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Dieses Bacherl wird zur Flutwelle: Werner Schröder musste schon mehrfach erleben, wie sein Grundstück bei starkem Regen geflutet wird.

In Puchheim-Ort 

Bei Starkregen wird sein Grundstück zum See

  • Tobias Gehre
    vonTobias Gehre
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Schon mehrmals wurde das Grundstück von Werner Schröder in Puchheim-Ort überschwemmt. Als Grund sieht er die B 2-Umgehung und Veränderungen an einem kleinen Bach. 

Puchheim-Ort – Als der Regen Anfang Februar nicht mehr enden wollte, kamen bei Werner Schröder schmerzhafte Erinnerungen hoch. Immer höher stieg das Wasser in dem kleinen Bacherl, das sich zwischen dem Enten-Brunnen und dem Bolzplatz in Richtung Gröbenbach windet. Doch Petrus meinte es diesmal gut. Der Regen stoppte, das Gewässer blieb in seinem Bett. Zumindest bislang.

Im Sommer 2016 hatte Schröder nicht so viel Glück. Ein nahezu langsam ziehendes Gewitter entlud seine nasse Fracht in Massen über dem Ort. Das Bacherl lief über, flutete den Bolzplatz und strömte in den Garten, die Garage und die Werkstatt des Puchheimers. Als das Wasser wieder weg war, hinterließ es Chaos, Schlamm und 10 000 Euro Schaden.

Das Unwetter war ein außergewöhnliches Ereignis. Doch für Werner Schröder sind auch menschliche Fehler schuld daran, dass die Flut so hoch steigen konnte.

Da ist zum einen die B 2-Umgehung. Sie zerschneidet seit gut zehn Jahren den Parsberg. Schröder ist überzeugt: Wasser, das früher die sanften Hänge in Richtung Westen strömen konnte, wird nun in einen Graben gezwängt, der in das Bacherl nahe seines Hauses mündet. Kritik äußert der Puchheimer auch an der Gestaltung eines weiteren Grabens weiter oberhalb. Unter der B 2 werde dieser in einem 80 mal 60 Zentimeter großen Rohr geführt. Weitere Rohre – unter den Zufahrten auf die Äcker – hätten aber einen weit geringeren Durchmesser. Die Folge aus Schröders Sicht: Das Wasser staut sich, der Graben läuft über, und das kühle Nass landet in jenem Graben, der wieder nahe seines Hauses fließt. Und dann ist da noch der kleine Bach am Bolzplatz selbst.

Bis Ende der 1990er-Jahre strömte das Wasser durch eine Betonrinne in den Gröbenbach. „Damals wurde der Bolzplatz nie überschwemmt.“ Erst als die Stadt das Bacherl aus seinem Korsett befreit hat, sei das Gewässer zur Bedrohung geworden. Der Bewuchs und eine Verengung am Durchfluss unter der Alten Bahnhofstraße verlangsame den Abfluss. Die Folge: An einer niedrigen Stelle des Ufers verlasse der Bach sein Bett.

Werner Schröder ist sauer auf die Stadt. Man nehme ihn nicht ernst, sagt er. Beim jüngsten Hochwasser habe ihm die Stadt sogar eine Rechnung über 640 Euro für den Feuerwehr-Einsatz geschickt. Erst nach seinem Einspruch sei die Zahlungsaufforderung wieder zurückgenommen worden. Schröder fordert: „Die Stadt muss ihre Bürger schützen.“

Im Rathaus sieht man die ganze Sache naturgemäß etwas anders. „Der Bolzplatz ist der tiefste Punkt“, sagt Bürgermeister Norbert Seidl. Dort sammle sich das Wasser. Der Rathaus-Chef verweist auch auf das sich verändernde Wetter. „Starkregen hat heute oft eine andere Dimension als noch vor Jahrzehnten.“ Auch deshalb stellt die Stadt die Entwässerung im Ort gerade auf den Prüfstand. Ein Gutachten, das momentan von einem Ingenieurbüro erstellt wird, soll klären, wo das Wasser herkommt und wo es hinfließt.

Dabei soll es auch noch eine Kamerabefahrung von Regenwasserkanälen und Gräben geben. Seidl gibt aber auch zu bedenken, dass die Stadt nicht schalten und walten kann, wie sie will. „Wir machen es uns nicht leicht“, so der Rathaus-Chef. Denn Maßnahmen, die etwa in Puchheim-Ort getroffen würden, könnten Auswirkungen auf Kommunen am Unterlauf des Gröbenbachs haben. So könnte etwa ein schnelleres Abführen des Wassers in den Gröbenbach für Überflutungen in Gröbenzell sorgen.

Seidl erklärt, dass das Gutachten spätestens im Herbst vorliegt. Dann könne man sich auch daran machen, mögliche Maßnahmen umzusetzen.

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