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Viele Kommunen zahlen mittlerweile Zulagen an ihre Mitarbeiter.

Puchheim

100 Eltern in der Sitzung - Bürgermeister zweifelt an Sinn der München-Zulage

Die Puchheimer Eltern fürchten um die Qualität der Kindertagesstätten in der Stadt, sollte Puchheim nicht auch eine Großraumzulage an die Beschäftigten in den Kindergärten zahlen. Ihrer Sorge brachten sie jetzt im Stadtrat zum Ausdruck.

Puchheim – Eine Aktuelle Viertelstunde, die 40 Minuten dauert, hat es in Puchheim auch noch nicht gegeben. Und selbst die Saatkrähen-Gegner waren damals nicht so zahlreich in einer Stadtratssitzung aufgetreten wie jetzt die rund 100 Mütter und Väter von Kita-Kindern, die bis vor die Tür standen. Ihr Anliegen: Die Stadt soll die Großraum-München-Zulage nicht nur den eigenen Beschäftigten gewähren, sondern auch den Mitarbeitern der von freien Trägern geführten Kindertagesstätten. Sonst entstehe Puchheim ein ernsthafter Wettbewerbsnachteil bei der Suche nach Personal, warnte ein Redner.

Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) äußerte Verständnis für die Eltern, sieht aber nicht oder nicht allein die Kommune in der Pflicht. Ob die bis zu 270 Euro extra im Monat tatsächlich dazu führen, dass Beschäftigte Kollegen und Kindern Lebewohl sagen und sich ins lukrativere München verabschieden, steht dahin. In dem angesprochenen Fall einer Puchheimer Erzieherin gebe es auch andere Gründe für den Wechsel nach Aubing, sagte Seidl.

Gegen immer neue Zulagen

Grundsätzlich ist der Bürgermeister gegen ein System von immer neuen Zulagen, bei dem die Landeshauptstadt stets den ersten Schritt macht, und die Kommunen der Region – wenn sie es sich leisten können – nachziehen müssten, um Leute in Mangelberufen zu halten oder zu gewinnen. Seidl sieht vor allem den Staat in der Pflicht: Der profitiere schließlich auch von steuerzahlenden, in Vollzeit tätigen Vätern und Müttern, die ihre Kinder tagsüber unterbringen müssen. Und auch die Eltern, die schließlich eine Dienstleistung in Anspruch nähmen, müssten zumindest einen Teil der Verantwortung übernehmen – eine Äußerung, die für vernehmliches Gemurre („Es ist teuer genug“) sorgte.

Auch Puchheim schwimmt nicht im Geld

Die Stadt baue Wohnungen für Erzieherinnen, unterstütze die Träger bei Personalentwicklungs- und Qualifizierungsmaßnahmen, aber Puchheim schwimme auch nicht im Geld und habe auch andere wichtige Aufgaben zu finanzieren, meinte Seidl. Beispielsweise die Schulen, deren angemessene Ausstattung die jetzigen Kita-Eltern später sicher zu Recht einfordern würden. Auf mindestens 530 000 Euro jährlich schätzte Jens Tönjes, der Geschäftsleiter im Rathaus, die Kosten einer Zulage für sämtliche Beschäftigten in den Kinderhäusern. Schon jetzt tue die Stadt aber einiges mehr als sie gesetzlich müsste. Fast die Hälfte statt des theoretisch nur notwendigen Drittels aller Betriebskosten der Kindertagesstätten trägt die Kommune. Der Elternanteil liegt bei 17 Prozent.

Die Stadt hat das Thema Zulage in einem Schreiben an die bayerische Sozialministerin aufgegriffen und wartet auf Antwort. Viel Zeit bleibe aber nicht, meinte ein Vater: Das Personal sei jetzt schon überlastet, werde krank, die Qualität lasse nach. Die Kita werde zur Verwahranstalt. Dieser Vorwurf werde den Trägern wohl nicht gerecht, meinte Seidl. Aber die Personalnot sei auch kein Puchheimer Inselproblem. Und der „Topf“, aus dem man Mitarbeiter gewinnen könne, werde eben nicht größer, wenn man mehr Geld in ihn stecke.(op)

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