig sein. Nur: Wenn die Fachkräfte fehlen, sind alle anderen Bemühungen Makulatur. Dass die Lage prekär ist, wurde spätestens bei einem Kita-Gipfel deutlich, den Bürgermeister Norbert Seidl kürzlich einberufen hatte und an dem insgesamt 30 Abgesandte von allen Kinderhaus-Trägern, Personalvertreter und Elternbeiräte (allerdings keine Kinder) teilnahmen. Schon heute fehlen stadtweit mindestens sieben Mitarbeiter, vereinzelt springen schon Eltern bei der Betreuung ein, um Gruppen aufrecht zu erhalten. Die Zukunft sieht düster aus: Auch für die künftig verpflichtende Ganztagsbetreuung an Schulen braucht es Erzieher. Zudem stehen viele Beschäftigte vor dem Ruhestand.

Thema auf dem Kita-Gipfel war auch die Großraum-München-Zulage, die von zahlreichen Eltern in einer Petition gefordert worden war. Über diesen Bonus für die Beschäftigten wird der Stadtrat im März befinden – Ergebnis offen. Allerdings sollen auch einzelne (größere) Träger davor gewarnt haben, die Konkurrenz zwischen Kommunen und Betreuungsanbietern zusätzlich anzuheizen. Von einem „Windhundrennen“ war die Rede. Neue Fachkräfte seien auf diese Weise ohnehin nicht oder jedenfalls nicht kurzfristig zu gewinnen.

Viele Kinder sind auf Ganztages-Aufsicht angewiesen

Auch im Ausschuss wurde die Gratifikation von bis zu 270 Euro eingehend diskutiert. Und die Frage, ob nicht auch Mütter und Väter dazu beisteuern könnten, Personal zu halten oder zu bekommen. „Ich seh’ nicht ein, warum die Eltern nicht mal 50 Euro mehr zahlen,“ meinte Maria Ostermeier (ubp). Manche würden dann vielleicht überlegen, ob sie wirklich immer acht Stunden Buchungszeit bräuchten. Christine Eger (CSU) brachte einkommensabhängig Kita-Gebühren ins Spiel und Gisela Gigliotti (Grüne) hielt die Politik der „letzten 20 Jahre“ für verfehlt. Puchheim habe immer die günstigsten Tarife im Landkreis gehabt und so zum Anspruchsdenken erzogen: „Das rächt sich jetzt.“

Rosmarie Ehm (SPD) hielt dagegen, dass gerade für Kinder aus einkommensschwächeren Familien lange Buchungszeiten sinnvoll wären. Zuhause fehle es vielleicht an der angemessenen Betreuung. Und Jens Tönjes, Geschäftsleiter im Rathaus, nahm Eltern in Schutz, die aus beruflichen Gründen einfach auf Ganztags-Aufsicht für die Kleinen angewiesen seien. Und außerdem seien Kitas inzwischen auch Bildungseinrichtungen – eigentlich wie die Schule. Und über Schulgeld rede zurecht auch niemand.  

von Olf Paschen

Bereits Ende vergangenen Jahres wurde im Stadtrat über eine München-Zulage für Erzieher gestritten. Für die Puchheimer Schulen und Vereine steht jetzt eine Traglufthalle zur Verfügung

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